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Das hat Bilfinger mit dem Apleona-Erlös vor

Bei Bilfinger scheint es wieder vorsichtig bergauf zu gehen. Mit dem Erlös aus dem Apleona-Verkauf hat man einiges vor.
Bilfinger

Der seit Jahren strauchelnde Industriekonzern Bilfinger zeigt sich wieder optimistischer. Nach einem guten ersten Halbjahr investiert das Unternehmen die Erlöse aus dem Verkauf von Apleona nun in Projekte, die die Aktionäre freuen: Die Aktie legte um knapp 10 Prozent auf fast 30 Euro zu.

Die Erlöse, die dem Unternehmen nun wieder mehr Spielraum geben, belaufen sich auf 458,4 Millionen Euro. Der schwedische Finanzinvestor EQT hatte Apleona im Dezember 2020 an den französischen PE-Investor PAI Partners verkauft. Davon profitierte auch Bilfinger, dem das Building and Facility Services Geschäft zuvor gehörte und der über ein Earn-out-ähnliches Instrument 49 Prozent des Erlöses abzüglich Schulden kassierte.

Bilfinger will Schuldscheintranche vorzeitig tilgen

Aus diesem Erlös ist nun unter anderem ein Aktienrückkauf sowie die Ausschüttung einer Sonderdividende geplant, teilte der SDax-Konzern aus Mannheim mit. Das Aktienrückkaufprogramm könnte ein Volumen von bis zu 100 Millionen Euro erreichen, es soll im Sommer 2022 starten. Zudem soll der Hauptversammlung eine Sonderdividende von 3,75 Euro je Aktie vorgeschlagen werden, was einer Ausschüttung von rund 150 Millionen Euro entsprechen würde.

Außerdem will Bilfinger eine vorzeitige Schuldentilgung vornehmen. Konkret verwendet das Unternehmen 109 Millionen Euro für die Ablösung der ausstehenden Tranchen der Schuldscheindarlehen, die bereits im Oktober 2021 statt April 2022 stattfinden soll. Dadurch spart CFO und Interims-CEO Christina Johansson dem Unternehmen 3 Millionen Euro pro Jahr an Zinsen.

Dieses Bündel an Maßnahmen, das Johansson vorlegt, ist summa summarum 359 Millionen Euro schwer – das ergibt eine Differenz zum Erlös des Apleona-Verkaufs von 99,4 Millionen Euro.

Bilfinger-Aktie macht Sprung nach oben

Bilfinger schaut sich wieder nach M&A-Deals um

Vor dem Hintergrund „der starken Bilanz und der erwarteten positiven Cashflows in den nächsten Jahren“ will Bilfinger darüber hinaus „mehrere hundert Millionen Euro“ in organisches Wachstum sowie M&A investieren. „Es gibt sicherlich geografische Märkte, wo es uns auch gut tun würde, die eine oder andere Akquisition zu machen“, zitiert die Nachrichtenagentur Dpa die Interimschefin. So sei Bilfinger im US-Markt noch relativ klein und könne sich vorstellen, dort auch durch gezielte Übernahmen zu wachsen. Denkbar seien zudem Zukäufe im Bereich Energien. Über die Finanzierung mache Johansson sich keine Sorgen: „Wir haben Mittel, und wir können weitere Mittel aufnehmen.“

„Wir haben uns für einen ausgewogenen Ansatz zur weiteren Verbesserung unserer Kapitaleffizienz entschieden, der gleichzeitig einen attraktiven Return für unsere Aktionäre bietet“, kommentierte Johansson das Maßnahmenpaket. „Zugleich eröffnet er die Möglichkeit, das Geschäft von Bilfinger zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und damit zusätzlichen Wert zu schaffen – all dies im Einklang mit unserem mittelfristigen Ziel, wieder ein Investment Grade Rating zu erreichen.“

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Wann bekommt Bilfinger ein Investment Grade Rating?

Das Unternehmen versucht bereits seit Jahren, wieder ins Investment Grade Rating zu kommen. Derzeit wird Bilfinger von Standard & Poor’s mit BB bewertet. Der Industriekonzern war vor einigen Jahren über eine aggressive M&A-Strategie in die Krise geraten. Mehrere Managementwechsel belasteten das Unternehmen zusätzlich.

CFO Klaus Patzak verließ den Konzern nach zwei Jahren im September 2018, sein Vorgänger Axel Salzmann hielt sich lediglich eineinhalb Jahre auf der Vorstandsposition. Für Patzak übernahm dann die Schwedin Christina Johansson, die im Dezember 2018 offiziell ihre Stelle als neue Finanzchefin angetreten ist. Allerdings musste Sie zu Beginn dieses Jahres auch noch den Posten des CEO interimistisch übernehmen, nachdem Vorstandschef Tom Blades überraschend seinen Hut nahm.

Corona hat Bilfinger zugesetzt

Zuletzt belastete auch noch Corona den Konzern, und Übernahmegerüchte – etwa durch den französischen Konkurrenten Altrad – machten die Runde. Doch die Zahlen des 2. Quartals 2021 geben nun wieder Hoffnung.

Der Umsatz verbesserte sich im Jahresvergleich organisch um 29 Prozent und legte auf 977 Millionen Euro zu. Auch konnte nach den Verlusten der Vergangenheit wieder ein Konzerngewinn in Höhe von 13 Millionen Euro erzielt werden. Die bereinigte Ebita-Marge lag bei 2,6 Prozent, für das Gesamtjahr werde sie das Vorkrisenniveau des Vorjahres übertreffen und rund 3 Prozent erreichen, prognostiziert das Unternehmen. CEO und CFO Johansson zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden: „Die im Jahr 2020 eingeführten Kostensenkungsprogramme zahlen sich nun aus. Insbesondere die Margenverbesserung ist ermutigend.“

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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