Ein neues Kapitel für Tom Tailor? Nach fast einem Jahr Finanzierungskrise steht der Modehändler jetzt wieder auf soliden Füßen. Doch im Vorstand wird sich einiges ändern.

Sabine Skiba/Tom Tailor

09.10.19
Finanzierungen

Tom Tailor ist gerettet

Endlich haben sich Tom Tailor, Fosun und die Banken auf die künftige Finanzierungsstruktur geeinigt. CEO Heiko Schäfer und CFO Dressendörfer nehmen das zum Anlass, um sich zu verabschieden.

Große Erleichterung bei Tom Tailor: Wie das Hamburger Modeunternehmen soeben in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgab, hat sich das Management mit dem chinesischen Ankeraktionär Fosun sowie den acht beteiligten Konsortialbanken über die neue Finanzierungsstruktur und die jeweiligen Beiträge der einzelnen Parteien geeinigt.

Das entsprechende „Term Sheet“ wurde bereits unterzeichnet, die Vertragsdokumentation will Tom Tailor bis spätestens Ende Oktober finalisieren. Schon im September hatten die Hamburger signalisiert, dass die Refinanzierungsverhandlungen kurz vor dem Abschluss stünden. Bislang wurde Tom Tailor noch von einer Brückenfinanzierung in Höhe von 48,5 Millionen Euro über Wasser gehalten, die bereits mehrfach verlängert worden ist.

Tom Tailor erhält 365 Millionen Euro

Kern der neuen Vereinbarung: Tom Tailor erhält frische Finanzierungszusagen in Höhe von 365 Millionen Euro. Der Vertrag, der bis Ende September 2022 läuft, sichere die langfristige Finanzierung der gesamten Gruppe und erhöhe die Flexibilität für zukünftiges Wachstum, teilten die Hamburger mit. Welche Parteien welchen Finanzierungsbeitrag genau leisten, gab das Unternehmen jedoch noch nicht bekannt.

Fest steht aber schon, dass das Independent Business Review (IBR), das die Boston Consulting Group angefertigt hat, weitere Drohverluste zu Tage gebracht hat, die Tom Tailor nun nachträglich noch in die 2018er-Bilanz einarbeiten muss. Das gleiche gilt für die Umgruppierung der kriselnden Tochter Bonita, deren geplanter Verkauf geplatzt ist und die deshalb nun wieder als normale Geschäftseinheit bilanziert werden muss.

Das hat Folgen: Während für die Marke Tom Tailor das operative Jahresergebnis (Ebitda) für 2018 nachträglich nur marginal von 70,6 auf 64 Millionen Euro reduziert werden muss, weitet sich der auszuweisende Ebitda-Verlust von Bonita von 24,6 auf 38,2 Millionen Euro aus. „In Kürze“ will Tom Tailor nun den Jahresabschluss 2018 und den Halbjahresbericht 2019 fertigstellen und veröffentlichen.

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Tom-Tailor-Führung will gehen

Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen wird auch einen tiefen Einschnitt im Management von Tom Tailor nach sich ziehen: Wie das Modehaus bereits gestern Abend nach einem kurz zuvor erschienenen Bericht der „Textilwirtschaft“ bekanntgab, führt der Aufsichtsrat der Hamburger mit CEO Heiko Schäfer sowie CFO Thomas Dressendörfer „Gespräche hinsichtlich ihres vorzeitigen Ausscheidens aus der Gesellschaft“.

Beide Führungskräfte wären auch regulär vor dem Ende ihrer Amtszeit gestanden: Schäfers Vertrag läuft noch bis zum 14. März nächsten Jahres, der von Thomas Dressendörfer endet regulär zum 31. März 2020. Beide bilden seit dem Jahr 2016 gemeinsam den Vorstand. 

Wohin es Schäfer und Dressendörfer zieht, ist nicht bekannt. Dressendörfer betreibt neben seiner Position als CFO bei Tom Tailor noch die Unternehmensberatung DCS-Consulting. Außerdem ist er Aufsichtsrat des Strumpfherstellers Wolford, bei dem ebenfalls die chinesische Fosun mitmischt. Als neuer Tom-Tailor-Chef wird nach Informationen der „Textilwirtschaft“ Gernot Lenz gehandelt, der 2018 kurzzeitig die Modefirma S. Oliver führte, dort aber nach nur zehn Monaten „wegen unterschiedlicher Auffassungen“ wieder seinen Hut nahm.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

FINANCE-Köpfe

Thomas Dressendörfer, Tom Tailor Holding AG

Seine Karriere startet Dressendörfer 1984 in der Finanzabteilung des Automatisierungstechnikunternehmens Baumüller in Nürnberg. Vier Jahre später wechselt er in den Finanzbereich des Konsumgüterherstellers Procter & Gamble. Im Jahr 2000 geht Dressendörfer zu dem Analysehaus The Nielsen Company, wo er sieben Jahre tätig ist.

2007 wird Dressendörfer Finanzchef des Personaldienstleisters Randstad Deutschland. Im Jahr darauf wechselt er als CFO in die Schweiz zu Uster Technologies. Dort bleibt er auch, ab Ende 2011 aber bei einem anderen Arbeitgeber, dem Implantatehersteller Straumann, wo er 2012 den CFO-Posten übernimmt.

Im Juni 2015 gibt er bei Straumann das Amt ab und macht sich selbstständig als Berater für Unternehmen, die komplexe Geschäftsprojekte oder Turnarounds umsetzen müssen.

Mitte Juni 2016 übernimmt Dressendörfer, der während seiner beruflichen Tätigkeit auch Auslandsaufenthalte in Spanien, Belgien und Großbritannien absolviert hat, den CFO-Posten bei dem Bekleidungshersteller Tom Tailor

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