Wenn es nach der EBA geht, sind in Zeiten der Coronakrise vor allem Pragmatismus und Flexibilität von deutschen Banken gefragt.

EBA

25.03.20
Finanzierungen

EBA gibt Banken Corona-Handlungsanweisungen

Wegen der Corona-Pandemie fordert die EBA von Banken flexibles und pragmatisches Handeln, um Ausfälle bei notleidenden Krediten zu vermeiden. Aber gleichzeitig sendet sie den Banken auch eine Warnung.

Das Coronavirus stellt die Banken vor schwierige Entscheidungen bei der Gewährung neuer Kredite und bei der Erfassung von neu aufkommenden Kreditrisiken. In einem heute veröffentlichten Statement versucht die Europäische Bankenaufsicht (EBA), den Banken dabei Orientierung zu geben. Die wichtigste Aufforderung der EBA an die Banken: Sie sollen flexibel und pragmatisch handeln, um rein corona-bedingte Kreditausfälle so weit es geht zu vermeiden – im Zweifel auch durch eine temporäre Aussetzung von Covenants.

Die Umsetzung der Vorschriften zur Erfassung von faulen Krediten spielt dabei eine zentrale Rolle, denn eigentlich mahnen diese die Banken zu Vorsicht bei der Vergabe von Krediten an Krisenunternehmen. Jetzt ist alles anders: Tatsächlich ermuntert die EBA die Banken sogar, auf gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu verzichten.

So sollen sie bis auf weiteres vereinbarte Moratorien bei der Bedienung von Krediten nicht mehr als „Ausfall“ werten – ebenso wenig, wenn ein Unternehmen öffentliche Stützungsmaßnahmen in Anspruch nimmt. In Deutschland könnte dies in Kürze zum Beispiel für die Restaurantkette Vapiano und den Oberflächenspezialisten Nanogate gelten, die beide Staatshilfe beantragt haben.

EBA will Einheitlichkeit bewahren

Gleichzeitig hält die EBA die Banken auch an, trotz Corona Kreditrisiken nach wie vor vernünftig zu verfolgen und zu erfassen. So soll sichergestellt bleiben, dass die Bewertung von Kreditrisiken sektorweit und länderübergreifend einheitlich und vergleichbar bleibt – auch vor dem Hintergrund, dass die verschiedenen EU-Länder unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen sind.

Die Herausforderung für die Banken dabei: Sie müssen individuell analysieren, ob die finanziellen Unterstützungsmaßnahmen oder die Verzögerung von Kreditzahlungen bei ihren Schuldnern alleine auf die Auswirkungen des Coronavirus zurückzuführen sind. Um den Banken diese Bewertung zu erleichtern, schlägt die EBA vor, dass die Institute eine wichtige Unterscheidung treffen: Handelt es sich bei dem Kreditnehmer um ein Unternehmen, dessen Rating von der aktuellen Situation nur kurzfristig betroffen ist, oder befand sich der Firmenkunde schon vor dem Corona-Ausbruch in ernsten Schwierigkeiten?

Faule Kredite: EBA ermahnt die Banken

Insgesamt – warnt die EBA ausdrücklich – müssen Banken in der aktuellen Situation nach wie vor einen gründlichen Blick auf die Kreditwürdigkeit ihrer Firmenkunden werfen – und auch weiterhin ihre schon bestehenden notleidenden Kredite im Portfolio genauestens im Blick behalten.

Kritisch wird dieser Punkt dadurch, dass das Coronavirus ausgerechnet in jenen zwei großen EU-Ländern am stärksten grassiert, wo sich in den Bankbilanzen auch noch die größten Altlasten aus der Finanzkrise finden – Spanien und Italien. Dort dürften auch die konjunkturellen Folgeschäden der Corona-Epidemie besonders groß sein. Trotzdem „besteht die EBA auf der Wichtigkeit, Kreditrisiken angemessen zu beurteilen“, schreibt die Bankenaufsicht.

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