Nächster Coup mit hoher Symbolkraft: Wirecard holt beim Börsenwert nach der Commerzbank nun auch die Deutsche Bank ein.

Wirecard

14.08.18
Finanzierungen

Wirecard holt beim Börsenwert die Deutsche Bank ein

Platztausch mit hoher Symbolkraft: Wirecard hat beim Börsenwert nach der Commerzbank jetzt auch die Deutsche Bank eingeholt. Der Zahlungsdienstleister ist jetzt 21 Milliarden Euro wert.

Die Münchener Wirecard attackiert die klassische Bankenlandschaft: Während Commerzbank und Deutsche Bank an der Börse zu kämpfen haben, eilt der Aktienkurs des Zahlungsdienstleisters von einem Hoch zum nächsten. Am Montagabend lag die Aktie des Dax-Anwärters auf der Handelsplattform Tradegate bei 171,80 Euro und brachte es damit auf einen Börsenwert von rund 21,2 Milliarden Euro.

Damit lag Wirecard sogar vor der Deutschen Bank, die am Montagabend nach einem Kursrutsch nur noch auf einen Marktwert von rund 21 Milliarden Euro kam. Auf Basis der Xetra-Kurse vom Dienstagvormittag liegen Deutsche Bank und Wirecard beim Börsenwert Kopf an Kopf. 

Dax-Aufstieg Wirecards hätte Symbolcharakter

Die Chancen stehen gut, dass der seit Januar amtierende CFO Alexander von Knoop noch in seinem ersten Jahr als Finanzchef mit seinem Unternehmen den Aufstieg in den Dax feiern kann. Dies hätte Symbolwert: Wirecard wäre das erste als Fintech gestartete Unternehmen, das in die erste Börsenliga aufsteigt.

Wirecard profitiert in jedem Fall von der Neuordnung der Börsenindizes, die im September zu deutlichen Veränderungen führen wird. Künftig können TecDax-Unternehmen zugleich im SDax, MDax oder Dax gelistet sein. Selbst wenn es bei der Neuzusammensetzung Ende September noch nicht für die höchste Börsenklasse reichen sollte, wäre Wirecard zumindest einer der größeren MDax-Werte.

Sollte es aber tatsächlich mit einem Aufstieg in den Dax klappen, könnten die Bayern unter CFO Alexander von Knoop ausgerechnet einen klassischen Bankenwert ablösen: Die Commerzbank droht, aus dem Index zu fallen. Beim Börsenwert ist sie bereits deutlich abgefallen und brachte es zuletzt noch auf rund 10,5 Milliarden Euro. Obwohl es bei der Handelsliquidität etwas besser aussieht, scheint der Dax-Abstieg der Commerzbank aus heutiger Sicht kaum noch abwendbar.  

Wirecard hängt Deutsche Bank ab (Ein-Jahres-Chart)

Wirecard expandiert ins Kreditgeschäft

Der Zahlungsdienstleister, der sich in der Vergangenheit mehrfach gegen Shortseller-Attacken wehren musste, ist gerade dabei, seine Geschäftsbasis zu verbreitern. Einerseits will der Konzern sowohl Zahlungen beim Händler als auch mobile Zahlungen und Online-Geschäfte abdecken und sich damit von klassischen Banken abgrenzen. Im mobilen Bezahlen ist Wirecard einer der Kooperationspartner für Apple Pay in Deutschland.

Andererseits bietet Wirecard über eine zum Konzern gehörende Vollbank seit wenigen Wochen aber auch Kredite für solche Unternehmen an, die bereits die Plattform für die Zahlungsabwicklung nutzen. Damit könnte Wirecard für einige Händler eine Alternative zum klassischen Firmenkundengeschäft der Großbanken werden.

Die Entscheidung darüber, wer in den Dax aufsteigt, fällt Anfang September. Die neuen Indizes werden zum 24. September 2018 wirksam.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über den Werdegang des Wirecard-Finanzchefs lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief zu Alexander von Knoop.