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CFO Onno Schüssler muss 12 Unternehmen integrieren

Onno Schüssler ist wegen seinem Integrationsgeschick unser CFO des Monats.
Köber Supply Chain

Als Onno Schüssler vor rund zwei Jahren als CFO bei Körber Supply Chain anfing, war im Unternehmensportfolio eine Menge los: Zwölf Beteiligungen fanden sich darin, und seine Aufgabe war es, das Portfolio „auf Vordermann“ zu bringen, erinnert sich der Finanzchef. Das Unternehmen fuhr eine Buy-and-Build-Strategie. Schüsslers Ziele waren klar gesteckt: Wachstum, Profitabilität und Integration. Die Tochter des Körber-Konzerns will zu dem führenden weltweiten Anbieter von Technologien, die Lieferketten unterstützen, werden.

Die zwölf Unternehmen sind in verschiedenen Bereichen unterwegs – von Supply Chain Software über Materialtransportsysteme bis hin zur Automatisierung und Systemintegration. Die Portfoliounternehmen hatten laut Schüssler vor zwei Jahren noch einen vergleichsweise niedrigen Reifegrad. Der CFO hatte damals gemeinsam mit dem übrigen Managementteam des Geschäftsfelds ein heterogenes Bild vorgefunden: „Viele Unternehmen kämpften für sich, sie handelten oft nach eigenem Gutdünken und ohne klare Strategie.“

Und es gab noch weitere Herausforderungen. Nicht nur waren die zwölf Unternehmen mit einem Umsatz von 5 bis 150 Millionen Euro unterschiedlich groß. Sie waren mit den USA, Australien, Europa, Asien und Südamerika auch noch auf fünf verschiedenen Kontinenten verteilt. „Die Portfoliounternehmen waren nicht optimal aufgestellt und sich einen Überblick über die spezifischen Stärken und Schwächen zu machen, hat eine Weile gedauert“, fasst der CFO zusammen.

CFO Onno Schüssler vereinheitlichte Finanzprozesse

Wie ist Schüssler das Problem angegangen? „Das Ganze geht nur mit tiefgreifenden Veränderungen.“ Deshalb war ein wesentlicher Schritt der strategischen Neuausrichtung, dass alle Portfoliounternehmen unter einer Marke laufen. Bis dato hatte jedes Unternehmen einen eigenen Firmennamen. Die jetzige Marke „Körber“ hätte die Unternehmen mehr miteinander „verbunden“ und bei der Integration geholfen.

Dann ging es an die Internationalisierung. CFO Schüssler, der seit April 2019 unter anderem die Finanzen des Unternehmens leitet, analysierte zunächst die Präsenz der Portfolio-Unternehmen im Ausland. Um Marktanteile auszubauen, ist das Unternehmen Partnerschaften eingegangen, zum Beispiel im Bereich autonome mobile Roboter. „Auch wollen wir noch stärker in China und den USA wachsen“, erklärt Schüssler. 

Auch der Finanzbereich musste umgebaut werden. Schüssler war es wichtig, innerhalb der zwölf Töchter Transparenz und Verlässlichkeit zu schaffen sowie die gängigen Finanzprozesse zu vereinheitlichen und zu standardisieren. Ein Schritt dabei war die Umstellung auf ein einziges Reporting- und Planungssystem. Auch ein einheitliches ERP-System ist in der Umsetzung.

Ein wichtiger Punkt für ihn war auch die Kommunikation mit den Portfolio-Unternehmen: „Gerade weil viele ehemalige Inhaber noch aktiv sind, musste man hier viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Es sei ihm wichtig gewesen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wann die Zeit für Veränderungen richtig sei und wie man die Balance zwischen unternehmerischer Freiheit und Standardisierung hinbekomme. „Hier sind wir wohldosiert vorgegangen, um alle Mitarbeiter abzuholen und niemanden vor den Kopf zu stoßen“, meint er.

