KTG Agrar tauscht Mittelstandsanleihe um

KTG Agrar

18.08.14
Finanzierungen

KTG Agrar tauscht Mittelstandsanleihe um

Das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar will seine erste Mittelstandsanleihe mit einem neuen Mini-Bond ablösen. KTG-Chef Siegfried Hofreiter muss den Anleihegläubigern einen höheren Kupon bieten. Die Investoren sind offensichtlich skeptischer als noch vor vier Jahren.

Die dritte Mittelstandsanleihe von KTG Agrar steht vor der Tür: Das Landwirtschaftsunternehmen will ein Papier mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro begeben, das bei einer Laufzeit von fünf Jahren den Investoren eine Verzinsung von 7,25 Prozent bietet. Den Investoren der 2015 fällig werdenden Mittelstandsanleihe im Volumen von ebenfalls 50 Millionen Euro bietet KTG Agrar an, ihre alten in die neuen Anleihen zu tauschen.

Für die Anleihegläubiger ist das auf den ersten Blick ein gutes Angebot, wird ihr bestehendes Papier doch nur mit 6,75 Prozent verzinst – der aktuelle Kurs liegt bei 102 Prozent. Auch die zweite, noch bis 2017 laufende Mittelstandsanleihe von KTG Agrar (Volumen: 200 Millionen Euro) bietet mit einem Kupon von 7,125 Prozent eine geringere Verzinsung. KTG Agrar spricht zwar davon, dass die erste Anleihe des Landwirtschaftsunternehmens „kontinuierlich über 100 Prozent notiert“, aber das Wertpapier musste im Frühjahr einen kleinen Dämpfer hinnehmen, als es im Zuge der Krim-Krise einmal kurzzeitig auf Kurse um 91 Prozent abrutschte.

Schuldenberg setzt KTG Agrar unter Druck

Der um 50 Basispunkte höhere Kupon wird KTG Agrar einen zusätzlichen Zinsaufwand von 250.000 Euro im Jahr kosten, was angesichts eines Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 23,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr nicht ins Gewicht fällt.

Doch die aktuelle KTG-Transaktion sagt einiges aus über die gewachsene Skepsis der Investoren gegenüber Mittelstandsanleihen: Die anhaltenden Hiobsbotschaften belasten das Neugeschäft. Zum anderen kämpft das Landwirtschafsunternehmen mit einem hohen Schuldenberg. Die Nettoverbindlichkeiten lagen Ende 2013 bei 410 Millionen Euro. Das ist fast das 12-fache Ebitda. Der freie Cashflow war mit minus 138 Millionen Euro deutlich im negativen Bereich. Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende 2013 bei 15,2 Prozent. Bislang ist KTG Agrar aus Investorensicht eine reine Wachstumsstory, aber keine Bond-Story.

KTG-Chef Siegfried Hofreiter kündigt Kurswechsel an

Das will KTG-Agrar-Chef Siegfried Hofreiter nun offensichtlich ändern, er wirbt aktiv um das Vertrauen der Anleihegläubiger. So bezifferte er heute – quasi als Kaufanreiz – die stillen Reserven, die sich aus dem Landbesitz des Unternehmens ergäben, auf rund 100 Millionen Euro. Einen kleinen Teil davon hat KTG Agrar vor wenigen Tagen realisiert: Rückwirkend zum 30. Juni wurden rund 4.000 Hektar Ackerland in Litauen an einen deutschen institutionellen Investor verkauft, KTG pachtete die Flächen gleichzeitig für die kommenden 18 Jahre zurück. Diese Transaktion brachte KTG Agrar 20 Millionen Euro und eine leichte Stärkung des  Eigenkapitals. Doch angesichts der stark ausgeweiteten Bilanzsumme ist das bislang nur ein kleiner Schritt in Richtung einer robusteren Bilanz.

Deshalb verwundert es nicht, dass KTG-Chef Siegfried Hofreiter seinen Fokus seit diesem Jahr auf den künftigen Cashflow und den Schuldenabbau konzentrieren will: Mitte Mai hatte Hofreiter die Investitionsphase von KTG Agrar für beendet erklärt. Künftig sollen Umsätze und Erträge wachsen, ohne dass dafür größere Neuinvestitionen getätigt werden müssten, verspricht Hofreiter. Mit der neuen Mittelstandsanleihe hat Hofreiter sich nun Zeit verschafft, dem Kapitalmarkt das Versprochene auch zu liefern.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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