Das Immobiliendienstleistungsunternehmen Apleona findet für 1,6 Milliarden Euro einen neuen Besitzer.

Apleona GmbH

07.12.20
Deals

PAI Partners schnappt sich Apleona von EQT

Der französische Finanzinvestor PAI Partners übernimmt für 1,6 Milliarden Euro den Gebäudemanager Apleona vom Private-Equity-Haus EQT. Von dem Verkauf profitiert auch Bilfinger.

Die Private-Equity-Gesellschaft PAI Partners hat den Facility Management-Anbieter Apleona vom Finanzinvestor EQT erworben. Bereits Ende Oktober berichteten Medien, dass EQT sich von Apleona trennen will. Neben Strategen – die Rede war von den US-Wettbewerbern CBRE, Cushman & Wakefield sowie Jones Lang Lasalle – seien auch einige Finanzinvestoren unter den potentiellen Kaufinteressenten. Neben einem Verkauf sei aber auch ein Börsengang eine Option, berichteten damals Insider. Nun hat ein Finanzinvestor den Zuschlag erhalten.

PAI bewertet Apleona mit 11,8x Ebitda

Wie EQT bekanntgab, lag der Gesamttransaktionswert bei rund 1,6 Milliarden Euro. Legt man Apleonas erwarteten operativen Gewinn für 2020 von 135 Millionen Euro zugrunde, entspricht dies einem Bewertungs-Multiple von fast 11,8x Ebitda. Im Vorfeld war am Markt bereits mit Verkaufssummen von bis zu 2 Milliarden Euro spekuliert worden, was ein deutlich höheres Multiple bedeutet hätte. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll EQT selbst auf einen Ebitda-Multiple von 11x gehofft haben, denn so viel hatte der Investor bei seinem Einstieg bezahlt – diese Erwartung wäre nun leicht übertroffen.

Die Transaktion unterliegt den üblichen Bedingungen und Genehmigungen und soll voraussichtlich Anfang des zweiten Quartal 2021 abgeschlossen sein. Während die Deutsche Bank und Milbank als Berater für für EQT fungierten, wurde PAI Partners von SAS betreut.

2016 übernahmen die Schweden die ehemaligen Sparte „Building and Facility“ des Industriedienstleisters Bilfinger im Rahmen eines Carve-out für 1,2 Milliarden Euro. Inklusive Schulden wurde das Segment mit 1,4 Milliarden Euro bewertet, was damals dem Ebitda-Multiple von 11x entsprach. EQT setzte beim Neu-Isenburger Unternehmen eine strategische Neuausrichtung durch. So trennte man sich im Jahr 2017 vom zyklischen und margenschwachen Bausegment, im Jahr 2018 folgte der Verkauf des britischen Immobilienberatungsgeschäfts GVA. Aktuell beschäftigt Apleona mehr als 20.000 Mitarbeiter und verwaltet Zehntausende von Gebäuden in über 30 Ländern.

Erster großer Deal von PAI-Partner Heuwing

„Das Unternehmen verfügt über eine starke Plattform, die eine ideale Ausgangsbasis für die weitere Marktkonsolidierung bildet“, verabschiedete sich EQT-Partner Andreas Aschenbrenner von dem Portfoliounternehmen. Apleona-CEO Jochen Keysberg, Bruder von ThyssenKrupp-CFO Klaus Keysberg, freute sich, gemeinsam mit dem neuen Partner PAI das nächste Kapital aufzuschlagen. „In der nächsten Wachstumsphase werden wir uns sowohl auf Wachstum durch M&A-Aktivitäten als auch weiteres organisches Wachstum gestützt durch unsere Wettbewerbsvorteile und digitalen Lösungen konzentrieren“, so Keysberg.

Auf Seiten von PAI lobte Ralph Heuwing Apleona als ein Unternehmen, das hervorragend zur eigenen Investmentphilosophie passe. Das Managementteam habe „Apleona ideal für die zu erwartende Konsolidierung positioniert und die Grundlagen für Effizienz, digitale Prozesse und kontinuierliches Wachstum geschaffen.“ Der frühere CFO von Knorr-Bremse und Dürr leitet seit Oktober 2020 das DACH-Geschäft des französischen PE-Hauses – der Zukauf von Apleona ist somit sein erster großer Deal beim neuen Arbeitgeber.

Bilfinger profitiert vom Apleona-Verkauf

Von dem M&A-Deal profitiert auch Bilfinger. Der Mannheimer Konzern hatte sich 2016 einen Teil des Kaufpreises in Höhe von 100 Millionen Euro gestundet und mit 10 Prozent per anno Jahr endfällig verzinst. Ein weiterer Teil des Kaufpreises über 200 Millionen Euro wurde damals in ein Earn-out-ähnliches Instrument, einem sogenannten Preferred Participation Note (PPN), umgewandelt. Dadurch bekommt Bilfinger bei einem Weiterverkauf 49 Prozent des Erlöses abzüglich der Schulden.

Laut Angaben von Bilfinger steht Apleona mit 240 Millionen Euro in den Büchern. Wie EQT mitteilte, liegt der erwartete Mittelzufluss an Bilfinger zwischen 450 und 470 Millionen Euro. Damit führt der Deal bei Bilfinger zu einem Buchgewinn von über 200 Millionen Euro. Der Gewinn wird voraussichtlich im zweiten Quartal des kommenden Jahres verbucht werden. Der damalige Verkauf ist somit nun vollends abgeschlossen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de
 

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