Tui muss für die Änderungen der Anleihebedingungen einen hohes Preis zahlen. Dafür erhält der Reisekonzern einen KfW-Kredit.
10.09.20
Finanzierungen

Tui zahlt hohen Preis für die Rettung

Tuis Gläubiger haben einer Änderung der Anleihebedingungen zugestimmt, damit der Reisekonzern weitere Staatshilfen bekommen kann. Doch der Preis für den Deal sind horrende Zinsen.

Die Gläubiger des von der Coronakrise hart getroffenen Reisekonzerns Tui machen den Weg frei zum überlebenswichtigen KfW-Kredit. Wie die Hannoveraner mitteilen, haben die Inhaber des Papiers zugestimmt, dass die Begrenzung der Finanzverschuldung des Unternehmens ausgesetzt wird. Das war die Bedingung dafür, dass die Förderbank KfW dem Reisekonzern ein Rettungspaket über 1,2 Milliarden Euro bereitstellt.

Tui-Gläubiger haben hart verhandelt

Leer ausgehen müssen die Gläubiger allerdings nicht: Sie bitten Tui ordentlich zur Kasse. Sobald der Beschlussvorschlag wirksam wird, erhöht sich der jährliche Zinskupon der 300 Millionen Euro schweren Anleihe von 2,125 Prozent auf enorm hohe 9,5 Prozent – also auf fast 30 Millionen Euro jährlich. Erster anteiliger Zahltag: der 26. Oktober.

Weiterhin verpflichtet sich Tui, von April 2021 an alle drei Monate zusätzlich 2 Prozent des Gesamtnennbetrags der Anleihe zu zahlen. Das wären insgesamt 12 Millionen Euro, ehe der Bond im Oktober 2021 fällig wird. Als Dankeschön für die Abstimmung erhalten die Anleiheinhaber außerdem noch 3.000 Euro pro 100.000 Euro Nennbetrag. Laut Niederschrift befürworteten gut 99 Prozent des abstimmenden Kapitals die Änderung der Bedingungen.

Tui verliert 98 Prozent vom Umsatz

Das Wirksamwerden der Vereinbarung mit den Anleihegläubigern erwartet Tui nun im Laufe des Oktobers. Mit der Begebung einer Wandelanleihe an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in einer Höhe von 150 Millionen Euro stehen dem Unternehmen nun alle Mittel aus dem im August kommunizierten Stabilisierungspaket in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Die finanziellen Hilfen braucht Tui dringend: Die Coronavirus-Pandemie trifft den Reisekonzern so hart wie kaum ein anderes Unternehmen. Im Zeitraum von März bis Juni 2020 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um satte 98 Prozent auf 75 Millionen Euro zurück, da das operative Geschäft beinahe komplett stillstand. Das führte zu einem bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern von 1,1 Milliarden Euro.

Im August musste Tui daher bekanntgeben, dass sich der strauchelnde Reisekonzern mit der Bundesregierung auf weitere Staatshilfen geeinigt hat. Das Geld soll dazu dienen, die touristische Wintersaison 2020/21 abzusichern. Die verfügbare Liquidität würde dadurch auf 2,4 Milliarden Euro anwachsen. Zuvor hatte der Konzern schon im März einen KfW-Kredit über 1,8 Milliarden Euro zugesagt bekommen.

Die Änderung der Anleihebedingungen ist der zentrale Schlüssel zu den weiteren Hilfen der KfW, die eine Kreditlinie über 1,05 Milliarden Euro vorsehen sowie eine Wandelanleihe über 150 Millionen Euro. Bisher war vorgesehen, dass der konsolidierte Zinsdeckungsgrad – also das Verhältnis des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zum Zinsaufwand – mindestens 2 beträgt. Letztlich bedeutet das, dass Tui nicht einmal doppelt so viel verdient, wie der Konzern an Zinsen tilgen muss. 

Tui kann Anleihe vorzeitig zurückzahlen

Tuis Zinsdienst steigt durch die neuen Anleihebedingungen jetzt rapide an. Tui-CFO Birgit Conix dürfte interessiert sein, die Verbindlichkeiten schnellstmöglich zu refinanzieren. Das unterstreicht auch eine Passage in der Mitteilung: Demnach verpflichtet sich Tui zu einer vorzeitigen vollständigen oder teilweisen Rückzahlung der Anleihe, wenn der Konzern mindestens 150 Millionen Euro an „bestimmten Finanzmitteln“ aufnimmt. Um welche Instrumente es sich handelt, konnte ein Sprecher gegenüber FINANCE noch nicht sagen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Wegbrechender Umsatz, milliardenschwere Hilfskredite: Alles wichtige zur Lage beim Hannoveraner Reisekonzern gibt es auf der FINANCE-Themenseite Tui.