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„Der Schuldschein schafft neue Firepower“

Jenoptik-CFO Hans-Dieter Schumacher setzt bei der Finanzierung auf Grün: Der Finanzchef hat erstmals einen ESG-linked Schuldschein abgeschlossen.
Jeibmann Photographik, Torsten Proß / Jenoptik

Der Technologiekonzern Jenoptik hat sein Debüt am Markt für nachhaltige Finanzierungen gegeben und erstmals einen ESG-linked Schuldschein platziert. Das Volumen liegt bei 400 Millionen Euro, das Papier ist in Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren unterteilt. BNP Paribas, DZ Bank und Helaba haben die Platzierung begleitet, die über die Digitalplattform VC Trade vermarket wurde. Warum Finanzchef Hans-Dieter Schumacher den Schuldschein gleich an drei Nachhaltigkeitskennzahlen gekoppelt hat, erklärt er im Interview mit FINANCE.

Herr Schumacher, Jenoptik hat gerade den ersten ESG-linked Schuldschein platziert. Die Finanzierung ist also an die Nachhaltigkeitsleistung Ihres Konzerns gekoppelt. Warum haben Sie gerade dieses Green-Finance-Instrument gewählt?

Für uns war von vornherein klar, dass wir auf ein Instrument mit ESG-Link setzen wollten. Bei einem sogenannten Green Schuldschein ist man bei der Mittelverwendung auf nachhaltige Projekte beschränkt. Wir wollen aber die volle Flexibilität haben und haben uns deshalb für die ESG-linked Finanzierung entschieden, bei der es bei der Verwendung der Mittel keine Einschränkungen gibt. Mit dem Erlös aus dem Schuldschein wollen wir uns Handlungsspielraum für Akquisitionen und Investitionen im photonischen Kerngeschäft schaffen, also auch neue Firepower für künftige Deals. Für den ESG-Link haben wir uns entschieden, da wir schon seit längerem an den Sustainable-Finance-Markt gehen wollten.

Was lockt Sie denn konkret an nachhaltigen Finanzierungen? Ein wirklicher finanzieller Vorteil entsteht dadurch ja bislang nicht.


Wir sehen sehr deutlich, dass immer mehr Investoren ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Der Schuldschein war deutlich überzeichnet, und wir konnten viele Investoren gewinnen, die bei früheren Jenoptik-Schuldscheinen nicht mit an Bord waren.

Darüber hinaus sehen wir es als Selbstverpflichtung, dieses Thema noch stärker bei uns im Konzern zu verankern. Wir spüren auch, dass es bei unseren eigenen Mitarbeitern und im Wettbewerb um neue Mitarbeiter eine wachsende Rolle spielt. Nachhaltigkeitsengagement gehört mittlerweile einfach dazu, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Jenoptik setzt auf Lieferketten-Management

Wie genau ist der ESG-Link beim neuen Jenoptik-Schuldschein ausgestaltet?

Wir haben die Marge des Schuldscheins an drei nicht-finanzielle Kennzahlen gekoppelt, die für unser Unternehmen wichtig sind. Deshalb haben wir den Ökostrom-Anteil unseres Energiebedarfs gewählt, die sogenannte Diversity-Rate, also den Anteil internationaler Mitarbeiter und Frauen in Führungspositionen, sowie eine Kennzahl aus dem Bereich Corporate Governance. Wir wollen den Anteil der Lieferanten erhöhen, bei denen vollständige CSR-Self-Assessments vorliegen. Alle drei Kennzahlen werden von uns veröffentlicht und von Wirtschaftsprüfern testiert. Für den Schuldschein gibt es zwei Messzeitpunkte – im Jahr 2022 und im Jahr 2025. Dann entscheidet sich, ob wir unsere Ziele erreicht haben.

Und wie genau wirken sich diese Kennzahlen auf das Pricing aus?

Wenn wir nur ein Ziel davon erreichen, dann wird der Schuldschein um 5 Basispunkte teurer, wenn wir alle drei Ziele erreichen, gibt es einen Step-Down um 5 Basispunkte. Insgesamt sind wir mit dem Pricing des Schuldscheins sehr zufrieden, über alle Tranchen hinweg liegen wir bei einem Kupon von durchschnittlich 1 Prozent. Wir haben auch einen kleinen Teil der Transaktion in US-Dollar aufgenommen – die Tranche hat ein Volumen von 59 Millionen Dollar. Hier sind die Konditionen nach Cross Currency Swap nochmal deutlich günstiger.

