Der Ruf ist durch mehrere Insolvenzen angeschlagen: Die Akteure am Markt für Mittelstandsanleihen müssen gegensteuern.

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12.08.14
Finanzierungen

Mittelstandsanleihen: Emissionshäuser schauen näher hin

Die Schreckensnachrichten der vergangenen Monate bremsen das Segment für Mittelstandsanleihen, nur noch wenige Kandidaten wagen sich an den Markt. Die Malaise schreitet schneller fort, als die Akteure gegensteuern können.

Am Markt für Mittelstandsanleihen kehrt einfach keine Ruhe ein. Allein in den vergangenen Tagen flüchtete sich Schneekoppe unter einen Schutzschirm, und beim Fahrradhersteller Mifa mussten die Anleihegläubiger die Zinszahlungen stunden.

Die anhaltenden Hiobsbotschaften belasten das Geschäft: Gemäß dem „Mittelstandsanleihe-Report“ der Corporate-Finance-Beratung Blättchen & Partner für das erste Halbjahr 2014, der Lesern in der FINANCE-Datenbank vollständig zur Verfügung steht, gab es im ersten Halbjahr 2014 am deutschen Markt nur acht Emissionen im Segment für Mittelstandsanleihen. Das prospektierte Emissionsvolumen von 385 Millionen Euro lag bei nur gut einem Drittel des Vorjahreswerts von 1,08 Milliarden Euro. Die Insolvenzen mehrerer Emittenten von Mittelstandanleihen hätten die Marktstimmung „stark eingetrübt“, beobachten die Studienautoren.

Wie zu Jahresbeginn angekündigt, sollen sollen bessere Prüfmechanismen den ramponierten Ruf des Mittelstandssegments retten: Angefragte oder mandatierte Emissionshäuser investieren den Studienautoren zufolge „deutlich mehr Zeit in die Bonitätsprüfungen der Unternehmen und die Konzeptionierung der Anleihen“.

Empfehlungen für Mittelstandsanleihen

Der „Best Practice Guide“ der Deutschen Börse gibt Empfehlungen zur Besicherung und zu gewünschten Finanzkennzahlen der Emittenten. Genannt werden darin ein Verhältnis von EBIT zu Zinsaufwendungen von mindestens dem 1,5-fachen, ein Verhältnis von Nettoverbindlichkeiten zu EBITDA des maximal 5-fachen und eine Eigenkapitalquote von mindestens 15 Prozent (inklusive Mezzanine-Kapital 30 Prozent).

Bislang sind diese Kennzahlen lediglich Empfehlungen, als vertraglich zugesicherte „Financial Covenants“ finden sie bislang noch keine Verwendung. Allerdings hatte jüngst Beate Uhse explizit mit dem Einhalten des "Best Practice Guide" für seine Debüt-Mittelstandsanleihe geworben.

Mittelstandsanleihen: Einheitszins führt zur „Resterampe“

Zwar begrüßt Blättchen & Partner die Bemühungen zu mehr „Markthygiene“, in alle Bereiche sind die Bestrebungen jedoch noch nicht vorgedrungen. „Wenn die Mittelstandssegmente mittelfristig nicht zur Resterampe verkommen wollen, muss sich die Bandbreite der Kupons ausweiten“, fordert das Corporate-Finance-Haus.

Zwar redeten viele Marktteilnehmer über eine erhöhte Risikosensibilität, an der Ausgestaltung der Kupons lasse sich dies allerdings bislang nicht erkennen. Die Kupons bei Neuemissionen bewegten sich unverändert zwischen 6 und 9 Prozent. Eine Korrelation zum aktuellen Zinsniveau sei nicht erkennbar.

Auch die Verwendung der Mittel lässt Rückschlüsse auf die Risiken zu: Internes Wachstum und die Restrukturierung der Passivseite sind laut Blättchen & Partner nach wie vor die häufigsten Motive für die Neuemission einer Mittelstandsanleihe. Den hohen Anteil der Wachstumsfinanzierungen sehen die Autoren als Hinweis darauf, dass einzelne Emittenten die Wachstumspläne nicht mit bestehenden Finanzierungspartnern abdecken konnten.

Zum Zeitpunkt der Refinanzierung könnte dies zum Problem werden: Viele Unternehmen hätten über Mittelstandsanleihen Volumina generiert, die über einen Bankkredit oder alternative Instrumente kaum zu erzielen gewesen wären. In der Refinanzierung bedürfe es dann „der Kombination mehrerer Finanzierungsquellen für die vollständige Tilgung“.

Harte Covenants bringen Marktvorteile

Klare Marktvorteile stellen die Autoren Mittelstandsanleihen mit Besicherungskonzepten und harten Covenants in Aussicht. Sie erwarten, dass insbesondere immobiliengesellschaften mit derartigen Konzepten an den Markt kommen werden. Bereits im ersten Halbjahr 2014 hat die Immobiliengesellschaft UBM die größte Transaktion am Mini-Bondmarkt gestemmt.

Nach wie vor „dringend“ braucht der Markt den Analysten zufolge jedoch Emissionen von Mittelständlern mit guter Bonität, die eine niedrigere Verzinsung von 4 bis 5 Prozent rechtfertigen würden. In den Augen solcher Emittenten stehe der Mittelstandsmarkt allerdings in Konkurrenz zu Banken und dem Schuldscheinmarkt. Mittelständischen High-Yield-Bonds räumen die Autoren jedoch durchaus eine Zukunft ein, „allerdings zu entsprechenden Konditionen“.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Weitere Hintergründe zum Marktsegment finden Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen. Den vollständigen Mittelstandsanleihe-Report finden Sie zum kostenlosen Download in der FINANCE-Datenbank.