Bayer sammelt am Anleihemarkt 4 Milliarden Euro ein.

Bayer

08.01.21
Finanzierungen

Bayer pumpt sich mit 4 Milliarden am Anleihemarkt voll

Bayer gibt im neuen Jahr den Startschuss für die großen Anleihefinanzierungen und sammelt 4 Milliarden ein. Die Geldspritze gibt CFO Wolfgang Nickl Freiraum – schließlich stehen dem Pharmakonzern einige Cash-Abflüsse ins Haus.

Bayer saugt sich am Anleihemarkt mit 4 Milliarden Euro voll und gibt damit den Startschuss für die „großen“ Bondplatzierungen im neuen Jahr. Die Emission besteht aus vier Tranchen, deren Volumina zwischen 0,8 und 1,2 Milliarden Euro liegen. Die Papiere laufen über vier, acht, zehneinhalb und 15 Jahre. Die Kupons liegen bei 0,05 bis 1 Prozent pro Jahr, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern mitteilte.

Bayer hätte allerdings noch deutlich mehr Geld aufnehmen können: Unternehmensangaben zufolge war die Emission, die von Barclays, HSBC und Santander als aktive Joint Bookrunner begleitet wurde, rund dreifach überzeichnet. Die Anleihen wurden dabei ausschließlich bei institutionellen Investoren platziert. Die Ratingagenturen Moody’s, S&P und Fitch bewerten die Anleihe „voraussichtlich“ mit Baa1, BBB beziehungsweise BBB+.

Bayer muss Ask-Bio-Deal finanzieren

Wofür genau der Dax-Konzern die Mittel verwenden will, lässt er offen. „Die Erlöse sollen für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden, unter anderem zur Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten“, heißt es in der Mitteilung. Auf Nachfrage von FINANCE erklärte Bayer, dass sich durch die Transaktion das Laufzeitenprofil verlängere, weil kurzfristige Verschuldung durch langfristige ersetzt werde. Zudem wirke sich die neue Anleihe positiv auf die durchschnittlichen Refinanzierungskosten von Bayer aus.

Allerdings werden nicht nur bestehende Schulden refinanziert. Durch die Transaktion fließen vor allem frische Mittel in die Kasse von Bayer-CFO Wolfgang Nickl. Mit der Geldspritze verschafft sich der Finanzchef gleich zu Beginn des Jahres finanziellen Spielraum.

FINANCE-Köpfe

Wolfgang Nickl, Bayer AG

Wolfgang Nickl startet seine Laufbahn 1992 als Berater und Controller bei dem deutschen IT-Dienstleister Sercon, bevor er 1995 zur Western Digital Corporation wechselt. Für den US-Festplattenhersteller ist er zunächst als Geschäftsplaner in den Niederlanden tätig, im Anschluss als Director Business Solutions in San José im Silicon Valley.

Im Jahr 2000 wechselt Nickl als Finanzvorstand zum US-amerikanischen IT-Unternehmen Converge, kehrt jedoch wenig später zu Western Digital zurück. Acht Jahre lang durchläuft Nickl dort mehrere Positionen im Finanz- und Strategiebereich. Währenddessen erwirbt Nickl 2005 einen MBA-Abschluss von der University of Southern California’s Marshall School of Business. 2010 wird er zum Finanzchef von Western Digital befördert.

Im Dezember 2013 kehrt Nickl nach Europa zurück und wird CFO des niederländischen Chipherstellers ASML. Im September 2017 beruft der Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der seinerzeit inmitten der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Saatgutspezialisten Monsanto steckt, den damals 48-Jährigen zum CFO. Nickl tritt seine neue Position im Juni 2018 an.

zum Profil

Die Leverkusener hatten im vergangenen Oktober angekündigt, das US-Biotechunternehmen Asklepios Biopharmaceuticals (Ask Bio) zu erwerben. Mit der Übernahme, für die Bayer 4 Milliarden US-Dollar (rund 3,4 Milliarden Euro) in die Hand nimmt, soll die Zell- und Gentherapieplattform gestärkt werden.

Bayer soll für den Deal vorab 2 Milliarden US-Dollar zahlen, das restliche Geld soll über Earn-outs an Ask Bio fließen. Rund zwei Drittel der Meilensteinzahlungen fallen voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren an, der restliche Betrag wird zu einem späteren Zeitpunkt fällig, teilten die Leverkusener zum Zeitpunkt des Deal Announcements mit.

Glyphosat-Vergleich belastet Bayer

Ebenfalls noch ausstehend ist der Glyphosat-Rechtsstreit. Im Sommer 2020 konnte sich Bayer mit den Klägern zwar auf einen bis zu 9,8 Milliarden Euro schweren Vergleich einigen. Um das Finanzierungspaket zu stemmen, platzierte Bayer damals Anleihen mit einem Volumen von 6 Milliarden Euro.

Die Einigung um den Glyphosat-Fall war dabei nur ein Teil eines riesigen Jumbo-Vergleichs, allerdings die – finanziell gesehen – schmerzhafteste. Umso kritischer ist es, dass genau diese Einigung seit Monaten auf der Kippe steht. Zwar sollen mit dem Vergleich alle bisherigen Anklagen vom Tisch fallen. Doch für die Frage, wie mit möglichen künftigen Klagen umgegangen werden soll, gibt es noch immer keine Lösung.

sarah.backhaus[at]finance-magazin

Mehr über den amtierenden Bayer-CFO finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Wolfgang Nickl.