FINANCE-Köpfe

Hans-Dieter Schumacher, Jenoptik AG

Nach seinem BWL-Studium an der Universität Mannheim steigt Hans-Dieter Schumacher 1990 als Trainee im Finanzressort bei Villeroy & Boch ein. Anschließend arbeitet er in verschiedenen kaufmännischen Positionen bei Mannesmann, Sulo und Aesculap. 2003 wird er zum Finanzvorstand des Baustoffherstellers Sto ernannt.

Von 2011 bis März 2015 verantwortet Hans-Dieter Schumacher die Ressorts Finanzen, IT und Personal bei dem Maschinenbauer Homag. Aus seinen verschiedenen Berufsstationen verfügt Schumacher über umfangreiche Erfahrungen insbesondere im Bereich der IFRS-Bilanzierung und des Controllings.

Ab April 2015 ist Schumacher CFO des Jenaer Technologieunternehmens Jenoptik. Im September 2017 wird sein Vertrag bis 2023 verlängert.

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5 Basispunkte sind ja nicht gerade viel. Macht dieser finanzielle Vor- oder Nachteil überhaupt einen großen Unterschied?

Am Markt gibt es durchaus auch Transaktionen, bei denen der Aufschlag noch geringer ausfällt. Wir haben bewusst 5 Basispunkte gewählt. Je größer der finanzielle Vorteil, umso größer ist natürlich auch der Anreiz für die Unternehmen, ihre Ziele zu erreichen. Ich glaube, dass dieser Unterschied künftig noch größer ausfallen wird. Der Markt entwickelt sich in diese Richtung.

Für einen Teil der Transaktion haben Sie ein Settlement-Date gewählt, also den wirklichen Auszahlungstermin, der noch ein paar Monate entfernt liegt. Erst Ende September fließt ein Teil des Geldes. Warum haben Sie das so strukturiert?

Das hängt mit der Umfinanzierung des Trioptics-Deals zusammen, weil dieser in zwei Schritten erfolgt. Wir haben im Herbst die Übernahme dieses Messtechnikspezialisten für einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag vereinbart. 75 Prozent der Anteile haben wir bereits übernommen, dieser Teil des Kaufpreises wurde über Cash und unseren syndizierten Kredit finanziert, der durch den jetzt fließenden Schuldscheinerlös wieder frei wird und für neue Akquisitionen zur Verfügung steht. Mit der Tranche, die uns im September zufließt, werden wir die Übernahme der restlichen 25 Prozent bezahlen. Wie hoch diese Summe genau sein wird, hängt auch von der wirtschaftlichen Entwicklung von Trioptics ab.

Jenoptik plant ESG-linked Loan

Sie haben gerade den Konsortialkredit angesprochen. Auch bei dieser Finanzierung wollen Sie eine ESG-Komponente einbauen. Soll die Ausgestaltung dabei ähnlich sein wie beim Schuldschein?

Ja, wir werden auch da auf die gleichen Kennzahlen setzen, wenn wir den Kredit in diesem Jahr neu aufsetzen. Künftig wollen wir bei allen Finanzierungen prüfen, ob es sinnvoll ist, eine nachhaltige Transaktion daraus zu machen. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema künftig für alle Unternehmen noch wichtiger werden wird.

„Künftig wollen wir bei allen Finanzierungen prüfen, ob es sinnvoll ist, eine nachhaltige Transaktion daraus zu machen.“

Hans-Dieter-Schmumacher, CFO Jenoptik

Mit dem Fokus auf eine Kennzahl aus dem Management Ihrer Lieferkette nehmen Sie ein Thema in den Blick, auf das auch der Regulator einen immer größeren Fokus legt. Wie bewerten Sie die Pläne zur Einführung des Lieferkettengesetzes?

Natürlich ist mit solchen Vorhaben für uns Unternehmen immer ein Mehraufwand verbunden. Ich finde den Vorstoß dennoch grundsätzlich gut. In der Vergangenheit wurde oft viel versprochen und wenig gehalten. Deshalb ist es gut, dass dem Management der eigenen Lieferkette mit solchen Regeln noch mehr Substanz gegeben wird.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den Finanzchef von Jenoptik erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Hans-Dieter Schumacher. Alle News zu neuen nachhaltigen Transaktionen finden Sie auf unserer Themenseite Green Finance.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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