Bertram Rickmers macht bei der angestrebten Sanierung seiner Reederei große Zugeständnisse.

Rickmers

20.04.17
Finanzierungen

Rickmers will Mittelstandsanleihe restrukturieren

Die Reederei Rickmers will ihre Schuldenlast deutlich senken, und alle Stakeholder müssen dafür Zugeständnisse machen. Wie hoch der Aderlass für die Bondholder ausfallen wird, hängt auch davon ab, ob CFO Mark-Ken Erdmann neue Investoren findet.

Die schwer angeschlagene Reederei Rickmers um CFO Mark-Ken Erdmann muss ihre Schulden restrukturieren. Wie das Unternehmen gestern am späten Abend mitteilte, betreffe das sowohl Bankverbindlichkeiten als auch die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe, die am heutigen Vormittag von 10 auf rund 14 Prozent ihres Nennwerts anstieg.

Zugeständnisse müssen alle wesentlichen Stakeholder machen: Alleinaktionär Bertram Rickmers, die finanzierenden Banken – allen voran die HSH Nordbank – und die Anleihegläubiger. Bertram Rickmers habe sich bereit erklärt, 10 Millionen Euro frisches Eigenkapital einzulegen und weitere 10 Millionen als Kreditfazilität bereitzustellen, sollte Rickmers zusätzliche Liquidität benötigen. Außerdem will Bertram Rickmers bis Anfang 2021 auf Markenlizenzgebühren verzichten, was Rickmers einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag sparen wird. Zudem will der Unternehmer die Rickmers Gruppe von einer 10 Millionen US-Dollar schweren Werftenverbindlichkeit befreien und sich von 75,1 Prozent seiner Rickmers-Aktien trennen, die an Investoren verkauft werden sollen.

Auch die Beiträge der Banken und einer Werft scheinen schon relativ klar. Diese wollen Tilgungen stunden, verpfändete Gelder wieder freigeben und ihre Zinsmarge reduzieren. Konkrete Zahlen nannte Rickmers dazu aber noch nicht. Die Details sollen laut eines Unternehmenssprechers folgen, sobald das Sanierungskonzept bei der noch nicht terminierten Gläubigerversammlung durch die Bondholder genehmigt wird.

Rickmers will über Aktienverkäufe seine Bondholder bedienen

Wie hoch der Verlust für die Bondholder am Ende ausfallen wird, ist derweil noch unklar und hängt im Wesentlichen vom Erfolg folgender Transaktion ab: Im Rahmen des Sanierungskonzepts will Rickmers ein Investmentvehikel nach luxemburgischem Recht schaffen, genannt „LuxCo“. Dieses Vehikel soll die kompletten Anleiheverbindlichkeiten über 275 Millionen Euro, ein nicht näher beschriebenes Darlehen der HSH Nordbank und die 75,1 Prozent der Rickmers-Aktien übernehmen. Geld fließt der LuxCo laut Unternehmenssprecher nicht zu.

Über einen noch zu führenden Investorenprozess sollen die 75,1 Prozent der Rickmers-Aktien anschließend verkauft werden. Der Verkaufserlös soll nach einem noch zu bestimmenden Schlüssel auf die HSH Nordbank, die Bondholder und „gegebenenfalls eine weitere Bank“ verteilt werden. Weil der Verkaufserlös der Rickmers-Mehrheit noch unklar ist, kann die Recovery-Quote für die Bondholder derzeit noch nicht beziffert werden. 

Die Uhr für den Rickmers-Verkauf tickt

Rickmers hat jetzt rund ein Jahr Zeit, um neue Investoren zu finden, denn die Anleihe wird im Juni nächsten Jahres fällig. Die am 11. Juni anstehende Kuponzahlung über rund 24,4 Millionen Euro soll jedoch noch vollständig von der Rickmers Holding geleistet werden. Der Kupon macht 8,875 Prozent des Nennwerts der Anleihe und damit mehr als die Hälfte des aktuellen Börsenkurses des Bonds aus.

Rickmers hat nach eigenen Angaben bereits ein IDW-S6-Gutachten durch eine nicht namentlich genannte WP-Gsellschaft erstellen lassen, das Rickmers die Sanierungsfähigkeit bescheinigt, sollten alle Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Sollten die Gläubigergremien dem Konzept nicht zustimmen, geht Rickmers davon aus, dass die Sanierung „voraussichtlich scheitern“ wird.

Schuldenschnitt bei Rickmers kommt nicht überraschend

Das jetzt vorgelegte Sanierungskonzept soll die schon seit Jahren anhaltende Finanzierungskrise der Traditionsreederei lösen. Das Scheitern eines geplanten Börsengangs und das extrem widrige Umfeld in der weltweiten Containerschifffahrt haben Rickmers in eine Schieflage gebracht, welche die Anleihe zwischenzeitlich auf 5 Prozent ihres ursprünglichen Werts einbrechen ließ. 

Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann hatte sich vor rund einem Jahr noch etwas Zeit erkauft, indem er Kredite im Volumen von rund 520 Millionen US-Dollar verlängert hatte. Der Finanzchef wusste jedoch schon damals, dass diese Maßnahme nicht ausreichen würde, um Rickmers zu retten, weshalb er im Interview mit FINANCE ankündigte, die Schulden neu ordnen zu wollen. Ob ihm das gelingt, hängt nun im Wesentlichen davon ab, ob die Anleihegläubiger auf den anstehenden Gläubigerversammlungen dem Sanierungskonzept zustimmen werden.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die Reederei geriet durch die chronische Schifffahrtskrise in Schieflage. Lesen Sie mehr über den Krisenverlauf auf der FINANCE-Themenseite zu Rickmers. Ob die Sanierung gelingt, hängt zu einem Großteil davon ab, ob der Finanzchef neue Investoren findet. Erfahren Sie mehr über Mark-Ken Erdmann auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.