Finanzierungen: KMR Stainless Holding, Deutsche Börse, Alphaform, Ekosem Agrar

KMR Stainless AG

03.08.15
Finanzierungen

Finanzierungen: Alphaform, KMR Stainless, Ekosem Agrar

Der 3D-Druckdienstleister Alphaform meldet überraschend seine Pleite. KMR Stainless refinanziert einen Konsortialkredit über 100 Millionen Euro und Ekosem Agrar stärkt sein Eigenkapital. Ekosems Schwesterunternehmen Ekotechnika wehrt sich gleichzeitig erfolgreich gegen einen Insolvenzantrag. Diese und weitere Neuigkeiten aus der Welt der Unternehmensfinanzierung erwarten Sie im wöchentlichen FINANCE-Ticker.

Alphaform stellt überraschend Insolvenzantrag

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hat der 3D-Druckdienstleister Alphaform beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Hubert Ampferl von der Kanzlei Dr. Beck und Partner bestellt, teilte das in Feldkirchen bei München ansässige Unternehmen mit. Alphaform, die 2014 einen Umsatz von 30 Millionen Euro bilanziert hat, will den bereits im Juni mit einem Sanierungskonzept eingeschlagenen Sanierungskurs weiter verfolgen. Auch der Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen. Mittlerweile hat auch das Tochterunternehmen Alphaform-Claho aufgrund von internen „Konzernverflechtungen“ Insolvenz angemeldet.

Die Alphaform-Insolvenz kommt überraschend. In dem im Mai veröffentlichten Bericht für das erste Quartal 2015 berichtete der Vorstand um CEO Hanns-Dieter Aberle und CFO Thomas Kresser noch von „einer positiven Entwicklung in allen drei Geschäftsbereichen“ und von „anhaltend hoher Nachfrage am Markt“. Zwar war der Umsatz in dem Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum tatsächlich um 3,3 Prozent auf 7,8 Millionen Euro gestiegen. Doch das Unternehmen wies im ersten Quartal 2015 auch einen negativen Cashflow aus der Geschäftstätigkeit in Höhe von fast 3 Millionen Euro aus. Der Mittelabfluss aus Investitionstätigkeiten betrug 350.000 Euro. Nach einer Kapitalerhöhung über 1 Million lag der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit bei 1,4 Millionen Euro. Das Eigenkapital lag bei 9,5 Millionen Euro zum Stichtag 31 März 2015. Auch das Ergebnis nach Steuern lag um 1,1 Millionen Euro im Minus.

Die Analysten der Oddo Seydler Bank zeigten sich überrascht von der plötzlichen Insolvenz. Sie hatten die Aktie zuletzt auf „Buy“ eingestuft und als Ziel 5 Euro ausgegeben. Nach der Pleite sind die Wertpapiere jedoch von 2,12 Euro um zwischenzeitlich fast 90 Prozent auf zuletzt rund 35 Cent abgestürzt. Oddo Seydler spricht von einer „negative Überraschung“. Die Analysten haben die Kaufempfehlung außer Kraft gesetzt, bis sie den Insolvenzantrag besser einschätzen können.

KMR Stainless-Tochter refinanziert Kreditlinie über 100 Millionen Euro

Die zur KMR Stainless Holding gehörige Oryx Stainless hat eine syndizierte revolvierende Kreditlinie über 100 Millionen Euro abgeschlossen. Damit löst CFO Roland Mauss vorzeitig eine gleich hohe Kreditlinie mit einer Laufzeit bis September 2016 ab. Mit der Kreditlinie finanziert KMR Lagerbestände, Forderungen und Sonstiges Umlaufvermögen im In- und Ausland. Zu den Kreditgebern gehören HSBC als alleiniger Bookrunner und Mandated Lead Arranger. Außerdem beteiligten sich die Commerzbank, Rabobank, NRW Bank, Société Générale und die WGZ Bank. Insgesamt wurde die Zahl der Banken von acht auf sechs reduziert.

