Auch Rena Lange ist pleite

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10.09.14
Finanzierungen

Auch Rena Lange ist pleite

Das Modeunternehmen Rena Lange stellt einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Der 18. Ausfall einer Mittelstandsanleihe kommt nicht überraschend. Auch andere Modeanbieter schwächeln.

Der nächste Emittent einer Mittelstandsanleihe ist pleite. Über 120 Emissionen gab es im Minibond-Markt. Mit dem Modeunternehmen Rena Lange hat der 18. Emittent Insolvenz angemeldet. Das Münchener Unternehmen teilte am späten Abend mit, dass es einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung über das Vermögen der Rena Lange Holding GmbH und einen Insolvenzantrag im Regelverfahren über das Vermögen der 100-prozentigen Tochtergesellschaft M. Lange & Co GmbH beim Insolvenzgericht München eingereicht hat.

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter bzw. Sachwalter ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht bestellt, aber die Geschäftsführer Siegmund Rudigier und Claudia Rudigier sowie die Gesellschafter des Modeunternehmens gehen davon aus, dass dies sehr kurzfristig erfolgen werde. Seit Dezember 2012 gehört Rena Lange zu der auf Mode spezialisierten Rudigier und Partner Gruppe aus Salzburg.

Die Rena Lange Holding hatte Mitte Dezember 2013 eine vierjährige Mittelstandsanleihe mit einem Kupon von 8 Prozent platziert. Ursprünglich hatte das Modeunternehmen bis zu 10 Millionen Euro einsammeln wollen, konnte davon letztlich aber bis zum Ablauf der öffentlichen Zeichnungsfrist insgesamt nur rund 5,4 Millionen Euro platzieren.

Mit dem Emissionserlös wollte das Modeunternehmen seine Expansionspläne finanzieren, zum Beispiel die Entwicklung einer neuen Accessoire-Linie, den Markteintritt in China, den Aufbau weiterer internationaler Retail-Stores sowie den Erwerb des Modeunternehmens St. Emile, der einige Tage nach der Platzierung der Mittelstandsanleihe rückwirkend zum 1. November 2013 vollzogen wurde.

Schon gestern zeichnete sich Unruhe um den Emittenten ab: Der Kurs der Mittelstandsanleihe von Rena Lange stürzte innerhalb eines Tages vom 8. auf den 9. September 2014 von rund 66 auf 30 ab.

Creditreform hat Rating von Rena Lange ausgesetzt

Der Ausfall der Mittelstandsanleihe von Rena Lange kommt nicht unterwartet. Creditreform Rating hatte die Rena Lange Holding Mitte November vergangenen Jahres mit BB- bewertet, setzte aber das Unternehmensrating im Rahmen des Monitorings aufgrund einer unzureichenden Informationslage Mitte Juli aus.

Seit Mitte Februar dieses Jahres war zudem klar, dass das Modeunternehmen für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2013/2014 einen Verlust ausweisen muss. In einem damals veröffentlichten Brief zum Halbjahresbeschluss (Stand: 31. Oktober 2013) hatte Rena Lange mitgeteilt, dass das Jahresergebnis „wie geplant“ zwischen -700.000 Euro bis -1 Million Euro liegen wird. Darin seien Einmaleffekte in Höhe von 1 Million Euro durch die außerordentlichen Finanzierungskosten für die Anleihe sowie die Transaktionskosten für die Übernahme von St. Emile enthalten. Das bedeutet, dass Rena Lange seit der Emission der Mittelstandsanleihe keinen Zwischen-, Halbjahres- oder Jahresabschluss vorgelegt hat. Die Anleihegläubiger hatten also seit der Emission der Mittelstandsanleihe keine Möglichkeit mehr, aktuelle Bilanzzahlen einzusehen.

Der Insolvenzantrag erfolgt zudem zu einem Zeitpunkt im Jahr, bei dem in der Bekleidungsindustrie traditionelle der höchste Kapitalbedarf anfällt, jedoch kaum Umsätze generiert werden. Die vorproduzierte und bezahlte Ware wird erst in den folgenden Monaten ausgeliefert.

Emittenten von Mittelstandsanleihen aus der Modebranche wackeln

Mit Rena Lange ist nicht nur der nächste Mittelstandsanleiheemittent insolvent, es ist zudem die nächste Pleite in der schwächelnden Modebranche. Bereits Mitte April musste das Modeunternehmen Strenesse beim zuständigen Amtsgericht in Nördlingen einen Antrag auf Eigenverwaltung stellen.

Die Modefirma Laurèl hat Anfang September schwache Geschäftszahlen vorgelegt: Das Ebitda sank 2013/2014 auf -2,2 Millionen Euro nach 0,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Verlust vergrößerte sich noch auf 4,6 Millionen Euro nach 3,4 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Aufgrund der Ertragsentwicklung sank die Eigenkapitalquote Unternehmensangaben zufolge auf 13,6 Prozent.

Infolge dieser schwachen Geschäftszahlen 2013/2014 hat Creditreform Rating das Unternehmensrating für die Laurèl GmbH von BB- (watch) auf B angepasst. Die Mittelstandsanleihe von Laurèl über 20 Millionen Euro, mit 7,125 Prozent p.a. verzinst wird und fünf Jahre läuft, notiert derzeit bei 45.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Eine Übersicht über die ausgefallenen Mittelstandsanleiheemittenten finden Sie in unserer Bildergalerie.