German Pellets muss seinen Bond restrukturieren. Bis April fehlen 52 Millionen Euro, jetzt sollen die Gläubiger auf Zinsen verzichten.

German Pellets

25.01.16
Finanzierungen

German Pellets muss Mittelstandsanleihe restrukturieren

Der Grund für die geheimniskrämerische Kapitalmarktkommunikation von German Pellets ist gelüftet. Es fehlen 52 Millionen Euro, die im April fällige Anleihe muss restrukturiert werden. Das Management bezeichnet den Deal als „Aufwertung“ der Anleihe.

Der massive Kurssturz hat es erahnen lassen, nun ist es offiziell: German Pellets kann den im April fälligen 80 Millionen Euro schweren Bond nicht fristgerecht zurückzahlen. Wie das Unternehmen mitteilte, fehlen dazu 52 Millionen Euro. Um dem drohenden Zahlungsausfall zu entgehen, will das Unternehmen die Laufzeit der Anleihe um zwei Jahre bis Ende März 2018 ausdehnen. Gleichzeitig sollen die Zinsen von 7,25 Prozent auf 5,25 Prozent reduziert werden. Mit einer ähnlichen Anfrage ist vor zwei Wochen auch Ekosem Agrar an seine Investoren herangetreten. Doch dort genießt das Management noch mehr Vertrauen, die beiden Bonds des deutsch-russischen Agrarkonzerns rutschten „nur“ auf 70 Prozent ab.

Die Bondholder von German Pellets müssen über diesen Plan noch abstimmen, dazu lädt German Pellets für den 10. Februar zur Gläubigerversammlung. Die Zustimmung seiner Bondholder will das Management gewinnen, indem es „eine erstrangige Besicherung durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an der German Pellets“ anbietet. Mit anderen Worten: Der Hauptgesellschafter des Unternehmens, Peter Leibold, stellt seinen Anteil den Bondholdern als Sicherheit zur Verfügung.

German Pellets spricht von einer "Aufwertung"

Dies bezeichnet German Pellets als „Aufwertung“ der Anleihe. Allerdings hat diese Argumentation eine Schwäche: Bei unter Druck gekommenen Unternehmen ist es üblich, dass das Eigenkapital im Zuge einer Restrukturierung weitgehend wertlos wird – wie aktuell beim Maschinenbauer Singulus, wo die Aktionäre auf 95 Prozent ihrer Anteile verzichten müssen, damit der Bond restrukturiert werden kann

Zudem sind die Erfahrungen, die Anleger am Minibond-Markt mit Zusagen der Hauptgesellschafter gemacht haben, nicht die besten. Bei dem Immobilienentwickler Golden Gate beispielsweise garantierte der Hauptgesellschafter persönlich für die Rückzahlung der Anleihe. Als das Unternehmen in die Pleite rutschte und der Bond ausfiel, zeigte sich, dass die Patronatserklärung nichts wert war – die Investoren verloren viel Geld. 

Investoren verlieren Vertrauen in Management von German Pellets

Und das Vertrauen der Investoren in das German-Pellets-Management ist spätestens seit dem hartnäckigen Schweigen des Managements zu dem rasanten Kurssturz beschädigt, wie die Kursentwicklung des Bonds zeigt. Vergangene Woche wurden zunächst nur einige Bondholder unruhig und verkauften, doch damit traten sie eine Kurslawine los: Innerhalb von einer Woche stürzten die Bondkurse aller drei Anleihen von rund 80 auf unter 30 Prozent. Als ein Auslöser gilt die geheimniskrämerische Kapitalmarktkommunikation des Managements.

German Pellets liefert seit Monaten in Sachen Refinanzierung lediglich kleine Informationshäppchen. FINANCE-Anfragen beantwortete das Unternehmen stets mit den Worten „die vollständige Refinanzierung befindet sich noch in der Umsetzung und Planung“. Nun wissen die Bondholder zumindest, was sie im April erhalten sollen: die planmäßige Kuponzahlung von 7,25 Prozent. Doch ob diese Zusage auch dann noch steht, wenn die Gläubiger zuvor die Laufzeitverlängerung der Anleihe ablehnen, ist zweifelhaft.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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