17.09.14
Finanzierungen

Mifa legt die Wahrheit auf den Tisch

Der Fahrradhersteller Mifa hat seine Bilanzkorrekturen abgeschlossen – mit einer bitteren Erkenntnis: Den Investoren wurde 2012 und 2013 ein profitables Geschäft vorgegaukelt, das es so nie gegeben hat. Die Firma ist finanziell ausgebombt.

Nach langem Rechnen hat der angeschlagene, in einen schweren Bilanzskandal verstrickte Fahrradhersteller Mifa vorläufige, noch ungeprüfte Eckdaten für das Geschäftsjahr 2013 vorlegt und dabei erstmals auch das genaue Ausmaß der Fehlbuchungen in den Vorjahren offengelegt. Die aktuelle Situation bezeichnet das neue Management um CEO Hans-Peter Barth und CRO Stefan Weniger als „sehr schwierig“. Die beiden Manager werben gleichwohl damit, dass die rettende Eigenkapitalspritze durch den indischen Konzern Hero Cycles „bevorstünde“.

Doch spätestens seit heute ist klar, dass die Inder bei einem Unternehmen einsteigen, das finanziell ausgezehrt ist. 2013 weitete sich bei einem Umsatz von 110,7 Millionen Euro der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem schon sehr schwachen Jahr 2012 noch einmal von 8,0 auf 11,1 Millionen Euro aus. Der Konzernjahresfehlbetrag stellte sich auf 13,2 Millionen Euro, nachdem schon 2012 unter dem Strich ein Verlust von 9,9 Millionen Euro entstanden war.

Dies trieb den Bilanzverlust per Ende 2013 auf 29,6 Millionen Euro nach oben, das ausgewiesene Eigenkapital schrumpfte von 17,1 auf 3,9 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt nur noch 4,8 Prozent und droht, durch die für dieses Jahr erwarteten Verluste gänzlich ausgelöscht zu werden.

Mifa präsentiert sich tiefrot

Auch die Geschäftszahlen der Jahre 2011 und 2012 sind nun endgültig korrigiert worden. Bitter für die Aktionäre und Anleihegläubiger: Die profitable Firma, die ihnen von dem inzwischen zurückgetretenen Mifa-Chef Peter Wicht präsentiert wurde, gab es nicht. Ursprünglich hatte Wicht für 2011 und 2012 positive Ebit-Zahlen von 4,6 und 2,9 Millionen Euro und solide Bilanzdaten veröffentlicht. Gegen Wicht ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Auf dieser Grundlage wurde unter anderem auch der Wertpapierprospekt der vor einem Jahr begebenen Mittelstandsanleihe mit einem Volumen von 25 Millionen Euro erstellt, die jetzt restrukturiert werden muss. Der Mifa drohen damit Anlegerklagen. CRO Wenig rechnet zudem offenbar auch nicht damit, dass die Kapitalrestrukturierung noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, als Termin nennt er nun „spätestens Ende März 2015“. 

Gemäß der heute im Anhang des vorläufigen Konzernabschlusses 2013 aufgeschlüsselten Zahlen hat die Mifa 2011 und 2012 die Vorräte um 13,8 und 19,3 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen, die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 3,5 Millionen Euro überhöht.

Für beide Jahre muss nachträglich ein Bilanzverlust von 34,7 Millionen Euro bilanziert worden, der den Anlegern vom alten Management unter Alleinvorstand Peter Wicht nicht angezeigt wurde. Vielmehr wurde auf einer falschen Datengrundlage nicht nur 2013 die Anleihe begeben, sondern 2012 auch schon eine Kapitalerhöhung durchgeführt und der Wechsel in den Prime Standard vollzogen.

Auch in der Gewinn- und Verlustrechnung von 2012 sind umfangreiche Korrekturen fällig geworden: Der Umsatz wurde um 3,5 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen, der Materialeinsatz hingegen um 4,9 Millionen Euro zu niedrig. Für die GuV 2011 verzichtet das Management auf eine Darstellung. Dies deutet darauf hin, dass Barth und Weniger hier immer noch nicht die tatsächlichen Umsatz- und Kostenpositionen von 2011 kennen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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