Die deutschen Gläubiger von German Pellets bekommen im Kampf und die Insolvenzmasse namhafte Konkurrenz, denn mit KKR soll sich unter den Gläubigern ein echter Investmentprofi befinden.

German Pellets

18.02.16
Finanzierungen

PE-Investor KKR mischt bei German-Pellets-Pleite mit

Bei der wahrscheinlich anstehenden Liquidation von German Pellets mischen auch US-Investmentprofis wie KKR mit. Für die deutschen Anleihegläubiger ist das eine ganz schlechte Nachricht.

Den gebeutelten deutschen Anleihegläubigern von German Pellets droht neues Ungemach: Eine Woche, nachdem der Produzent von Holzpellets Insolvenz angemeldet hat, verdichten sich nun die Anzeichen, dass die deutschen Bondholder leer ausgehen werden.

Laut eines Berichts des „Handelsblatts“ befinden sich unter den German-Pellets-Investoren auch internationale Investmenthäuser wie der PE-Investor KKR sowie die Fondsgesellschaften Putnam und Invesco. Diese sollen zwar keine der in Deutschland begebenen Mittelstandsanleihen gekauft haben, dafür jedoch im Wert von über 500 Millionen Dollar Bonds der mit German Pellets verbundenen US-Gesellschaften.

KKR soll mit 95 Millionen Dollar in German Pellets US investiert sein

Die US-Bonds hängen zwar nicht unmittelbar an der deutschen German Pellets GmbH, sondern sind über eine mit der Eigentümerfamilie Leibold eng verbundene Stiftung in den USA begeben. Doch German-Pellets-Chef Peter Leibold hat in der Vergangenheit in hohem Umfang Gelder durch Inter-Company-Darlehen an die Stiftung weitergereicht, die den Ausbau von Werken in den USA vorangetrieben hat. Das geht aus verschiedenen Geschäftsberichten hervor.

Die Stiftung investierte das über deutsche Anleihen aufgenommene Cash dann als Eigenkapital an ihre US-Töchter weiter. Zudem garantiert die deutsche German Pellets GmbH für Anleihen der Texas Pellet. Bei diesem Unternehmen soll dem Handelsblatt zufolge unter anderem KKR mit 95 Millionen Dollar investiert sein. Sollten diese Anleihen nicht mehr bedient werden können, was durchaus möglich erscheint, sähe es schlecht für die deutschen Bondholder aus, denn die US-Investoren könnten dann vermutlich auf das von Leibold durchgereichte deutsche Kapital zurückgreifen.

Jedoch, und auch das geht aus dem Anhang der Geschäftsberichte hervor, bestehen darüber hinaus diverse Lieferverträge und Abnahmegarantien zwischen den US-Werken und der deutschen German Pellets GmbH. Auch daraus könnten sich den amerikanischen Investmentprofis Ansatzpunkte bieten, um ihre Recovery-Rate zu Lasten der deutschen German Pellets beziehungsweise deren Gläubiger zu erhöhen. Und da bei German Pellets lediglich die Bankschulden einigermaßen gut besichert sind, die Mini-Bonds jedoch nicht, ginge dies wohl primär zu Lasten der Bondholder. Dass KKR und Co. dabei Fehler machen und Geld auf der Straße liegen lassen, ist unwahrscheinlich. 

White & Case verschafft sich bei German Pellets Überblick

Derzeit versucht sich die Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der internationalen Kanzlei White & Case ein Bild von der Situation bei German Pellets zu machen. Anschließend soll geprüft werden, ob eine Weiterführung des Geschäfts möglich ist.

Laut Handelsblatt befinden sich bei German Pellets derzeit nur noch wenige Tausend Euro in der Kasse. Zum Vergleich: Mitte 2015 wies German Pellets noch Cash in Höhe von 14 Millionen Euro aus. Das macht es Schmudde nicht leichter, den Geschäftsbetrieb noch lange in großem Umfang aufrecht zu erhalten. 

German Pellets: Vom Highflyer in die Pleite in zwei Monaten

Die von dem Bondrestrukturierer Frank Günther und Peter Leibold ursprünglich angedachte Restrukturierung rückt damit in weite Ferne. Dabei galt German Pellets einst als große Hoffnung für den angeschlagen Markt für Mittelstandsanleihen. Noch im November 2014 konnte das Unternehmen 100 Millionen Euro über einen neuen Bond einsammeln, und im Dezember 2015 notierten noch alle drei Bonds bei rund 100 Prozent.

Dann ging es jedoch schnell, denn hinter 36 Millionen Euro stand zunächst ein Fragezeichen, das German Pellets durch eine desaströse Kapitalmarktkommunikation nur häppchenweise auflöste. In der Folge brachen die Anleihekurse massiv ein. Mitte Januar räumte das Management dann ein, seinen im April fälligen Bond nicht bedienen zu können.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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