Ekosem Agrar stärkt Eigenkapital

Ekosem Agrar, deutsche Holding des russischen Milchproduzenten Ekoniva, hat eine Kapitalerhöhung um 13 Prozent des Stammkapitals durchgeführt. Das Unternehmen erzielte so einen Bruttoerlös von 38 Millionen Euro. Die neuen Anteile werden von Privatinvestoren übernommen, die dem Unternehmen nahe stehen, heißt es seitens Ekosem. Mehrheitsaktionär bleibt auch nach der Kapitalerhöhung Stephan Dürr. Mit dem frischen Geld will CFO Wolfgang Bläsi das Eigenkapital von Ekosem stärken, was Ende 2014 bei 35 Millionen Euro lag, was einer Eigenkapitalquote von rund 10 Prozent entspricht. 2014 erwirtschaftete Ekosem insgesamt 156 Millionen Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 44 Millionen Euro.

Zudem hat am Freitag Ekosems Schwesterunternehmen Ekotechnika bekannt gegeben, dass ein bestellter Gutachter dem Amtsgericht Heidelberg empfehlen werde, einen Insolvenzantrag abzulehnen. Ekotechnika sei weder zahlungsunfähig ist, noch überschuldet. Den Antrag hatte der österreichische Salzhändler Kollossal gestellt, der mittlerweile selbst Konkurs angemeldet hat. CFO Bläsi hatte bei der Gläubigerversammlung im Mai gesagt, es gebe keinen Grund für einen Insolvenzantrag.

Deutsche Börse finanziert M&A-Deal über Hybridanleihe

Die Deutsche Börse hat eine Hybridanleihe über 600 Millionen Euro begeben. Das Papier läuft bis 2041, der Kupon wurde bis zum erstmöglichen Rückzahlungstermin im Jahr 2021 auf jährlich 2,75 Prozent festgelegt. Mit dem Erlös der Hybridanleihe finanziert die Deutsche Börse die Übernahme der Gemeinschaftsunternehmen Stoxx und Indexium. Außerdem sollen bestehende Verbindlichkeiten refinanziert werden. Die Platzierung leiteten als Joint Bookrunner BNP Paribas, Deutsche Bank, Goldman Sachs International und Morgan Stanley.

Auto1.com Finanzierungsrunde bringt 100 Millionen Euro ein

Auto1.com hat in einer Serie-D-Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingenommen. Das Berliner Start-up, das eine Onlineplattform für Gebrauchtwagenhandel betreibt, wurde bei der Transaktion von Taylor Wessing beraten. Zu den Investoren zählen DST Global, DN Capital und Piton Capital. Die Bewertung von Auto1.com lag bei der Wachstumsfinanzierung bei rund 1 Milliarde US-Dollar. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und ist in 20 Märkten aktiv.

Also Logistics stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung

Das Logistikunternehmen Also Logistics, das für die Verlagsgruppe Weltbild tätig ist, hat beim Amtsgericht Arnsberg einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt Vorläufig wurde Frank Kebekus zum Sachverwalter bestellt. Das Unternehmen verzeichnete im ersten Halbjahr Verluste von rund 4 Millionen Euro, woraufhin der Gesellschafter die weitere Finanzierung einstellte. Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt.

Die Eigenverwaltung von Also Logistics wird durch die Kanzlei Finkenhof unter Federführung von Stephan Strumpf und Lorenzo Matthaei sowie durch Lars Hinkel von BBL Bernsau Brockdorff Rechtsanwälte begleitet. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht berät ein Team von Rödl & Partner um Tillmann Peeters.

Weitere Finanzierungen

HeidelbergCement hat zur Finanzierung der Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi von der Deutschen Bank und Morgan Stanley eine Brückenfinanzierung in Höhe von 4,4 Milliarden Euro aufgenommen.  Die finanzierenden Banken wurden federführend durch Marc Trinkaus von der Kanzlei Linklaters beraten. HeidelbergCement wurde bei der Transaktion durch die Kanzlei Hengeler Mueller begleitet.

