Die Ratingagentur Moody's hat das Rating von Lufthansa auf Ba1 und damit in den Junk-Bereich herabgestuft.

Lufthansa

18.03.20
Finanzierungen

Lufthansa ist jetzt Junk

Als Folge des Coronavirus stuft die Ratingagentur Moody’s Lufthansa auf Ba1 herunter – damit ist das Unternehmen nicht mehr Investment-Grade. Und die nächsten Einschläge deuten sich bereits an.

Schock für die Lufthansa: Wie die Ratingagentur Moody’s bekanntgab, stuft sie wegen der Folgen des Coronavirus das Rating des Luftfahrtkonzerns von Baa3 auf Ba1 herunter. Damit verliert die Lufthansa ihr Investmentgrade-Rating.

Dies droht in Kürze auch bei Scope und S&P, wo die Lufthansa derzeit noch bei BBB rangiert. Außerdem dürfte der jetzige Schritt von Moody’s nur der Anfang sein – trotz des jetzt erfolgten Downgrades ist der Rating-Ausblick bei Moody’s nach wie vor negativ.

Die Lufthansa ist von der Coronakrise besonders stark betroffen. Moody’s schätzt, dass das Passagieraufkommen der Lufthansa im zweiten Quartal um 50 bis 60 Prozent einbrechen wird – für das Gesamtjahr erwartet die Ratingagentur Rückgänge von 20 Prozent, spricht aber selbst an, dass dies bei weitem nicht das Worst-Case-Szenario sei.

Moody’s: Kreditprofil der Lufthansa besonders anfällig

Konkret rechnet die Ratingagentur damit, dass die Lufthansa in diesem Jahr mit einem „signifikanten negativen Free Cashflow, einem geschwächten Liquiditätsprofil und einem signifikant höheren Leverage“ rechnen muss. Dabei lag der Leverage zum Ende des Geschäftsjahres 2019 bereits bei 3,5x Ebitda und damit schon zu diesem Zeitpunkt unmittelbar an der Schwelle, ab der Moody’s ein BBB-Rating nicht mehr aufrechterhalten kann.

Allerdings stellt Moody’s auch etwas Positives heraus: den finanziellen Spielraum der Lufthansa und die Möglichkeiten von Finanzchef Ulrik Svensson, im Notfall weitere liquide Mittel akquirieren zu können. Lufthansa verfügt derzeit über 4,3 Milliarden Euro an Cash – auch weil CFO Svensson kurz vor der Eskalation der Krise noch Schuldscheine platzierte: Knapp 800 Millionen Euro an freien Kreditlinien, die laut Moody’s keine Covenants enthalten.

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Ulrik Svensson, Deutsche Lufthansa AG

Nach seinem Abschluss an der Stockholm School of Economics fängt Ulrik Svensson bei Swedish Match im Jahr 1985 als Leiter Budget und Berichtswesen an, bis er 1989 zu dem britischen Bürobedarfshersteller Esselte in Stockholm wechselt. Dort ist er regionaler Controller und Geschäftsführer. Von 1992 bis 2000 ist Ulrik Svensson in den zur Stenbeck Gruppe gehörenden Telekommunikationsunternehmen Millicom und Société Européenne de Communication in Luxembourg tätig. Dort verantwortet Svensson die Bereiche  Controlling, Investor Relations, Steuern und Accounting.

Im Jahr 2000 kehrt Svensson zu Esselte zurück, diesmal allerdings nach Großbritannien. Dort ist er Finanzvorstand und zeitweise auch CEO des Unternehmens. Anschließend wechselt Ulrik Svensson 2003, ebenfalls als CFO, zu Swiss International Air Lines.

2006 wird Svensson CEO beim Finanzinvestor Melker Schörling. 10 Jahre lang arbeitet er für die Schweden, bis er im Januar 2017 zur Deutschen Lufthansa wechselt und dort Finanzvorstand wird. Im Mai 2017 wird Svensson neben seiner Tätigkeit als CFO in den Aufsichtsrat der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines gewählt. Im März 2019 gibt die Deutsche Lufthansa die vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bis zum 31. Dezember 2022 bekannt. Am 4. April gibt die Deutsche Lufthansa bekannt, dass Svensson zum 6. April 2020 aufgrund gesundheitlicher Probleme zurücktritt.

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Und Svensson könnte zudem auch noch im großen Stil Flugzeuge beleihen. „In Summe sollte Lufthansa dazu in der Lage sein, auch im Fall eines längeren Stillstands der Flotte liquide zu bleiben“, hofft die Ratingagentur.

Lufthansa-Anleihekurs fällt und fällt (Kurs-Chart seit Anfang des Jahres)

Der Weg zurück ins Investmentgrade ist weit

Doch der Weg zurück ins Investmentgrade nach der Bewältigung der Coronakrise ist jetzt schon weit. Dafür müsste die Lufthansa nicht nur ihren Leverage wieder unter 3,5x Ebitda drücken, sondern auch den wiederkehrenden Cashflow „nachhaltig“ auf über ein Viertel der Nettoverschuldung anheben. Und diese wird wegen der Coronakrise explodieren.

Der Bondmarkt hat den Schritt von Moody’s längst vorweggenommen: Die erst vor einem halben Jahr zu einem Zinssatz von 0,25 Prozent begebene, 500 Millionen Euro schwere Anleihe ist in den vergangenen Tagen auf rund 80 Prozent ihres Nennwerts abgestürzt. Ihre Ablaufrendite liegt inzwischen deutlich über 5 Prozent. Die Hybridanleihe des Konzerns notiert sogar noch tiefer bei 55 Prozent.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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