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Wirecard: Staatsanwaltschaft fordert Auslieferung von Jan Marsalek

Die Münchener Staatsanwaltschaft bemüht sich offenbar um die Auslieferung von Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Foto: Wirecard
Die Münchener Staatsanwaltschaft bemüht sich offenbar um die Auslieferung von Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Foto: Wirecard

Er ist einer der meistgesuchten Männer Deutschlands. Nun ist die Justiz auf der Jagd nach dem ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek offenbar einen deutlichen Schritt weiter. Wie die „Bild“ am heutigen Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, habe sich die Staatsanwaltschaft München bereits vor Ostern an die russische Regierung gewandt und Marsaleks Auslieferung beantragt. Mit einem sogenannten Inhaftnahmeersuchen soll die Verhaftung und Auslieferung Marsaleks nach Deutschland erreicht werden. Dort soll er in München vor Gericht gestellt werden.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf FINANCE-Anfrage nicht zu „Maßnahmen der internationalen Rechtshilfe“ äußern. Allerdings dementierten die Münchener dementsprechende Berichte gegenüber FINANCE auch nicht.

BND-Akten: Russen boten BND Marsalek-Verhör an

Der seit rund zwei Jahren weltweit gesuchte Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek soll Berichten zufolge in einem vom russischen Geheimdienst FSB zur Verfügung gestellten Versteck in Moskau leben. So enthalte das Schreiben aus München an den Kreml den genauen Fluchtort Marsaleks – inklusive der dazugehörigen Koordinaten. Das Brisante: Sowohl der Bundesnachrichtendienst (BND) wie auch das Bundeskanzleramt sollen bereits seit Anfang des vergangenen Jahres über Marsaleks Versteck Bescheid gewusst, die Münchener Ermittler jedoch nicht informiert haben.

Laut dem Zeitungsbericht soll die Staatsanwaltschaft dies erst durch die Enthüllungen der „Bild“-Zeitung in der vergangene Woche erfahren haben. Bei der darauffolgenden Einsicht der geheimen Marsalek-Akten in der Zentrale des Nachrichtendienstes in Berlin hätten zwei Staatsanwälte neben einem BND-Bericht aus Moskau auch ein weiteres Dokument gesehen, das beweise, dass der BND das Kanzleramt über den Aufenthaltsort von Marsalek informiert hatte.

Darüber hinaus befinde sich bei den Akten auch ein Hinweis auf das bereits in der vergangenen Woche bekanntgewordene Verhörangebot mit Marsalek, das die Russen den deutschen Ermittlern gemacht haben sollen. Dieses sei jedoch abgelehnt worden, wie der „Spiegel“ berichtet. Demnach habe Berlin befürchtet, die deutschen Agenten könnten damit in eine verfängliche Situation gelockt werden.

Marsalek gilt als Mastermind hinter dem Wirecard-Betrug

Jan Marsalek, der als mutmaßliches Mastermind hinter dem 1,9 Milliarden Euro schweren Bilanzskandal von Wirecard gilt, war im Juni 2020 aus Deutschland geflüchtet und untergetaucht. Bereits kurz nach seinem Verschwinden hatte es Spekulationen gegeben, Marsalek könnte dabei vom russischen Geheimdienst unterstützt worden sein.

Mitte März dieses Jahres hatte die Staatsanwaltschaft München gegen den ehemaligen Wirecard-CEO Markus Braun und zwei weitere beschuldigte Manager Anklage erhoben. Der Führungsriege des inzwischen insolventen Finanzdienstleisters Wirecard wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben, um Wirecard über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Die Hauptverhandlung gegen den früheren Wirecard-Chef vor dem Münchener Landgericht ist für den kommenden Herbst angesetzt.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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