Lufthansa

16.06.16
Finanzierungen

Shortseller nehmen Lufthansa ins Visier

Die Lufthansa gerät zunehmend unter Druck von Leerverkäufern. Hedgefonds wie Blackrock, Blue Ridge und Marshall Wace bauen immer größere Short-Positionen auf. Der Weggang von CFO Simone Menne und steigende Ölpreise machen die Lufthansa angreifbar.

Bereits seit einigen Monaten erhöhen mehrere Hedgefonds ihre Leerverkaufspositionen bei der Lufthansa. Jetzt haben sie noch einmal zugelegt und befinden sich damit auf dem höchsten Niveau seit Beginn des Jahres, wie Zahlen des Internetportals mostshorted.com zeigen. Die Leerverkäufer, die mit ihren Positionen auf fallende Kurse der Lufthansa spekulieren, kommen aus der ganzen Welt. Laut Zahlen vom 11. Juni hat aktuell der Londoner Asset-Manager Marshall Wace mit 2,12 Prozent die größte Position. Die zweitgrößte hat der New Yorker Hedgefonds Blue Ridge Capital mit 1,69 Prozent.

Dahinter folgen Blackrock – seit Jahren einer der größten Leerverkäufer in Europa – mit 0,92 Prozent, Tybourne Equity mit Sitz in Hong Kong (0,77 Prozent), der US-Fonds World Quant (0,56 Prozent) und der US-Hedgefonds Millennium International Management (0,53 Prozent). Zusammen summieren sich die Leerverkaufspositionen auf rund 7 Prozent der Lufthansa-Aktien.

Lufthansa-Aktienkurs war zuletzt volatil

Dass die Leerverkäufer sich ausgerechnet die Lufthansa ausgesucht haben, verwundert nicht. Der Aktienkurs war zuletzt stark volatil, aber in der Tendenz fallend. In den zurückliegenden drei Monaten hat die Lufthansa über 25 Prozent an Wert verloren – deutlich mehr als der Dax. Nachdem Finanzchefin Simone Menne vor wenigen Tagen angekündigt hatte, das Unternehmen zu verlassen, gewann der Kursrückgang noch einmal an Dynamik. Mennes Weggang ist ein Verlust für die Lufthansa, sie galt als verlässliche Konstante in dem schon länger recht turbulenten Umfeld, in dem sich die Lufthansa bewegt.

Menne hatte die Finanzen bei dem Konzern neu geordnet und fuhr eine aggressive Hedging-Policy, wodurch die Lufthansa zuletzt stärker als die meisten anderen Airlines von den sinkenden Kerosinpreisen profitieren konnte. Nun muss sich die Lufthansa auf die Suche nach einem neuen CFO machen. Menne wird den Konzern im August verlassen. CEO Carsten Spohr kündigte kürzlich außerdem an, die Airline umkrempeln zu wollen. Eine Übernahme der skandinavischen Airline SAS wurde geprüft, aber verworfen. Auch M&A-Deals mit den Branchennachbarn Condor und Brussels sind im Gespräch, während der Tarifkonflikt mit den Piloten noch immer nicht beigelegt ist – all dies sorgt im Moment für Unsicherheit.

Hedgefonds attackierten Ströer und Wirecard

Zuletzt gerieten Shortseller stark in den Fokus der Öffentlichkeit, als der Werbevermarkter Ströer und der Zahlungsdienstleister Wirecard Opfer von Hedgefonds-Attacken wurden. Unterschied zur Lufthansa: Diese beiden Unternehmen wurden mit heftigen Vorwürfen bezüglich ihrer Geschäftsgebaren konfrontiert. Hinter den Kampagnen gegen Wirecard und Ströer werden Hedgefonds vermutet, die im Vorfeld auf fallende Kurse gewettet hatten. Die Aktienkurse brachen daraufhin stark ein und haben sich bis heute nicht komplett erholt. Der Hedgefonds Muddy Waters, der bei Ströer engagiert war, hatte bereits angekündigt, dass dies nicht die letzte Attacke auf ein deutsches Unternehmen sein dürfte.

Dass sich mit den steigenden Leerverkaufspositionen bei der Lufthansa ein ähnlicher Fall entwickelt, ist allerdings unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz geraten CFOs durch steigende Leerverkaufsposition häufig stark unter Druck, denn mit ihren Investments senden die Shortverkäufer ein starkes Signal, dass die Aktie an Wert verlieren wird. Auch wenn sie falsch liegen, erhöhen hohe Leerverkaufspositionen mittelfristig häufig die Volatilität einer Aktie, weil die Shortseller früher oder später gezwungen sind, ihre Short-Positionen glattzustellen, um die geliehenen Aktien zurückgeben zu können.

Zuletzt waren einige deutsche Unternehmen ins Visier von Leerverkäufer geraten. Darunter befanden sich bekannte Konzerne wie Lanxess, Tom Tailor und Bilfinger. Bei Tom Tailor und Bilfinger sind aber auch andere Hedgefonds engagiert, die auf steigende Kurse setzen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Alle Informationen zur Person und zum Werdegang der scheidenden Lufthansa-Finanzchefin lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Simone Menne.

Gewinnwarnungen, ein Streik nach dem nächsten, ein groß angelegter Konzernumbau – und jetzt auch noch das Coronavirus: Die Lufthansa ist im Krisenmodus. Wie die größte deutsche Airline um die Wende ringt, lesen Sie auf unserer Themenseite zur Lufthansa.