Auch der Gesundheitskonzern Fresenius nutzte den Schuldscheinmarkt. Mit einer Transaktion über 1 Milliarden Euro schafft es das Unternehmen unter die Top-Deals des ersten Quartals.

Fresenius

20.04.17
Finanzierungen

FINANCE-Schuldschein-Update: Jahresauftakt auf hohem Niveau

Der Höhenflug des Schuldscheins geht auch 2017 weiter. Obwohl es weniger Deals gibt, hält sich das Marktvolumen. Das liegt auch an einer milliardenschweren Debütemission.

Am Schuldscheinmarkt ist kein Ende des Booms abzusehen. Mit einem Emissionsvolumen von 6 Milliarden Euro liegt das erste Quartal dieses Jahres ungefähr auf dem Niveau des vierten Quartals 2016 (6,3 Milliarden Euro). Mit dem Jahresauftakt des vergangenen Jahres kann 2017 sich dagegen nicht messen. Damals stieg das Emissionsvolumen auf rund 8,1 Milliarden Euro. Allerdings war das erste Quartal 2016 uncharakteristisch stark, relativiert der Datenanbieter Thomson Reuters LPC, der für FINANCE vierteljährlich exklusiv ein Schuldschein-Update erstellt, das in der FINANCE-Datenbank kostenlos heruntergeladen werden kann.

Was aber trotz des allgemeinen Optimismus festzustellen ist: Die Zahl der Unternehmen, die einen neuen Schuldschein begeben, geht langsam aber sicher zurück. Im ersten Quartal 2017 wurden lediglich noch 25 Schuldscheine platziert nach 37 in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum ersten Quartal 2016 ist der Rückgang weniger dramatisch: Damals wurden nur drei Schuldscheine mehr platziert.

Jumbo-Schuldscheine von Lufthansa, Fresenius und Kion

Im ersten Quartal setzte sich der Trend zu Schuldscheinen jenseits der 500-Millionen-Euro-Marke fort. Der Gesundheitskonzern Fresenius platzierte bereits im Dezember 1 Milliarde Euro. Die Transaktion wurde jedoch erst im Januar ausgezahlt und findet sich deshalb erst jetzt in den Top 3 der größten Deals.

Ähnlich sieht es bei Lufthansa aus. Die Fluggesellschaft hatte im Dezember insgesamt sogar 1,2 Milliarden Euro begeben. Es war der größte Schuldschein der Firmengeschichte. Etwa 500 Millionen Euro davon flossen bereits im vergangenen Jahr an das Unternehmen, der Rest erst im Januar.

Mit seinem Debütschuldschein reihte sich im Februar auch der Gabelstaplerhersteller Kion direkt in die Reihe der Jumbo-Emittenten ein: CFO Thomas Toepfer platzierte einen Schuldschein über rund 1 Milliarde Euro. Die Wiesbadener finanzieren mit den Mitteln einen Teil der Übernahme des US-Logistikunternehmens Dematic.

Außerhalb des Euro-Raums sorgte Volkswagen Financial Services für Furore. Die Finanzsparte des Autokonzerns platzierte im März Schuldscheine, die insgesamt ein Volumen von 900 Millionen Euro hatten. Die Transaktion umfasste auch eine Dollar-Tranche, die mit 500 Millionen US-Dollar nach Angaben des Unternehmens die bisher größte bekannte Dollar-Transaktion am Schuldscheinmarkt überhaupt war

Mini-Bond-Emittenten wechseln an den Schuldscheinmarkt

Trotz dieser Vielzahl an großvolumigen Deals bleibt der Markt auch weiterhin offen für kleinere Transaktionen. Zu den aktuellen Emittenten zählen zum Beispiel der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson (125 Millionen Euro) und der Kranhersteller Palfinger (200 Millionen Euro). Beide Unternehmen hatten eigentlich deutlich kleinere Summen angepeilt, konnten ihre Volumina aber wegen der hohen Investorennachfrage deutlich aufstocken.

Mit dem Schuldschein des Hemdenherstellers Eterna (33 Millionen Euro) kommt im ersten Quartal auch ein neuer Mini-Bond-Emittent an den Markt. Das Unternehmen nutzt den Schuldschein zur teilweise Refinanzierung einer Mittelstandsanleihe. Die Schuldscheininvestoren hatten die Auszahlung allerdings an die Bedingung geknüpft, dass dem Unternehmen eine erfolgreiche neue Bondemission gelingt.

Einige Experten sehen die Mini-Bond-Emittenten, die an den Schuldscheinmarkt wechseln, kritisch. Sie befürchten, dass die schlechten Bonitäten und unschönen Sitten aus dem Krisensegment der Mittelstandsanleihen an den Schuldscheinmarkt exportiert werden könnten. 

Deutsche Bank gewinnt rasant Marktanteile

Unter den Banken konnte die LBBW auch im ersten Quartal ihre Marktführerschaft verteidigen. Mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent bleibt die Landesbank weiterhin dominant, auch wenn ihr Marktanteil im Laufe des vergangenen Jahres meist etwas deutlicher über den 20 Prozent lag. Ihr folgt die Deutsche Bank, die mit einem Marktanteil von 11,8 Prozent im Vergleich zum Jahresauftakt 2016 gleich vier Plätze gut macht und damit bis auf die LBBW am Schuldscheinmarkt jetzt alle Landesbanken überholt hat.

Allerdings hat die Deutsche Bank wenig Puffer zu den folgenden Rängen: Bayern LB, Helaba, HSBC, DZ Bank und Commerzbank halten im ersten Quartal alle einen Marktanteil zwischen 8 und 11 Prozent. Nord LB, Unicredit und Société Générale konnten dagegen nur einen Marktanteil von unter 5 Prozent erreichen.

Sekundärmarkt für Schuldscheine entwickelt sich weiter

Der Boom des Schuldscheinmarkts lockt auch neue Anbieter an, die das Marktspektrum verbreitern. In den vergangenen Monaten zeigte sich dies vor allem in neuen Angeboten für den Handel am Sekundärmarkt. Die Börsen in Hamburg und Hannover haben eine Handelsplattform für Schuldscheine gestartet. Auch das Fintech Firstwire will den Sekundärmarkt zugänglicher machen und hat dafür eine entsprechende Plattform ins Leben gerufen.

Bislang gibt es noch wenig Handel am Schuldscheinmarkt, die beteiligten Investoren halten die Papiere meist bis zum Ende der Laufzeit. Wenn sich die Handelsplattformen durchsetzen, könnte das für CFOs positive Auswirkungen haben. Im Krisenfall und bei Covenant-Brüchen könnten Investoren ihre Schuldscheine verkaufen, anstatt die Finanzierung direkt zu kündigen. Dies könnte den Markt in schwierigen Situationen robuster machen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Wie sich das Emissionsvolumen entwickelt, und wer die Top-Transaktionen am Schuldscheinmarkt emittiert und begleitet hat, erfahren Sie vierteljährlich im FINANCE-Schuldschein-Update, das registrierte MeinFINANCE-Nutzer im Bereich FINANCE-Research kostenlos herunterladen können.

Mehr Informationen über laufende Marktentwicklungen und einzelne Transaktionen finden Sie auf unserer Themenseite Schuldschein.