Gerry Weber hat mit seinen Geldgebern eine Stundung seines fälligen Schuldscheins bis Ende Januar vereinbart.

iStock/Getty Images Plus/ Goran Jakus Photography

14.11.18
Finanzierungen

Atempause für Gerry Weber

Gerry Weber verschafft sich etwas Luft: Das Krisenunternehmen hat mit seinen Gläubigern einen Aufschub für die Rückzahlung eines Schuldscheins vereinbart. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Das Modehaus kassiert erneut seine Prognosen.

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Das kriselnde Modehaus Gerry Weber hat mit seinen Geldgebern einen Aufschub für die Rückzahlung seiner Schulden vereinbart. Die Schuldscheingläubiger haben einer Stundung bis Ende Januar 2019 zugestimmt. Es geht dabei um zwei Tranchen des vergangene Woche fällig geworden Schuldscheins in Höhe von über 31 Millionen Euro. Gleichzeitig haben sich die finanzierenden Banken bereit erklärt, ihre Kreditlinien für Gerry Weber offen zu halten.

Die Verschnaufpause bis Ende Januar will das Management dazu nutzen „die dringend notwendigen Schritte unseres Restrukturierungskonzepts weiter voranzutreiben“, erklärt der erst vor zwei Wochen zum Geschäftsführer ernannte CEO Johannes Ehling. Die Stundung der Schuldscheinforderungen, die offenen Kreditlinien der Banken sowie der Verkauf des Showroom-Centers „Halle 29“ für 36 Millionen vor wenigen Wochen hätten die angespannte Finanzierungssituation stabilisiert.

Wieder eine Gewinnwarnung von Gerry Weber

Wie wichtig diese Maßnahmen waren, zeigt auch eine erneute Gewinnwarnung, die Gerry Weber gemeinsam mit der Ankündigung der Fristverlängerung veröffentlicht hat. Mittlerweile geht das Management nicht mehr von 830 bis 840 Millionen Euro Umsatz für das Geschäftsjahr 2017/18 aus, sondern von maximal 790 Millionen Euro.

Zudem war das Unternehmen bisher von einem operativen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 0 bis 10 Millionen Euro ausgegangen – jetzt spricht es von einem „deutlichen“ Verlust, ohne aber diesen zu konkretisieren. Als Ursache für das schlechtere Ebit nennt Gerry Weber Rückstellungen für Personalmaßnahmen und Filialschließungen sowie außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtungen.

Restrukturierungsprogramm wird verschärft

Um wieder auf Kurs zu kommen, hatte Gerry Weber im Sommer das zweite Restrukturierungsprogramm binnen kürzester Zeit aufgesetzt. Flankierend dazu hat das Unternehmen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz beauftragt, ein Gutachten zur Sanierungsfähigkeit nach IDW-S6-Standard zu erstellen.

Darin hatte Ebner Stolz bestätigt, dass das Kerngeschäftsmodell von Gerry Weber trag- und sanierungsfähig sei, betont Gerry Weber nun erneut. Trotz dieser eigentlich positiven Einschätzungen will das Unternehmen nochmals „wesentlich umfassendere Restrukturierungsmaßnahmen und Einschnitte im Rahmen eines Zukunftskonzepts vorbereiten“. Dieses Konzept soll bis zum Auslaufen der verlängerten Schuldscheinfrist Ende Januar mit den Geldgebern abgestimmt werden. Zu den Kernmaßnahmen des neuen Konzepts zählen unter anderem Standortschließungen, Straffungen von Verkaufsflächen und der Abbau „einer signifikanten Zahl“ von Arbeitsplätzen im gesamten Unternehmen.

Gerry-Weber-Aktie auf Talfahrt (Jahreschart)

Gerry Weber hat ein Jahr voller Hiobsbotschaften

Für Gerry Weber war 2018 bisher ein Jahr voller Hiobsbotschaften. Gewinnwarnungen, diverse Wechsel im Vorstand – darunter der Rückzug des neu berufenen CFOs Jörg Stubers – und zuletzt Untersuchungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel haben das Unternehmen stark belastet.

Die Aktie befindet sich seit einiger Zeit auf Talfahrt und verlor seit Anfang November rund 30 Prozent an Wert. Und auch die neuerliche Gewinnwarnung hat das Papier nochmals belastet – es wird aktuell (Stand: 14:43 Uhr) zu rund 2 Euro gehandelt.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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