Corona hatte dabei einen positiven Effekt auf die Transformation des Körber-Geschäftsfelds. „Durch den beschleunigten Trend zum E-Commerce haben wir eine deutlich höhere Nachfrage gespürt und sehen erneut einem Rekordjahr entgegen. Zudem konnten wir durch wegfallende Reisetätigkeiten und Messeauftritte einiges an Kosten sparen.“ Und vor allem „rücken durch eine Krise alle näher zusammen und fokussieren sich aufs Wesentliche“. 

CFO Onno Schüssler profitiert von Linde-Erfahrung

Geholfen hat ihm bei der Transformation auch seine Erfahrung beim Gasekonzern Linde. Dort war Schüssler über 15 Jahre lang in verschiedenen Positionen tätig: Von 2015 bis 2018 arbeitete er als CFO bei Linde Engineering in Nordamerika, danach bis Anfang 2019 als Director Merger Integration. Auch zuvor hat er unter anderem durch die Integration von BOC viel Erfahrung mit komplexen M&A-Deals gesammelt.

„Zwar habe ich vor meiner Zeit bei Körber in einer ganz anderen Industrie gearbeitet, dennoch konnte ich für meine jetzige Aufgabe viel mitnehmen – vor allem, worauf es bei der Unternehmensintegration ankommt. Auch konnte ich bei Linde lernen, wie man eine Transformation portioniert und die richtige Stimmung abwartet, um den nächsten Schritt zu gehen.“

Körber Supply Chain wächst

Sein Fingerspitzengefühl bei der Transformation ist noch immer gefragt. Laut Schüssler gibt es noch zwei Unternehmen im Portfolio, die immer noch im Umbruch stecken. Eins davon habe in den vergangenen Monaten schon erste Verbesserungen gezeigt. „Bei diesem Unternehmen haben wir uns auf den Sweet Spot bei Geografie und Projektgröße geeinigt und technische und kommerzielle Risiken reduziert – denn vorher hatte das Unternehmen mehrere Standorte auf unterschiedlichen Kontinenten und sich mit Logistikprojekten verzettelt.“ Die Maßnahmen hätten gute Erfolge gezeigt.

Beim zweiten Unternehmen in der Transformationsphase gehe es „klassisch um Kostensenkung, Produktportfoliooptimierung und die Reduzierung des Working Capitals“, hier ist Schüssler aber noch inmitten des Prozesses. Beide Unternehmen machten 2020 rund 60 Millionen Euro des Gesamtumsatzes des Körber-Geschäftsfelds Supply Chain aus, insgesamt betrug der Umsatz 432 Millionen Euro.

Was unser CFO des Monats in den vergangenen zwei Jahren mit der Buy-and-Build-Strategie geschafft hat, zeigt sich nun auch in den aktuellsten Zahlen. Der Auftragseingang des Körber-Geschäftsfelds Supply Chain im ersten Halbjahr 2021 nahm im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 54 Prozent auf 373 Millionen Euro zu. Auch der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 35 Prozent auf 268 Millionen Euro. Das Ergebnis (Ebita) verdreifachte sich. Und auch beim Thema Liquiditätsoptimierung konnte der CFO etwas erreichen: Das Working Capital reduzierte sich um 48 Prozent beziehungsweise 21 Millionen Euro. 

Körber Supply Chain will noch weiter zukaufen

Die Buy-and-Build-Strategie ist damit aber noch nicht vollständig umgesetzt. Auch weiteren Zuwachs durch Zukäufe hält Schüssler definitiv für möglich. Interessant sei der Bereich Supply Chain Software, so der CFO. Doch erst einmal stehen die weitere Integration und Internationalisierung auf seiner Agenda.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Wen die FINANCE-Redaktion in der Vergangenheit zum CFO des Monats gekürt hat, können Sie auf der Themenseite nachlesen.

Mehr zum Werdegang von Onno Schüssler finden Sie in seinem FINANCE-Köpfe-Profil.

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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