Die Bafin ermittelt offenbar wegen Insiderhandels mit Aktien vom Modeunternehmen Gerry Weber.

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01.11.18
Finanzierungen

Verdacht auf Insiderhandel bei Gerry Weber

Wegen auffälliger Aktienkursbewegungen ermittelt die Bafin jetzt offenbar gegen den Modekonzern Gerry Weber. Im Raum steht der Verdacht auf Insiderhandel.

Die Finanzaufsicht Bafin hat offenbar eine förmliche Insideruntersuchung wegen möglichen Insiderhandels mit Aktien von Gerry Weber eingeleitet. Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, habe die Behörde dies auf Anfrage mitgeteilt. Eine FINANCE-Anfrage dazu ließ Gerry Weber zunächst unbeantwortet.

Zentraler Bestandteil der Untersuchung sind dem Bericht zufolge auffällige Kursbewegungen am 21. September. An diesem Freitag waren in der Xetra-Schlussauktion 600.000 Gerry-Weber-Aktien gehandelt worden. Der „Wirtschaftswoche“ zufolge entsprach das 95 Prozent des Tagesumsatzes. Diese ungewöhnlich große Handelstätigkeit entwickelte sich wenige Minuten, bevor der Branchendienst „Debtwire“ enthüllte, dass Gerry Weber ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben hatte. 

Gerry Weber verschickte Ad-hoc erst nach Börsenschluss

Am gleichen Abend bestätigte die Modefirma dann, dass sie tatsächlich ein Sanierungsgutachten nach dem IDW-S6-Standard angefordert habe – die Bestätigung kam allerdings erst um 22 Uhr und damit nach Börsenschluss. Am darauffolgenden Montag brach der Aktienkurs zeitweise um mehr als 20 Prozent ein. Eigentlich hatte sich Gerry Weber von der Ad-hoc-Pflicht befreien lassen, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Nach dem „Debtwire“-Bericht hätte der Modekonzern dem Magazinbericht zufolge aber seine Aktionäre informieren müssen.

Gerry Weber befindet sich in einer tiefen Krise und durchläuft derzeit die zweite Restrukturierung in kurzer Zeit. Der Modekonzern kämpft gegen sinkende Umsätze und erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2018 einen Verlust vor Zinsen und Steuern von fast 10 Millionen Euro. Besonders der heiße Sommer hat den stationären Kleiderhandel zuletzt stark belastet.

Gerry Weber muss Schuldschein tilgen

Die finanzielle Lage hatte Gerry Weber auch deshalb so zugesetzt, weil im November zwei Tranchen aus einem Schuldscheindarlehen über 31 Millionen Euro fällig werden. Dieses Geld hätte Gerry Weber vermutlich nur schwer aus eigener Kraft aufbringen können. Deshalb drängten die Finanzierungspartner offenbar auf die Anfertigung des Sanierungsgutachtens.

Mitte Oktober gelang der Modefirma dann aber der Verkauf einer Immobilie über 36 Millionen Euro. Mit dem Mittelzufluss kann Gerry Weber nun die Schuldscheintranchen ablösen. Kurz darauf gab es weitere positive Nachrichten: Das angefragte Gutachten bescheinigte Gerry Weber eine gute Sanierungsprognose. 

Anfang Oktober hat das Unternehmen zudem seinen Vorstand auf Restrukturierung ausgerichtet und Florian Frank als CRO berufen. Seit heute ist auch Johannes Ehling als Sprecher des Vorstands im Amt. Nur einen neuen CFO hat Gerry Weber noch nicht gefunden, seit sich Jörg Stüber Anfang August krankheitsbedingt aus dem Vorstand zurückzog.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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