Der Medienkonzern Bertelsmann beteiligt sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag an einer Finanzierungsrunde des indischen Online-Möbelhändlers Pepperfry. Insgesamt konnte das Unternehmen 100 Millionen US-Dollar einwerben. Zu den Investoren zählen neben Bertelsmann auch Goldman Sachs, Zodius Capital und Norwest Venture Partners.

Die luxemburgische Verbriefungszweckgesellschaft Driver Master hat im Rahmen einer eigens dafür aufgesetzten Verbriefungsplattform die ersten zwölf Serien von ABS-Schuldverschreibungen in einem Gesamtvolumen von EUR 708 Millionen an einen Investorenkreis von institutionellen Anlegern emittiert. Mit dem Emissionserlös wird ein bestehendes Portfolio von Autokrediten aus der Volkswagen-Gruppe (VW, Audi, SEAT und Skoda) refinanziert. Die Transaktionsstruktur sieht eine einjährige revolvierende Phase mit Verlängerungsoption, die Erhöhung der bisherigen Serien sowie die Begebung weiterer Serien von Schuldverschreibungen bis zu einem Gesamtvolumen von 10 Milliarden Euro vor. Das Driver Master-Programm wird von Volkswagen Financial Services und der Commerzbank arrangiert. Das ABS-Programm wird von Jones Day unter Federführung von Ulf Kreppel und Nick Wittek beraten.

Das Pharmaunternehmen 4SC hat die angekündigte Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös von 29 Millionen Euro abgeschlossen. Der Erlös liegt am oberen Ende der angestrebten Spanne, wie das Unternehmen mitteilte. Sowohl die Bar- als auch die Sachkapitalerhöhung wurden in das Handelsregister eingetragen.

Das Insolvenzverfahren bei dem Windenergieunternehmen Prokon ist aufgehoben worden, gab das Amtgericht in Itzehoe (Schleswig-Holstein) bekannt. Die Gläubiger hatten sich zuletzt entschieden, das Unternehmen in einer Genossenschaft weiterzuführen und nicht an den Energiekonzern EnBW zu verkaufen.

Der Bettwarenhersteller Sanders hat seine Borrowing-Base-Finanzierung über bis zu 7,4 Millionen Euro planmäßig bis zum 31. März 2016 verlängert. Damit sichert das Unternehmen seine Finanzierung ab, um ein uneingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfers zu erhalten, teilte das im niedersächsischen Bramsche ansässige Unternehmen mit.

Das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung des Naturkostunternehmens Schneekoppe ist vom zuständigen Amtsgericht aufgehoben worden. Die Gläubiger der 2010 begebenen Mittelstandsanleihe hätten auf einen Großteil ihrer Ansprüche in Höhe von knapp 12 Millionen Euro verzichtet.

Für das Finanzberatungsunternehmen Faktum Finance wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Frank-Rüdiger Scheffler von der Insolvenzverwalterkanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte wurde zum Verwalter bestellt. Grund für die Insolvenz ist die Rückabwicklung von Anlageverträgen, da für den Vertrieb bestimmter Anlagen BaFin-Genehmigungen fehlen. Als Sanierungsberater ist Thomas Mulansky von KPMG beauftragt.

Ratingmeldungen

Moody’s hat in Folge der angekündigten Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi das Unternehmensrating von HeidelbergCement bei Ba1 bestätigt. Der Ausblick hat sich im Zuge des M&A-Deals von stabil auf positiv verbessert.

Standard & Poor’s hat das AA-Langfristrating der Deutschen Börse im Zusammenhang mit dem Erwerb der FX-Trading-Plattform 360T auf CreditWatch negative gesetzt. Abhängig von der Finanzierung des M&A-Deals könne das Rating bestätigt oder um einen Punkt gesenkt werden, so die Ratingagentur. Das Rating des Tochterunternehmens Clearstream Banking von AA beziehungsweise A-1+ mit stabilem Ausblick wurde unabhängig vom Rating der Deutschen Börse bestätigt.

Moody’s hat die in der vergangenen Woche emittierte Hybridanleihe von RWE über 500 Millionen US-Dollar mit Baa3 bewertet. Der Ausblick für das nachrangige Kapital ist negativ.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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