Die Loan Market Association LMA hat einen Standard für die Schuldschein-Dokumentation veröffentlicht.

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02.11.18
Finanzierungen

LMA etabliert neuen Schuldscheinstandard

Die LMA hat einen neuen Schuldscheinstandard veröffentlicht. Damit reagiert der Interessenverband auf die zunehmende Digitalisierung und Internationalisierung des urdeutschen Finanzierungsinstruments.

Die britische Loan Market Association (LMA) hat für Schuldscheindarlehen ein vereinheitlichtes Vertragsmuster samt eines Nutzerleitfadens erstellt. Der neue Standard soll die Platzierung von Schuldscheinen effizienter machen und deutlich vereinfachen. Herausgearbeitet wurde die neue Richtlinie von einer Arbeitsgruppe um den Verband Deutscher Treasurer, in der auch Vertreter in- und ausländischer Banken sowie von Großkanzleien sitzen.

Hintergrund des neuen LMA-Standards: Weil jeder Schuldschein-Arrangeur bislang eigene Vertragsmuster zugrunde legt, gibt es keine einheitliche Herangehensweise im Markt. Es existiert lediglich ein Nutzerleitfaden der LMA aus dem Jahr 2014, aber noch kein standardisiertes Vertragsmuster. CFOs und Treasurer sehen deshalb schon lange ein erhebliches Potential bei der Standardisierung von Schuldscheinemissionen. 

Digitalisierung verändert den Schuldscheinmarkt

Diesen Missstand adressiert die LMA nun mit ihrem Vertragsmuster und einem Nutzerleitfaden, die jeweils in deutscher und englischer Sprache verfasst sind. Im LMA-Leitfaden sind wie zuvor die bei Darlehen üblicherweise auftretenden Rechtsfragen enthalten, aber auch Musterklauseln, auf die Unternehmen aufsetzen können.

Die LMA glaubt, dass ein einheitlicher Standard dem Schuldscheinmarkt zu weiterem Wachstum verhelfen könnte. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung den Platzierungsprozess stark verändert: Vor wenigen Tagen erst hat die Erste Group für den Autobahnbetreiber Asfinag einen Schuldschein ausschließlich über eine Blockchain-Plattform platziert. Bereits im Frühjahr hatte die Helaba angekündigt, zusammen mit dem Fintech Value Concepts auf seiner Plattform VC Trade den kompletten Emissionsprozess digitalisieren zu wollen.

Der neue LMA-Standard könnte dem Schuldscheinmarkt zu weiterem Wachstum verhelfen.

Digitale Schuldscheinplattformen könnten profitieren

Die Digitalisierung macht den Schuldschein attraktiver – gleichzeitig erschwert die bisherige Uneinheitlichkeit der Verträge aber die Nutzung der neuen technologischen Möglichkeiten. Gerade Schuldscheinplattformen wie VC Trade oder Credx könnten von der nun erfolgten Vereinheitlichung profitieren. „Dieses Projekt kommt zur rechten Zeit, zumal eine Finanzierungsform, welche mehr als 100 Jahre älter als der Markt für syndizierte Kredite ist, auf neue Technologien setzt, um Prozessänderungen zu erleichtern“, kommentiert Nigel Houghton, Managing Director der LMA, die Veröffentlichung des Standards. „Empfohlene Vertragsmuster können diese Entwicklung nur fördern.“

Zudem erfreut sich der Schuldschein bei internationalen Investoren immer größerer Beliebtheit. Vor allem Geldgeber aus dem asiatischen Raum schätzen das typisch deutsche Finanzierungsinstrument als solide Investition.

Dokumentation für Investmentgrade-Emittenten

Der Schuldschein an sich, dessen Vorläufertransaktionen bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, soll durch den neuen Standard kaum verändert werden. Ziel der LMA sei es lediglich gewesen, die vorhandenen Eigenschaften in ein einheitliches Vertragswerk zu gießen. 

„Emittent soll ein ausdrückliches oder zumindest ein implizites Investmentgrade-Rating haben.“

Neil George Weiand, Linklaters

So soll die neue Leitlinie explizit nicht dazu beitragen, dass Emittenten mit zweifelhafter Kreditwürdigkeit in den Markt drängen: „Wie im Nutzerleitfaden dargelegt, basiert die Dokumentation unter anderem auf der Annahme, dass der Emittent ein ausdrückliches oder zumindest ein implizites Investmentgrade-Rating hat“, erklärt Neil George Weiand, Partner bei der Kanzlei Linklaters, im Interview mit der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. 

Er beruhigt: „Für andere Kreditrisiken ist die Dokumentation aus diversen Gründen nur bedingt geeignet.“ Krisenfälle von Schuldschein-Emittenten wie dem Möbelkonzern Steinhoff und dem britischen Baukonzern Carillion hatten in den vergangenen Monaten für Unruhe im Markt gesorgt.

Restrukturierung eines Schuldscheins bleibt schwierig

Komplizierter soll der Schuldschein durch die Vereinheitlichung keineswegs werden, betont Weiand: Die Dokumentation soll knapp bleiben, der Vertrag mit integrierter Garantie umfasse ohne Anlagen 27 Seiten.

An dem Charakteristikum, dass Schuldscheine im Krisenfall nur extrem schwer zu restrukturieren sind, wird sich laut Weiand allerdings nichts ändern: Es sollen sich keine Klauseln für Vertragsänderungen im neuen Standard finden, über die Investoren mehrheitlich abstimmen können. „Es war erklärte Aufgabe, die tradierten Charakteristika zu wahren“, begründet Weiand diesen Schritt.

Zu diesen Charakteristika gehören das Einzelkündigungsrecht jedes Investors und das Fehlen von Abstimmungsmechanismen sowie Mehrheitsklauseln. Der neue LMA-Standard empfiehlt aber, dass ausschließlich deutsche Gerichte für die jeweiligen Schuldscheine zuständig sein sollen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Ein ausführliches Interview mit Linklaters-Partner Neil George Weiand zum neuen LMA-Standard finden Sie bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.