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PE-Investoren stürmen die Börse

Der Private-Equity-Investor EGT will das Software-Unternehmen Suse an die Frankfurter Börse bringen.
Deutsche Börse AG

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1, die Laborkette Synlab, der Softwarespezialist Suse – was meteorologisch der kälteste April seit Jahrzehnten ist, könnte sich aus der Private-Equity-Perspektive als heißester IPO-Frühling seit langem entpuppen. Nachdem bereits der „wirkaufendeinauto.de“-Betreiber Auto1 im Februar den größten IPO in Deutschland seit eineinhalb Jahren hingelegt hat, stehen für die nächsten Wochen weitere Großkaliber in den Startlöchern – viele davon aus Private-Equity-Hand.

Synlab-Börsengang: Cinven kürzt das Aktienangebot

Den Anfang macht der für Freitag geplante Börsengang von Europas größter Laborkette Synlab, der jedoch deutlich kleiner ausfallen dürfte, als von Haupteigentümer Cinven erhofft. Die Beteiligungsgesellschaft hatte Synlab 2015 für 1,7 Milliarden Euros vom Private-Equity-Investor BC Partners erworben und sich vom bevorstehenden Börsendebüt eine Milliarden-Einnahme versprochen. Doch die Investoren zeigen sich wenig überzeugt, dass das Unternehmen, welches zuletzt stark von der Coronavirus-Pandemie profitierte, seinen guten Lauf auch nach deren Abflauen halten kann.

Die Aktien dürften sich daher mit einem Zuteilungspreis von 18 Euro am unteren Ende der Preisspanne bewegen, die bis zu 23 Euro reicht, hatten die begleitenden Banken am Montag mitgeteilt. Cinven hat reagiert und will nun auch weniger Aktien verkaufen als ursprünglich geplant: maximal 42,9 Millionen anstelle von bis zu 71,5 Millionen. Mit 772 Millionen Euro läge das Volumen des Synlab-Börsengangs deutlich unter den Erwartungen.

Meinauto: HgCapital hofft auf hohe Bewertung

Deutlich besser sieht es für zwei andere IPOs aus, die noch in diesem Quartal folgen sollen. So will der britische Finanzinvestor HgCapital seine Neuwagen-Plattform „Meinauto“ an die Börse bringen.

Die Vorzeichen dafür stehen nach dem Erfolgs-IPO von Auto1 gut: Die Papiere des Branchennachbarn waren Anfang Februar mit einem Ausgabepreis von 38 Euro am oberen Ende der Preisspanne platziert worden und mit einem Plus von 45 Prozent bei 55 Euro in den Handel gestartet. Inzwischen ist der Kurs zwar auf 46 Euro abgerutscht, aber die Bewertung der Autohandelsplattform ist stattlich, und an dieser Messlatte dürfte sich auch HgCapital bei der Preisfindung für Meinauto orientieren.

EQT könnte Einsatz bei Suse vervielfachen

Die gute Stimmung an der Börse will auch der skandinavische Finanzinvestor EQT nutzen und die Softwareschmiede Suse aufs Frankfurter Börsenparkett bringen. Am Montag hatte auch dieses Unternehmen gemeldet, dass die Notierung noch in diesem Quartal erfolgen soll. Geplant ist die Ausgabe neuer Aktien im Wert von  420 Millionen Euro – damit will Suse Schulden senken. Zudem will EQT Anteile abgeben. Damit läutet der Investor den Exit ungewöhnlich schnell ein, auch wenn EQT nach dem IPO zunächst noch wichtigster Anteilseigner bei Suse bleiben will.

EQT hatte die Suse-Übernahme erst im März 2019 abgeschlossen und damals rund 2,5 Milliarden bezahlt. Inzwischen ist der Wert des Unternehmens offenbar auf 8 bis 9 Milliarden Euro angewachsen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob EQT diese Summe auch tatsächlich durchsetzen kann. Gelänge dies, wäre es für EQT ein Coup, nicht nur wegen des Vergleichs zwischen Einstiegs- und Ausstiegspreis, sondern auch wegen des Bewertungs-Multiples: Suse hat im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von lediglich 416 Millionen Euro erzielt – ein Plus von rund 16 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Es steht also ein Umsatz-Multiple von 20x im Raum.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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