Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Transformation Expertenbeiträge Budgetplanung: Wer in der Krise früher plant, der profitiert

Budgetplanung: Wer in der Krise früher plant, der profitiert

Die Budgetplanung steht meist im Herbst an. Doch angesichts der Coronakrise könnte das in diesem Jahr zu spät sein.
motorradcbr - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie beeinflusst die deutsche Wirtschaft immer noch erheblich. Die Stimmung unter den Unternehmen ist in manchen Branchen zwar gut, aber viele Betriebe sind nach wie vor auf staatliche Hilfsmaßnahmen angewiesen. Bislang haben Unterstützungsmöglichkeiten wie Hilfskredite oder das Kurzarbeitergeld vielen Unternehmen geholfen, die Folgen der Krise ein Stück weit abzufedern. Auch die temporär teilweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht und der staatliche Schutzschirm für Warenkreditversicherer haben dazu beigetragen, dass die Insolvenzzahlen weiterhin niedrig sind.

Doch das ist nur ein Teil des Bildes. In Gesprächen mit CFOs und Finanzverantwortlichen zeigt sich, dass einige Betriebe noch immer im Krisenmodus sind, während andere in einem „Übergangsmodus“ arbeiten. Für alle jene Unternehmen, die merklich von der Coronakrise betroffen sind, gilt: Die Budgetplanungen für das nächste Geschäftsjahr sollten nicht wie gewohnt für den diesjährigen Herbst angesetzt werden. Eine Unternehmensplanung im Herbst kann in diesem Jahr zu spät sein.

Coronakrise erfordert frühen Blick aufs Jahr

Die Pandemie wird sich auf das Geschäftsjahr 2022 auswirken. Der Tipp: Die integrierte Unternehmensplanung für 2022 (und im Regelfall auch für die Jahre 2023 und 2024) sollten CFOs frühzeitig aufstellen. Idealerweise noch vor der Sommerpause, spätestens aber, wenn die Zahlen für das erste Halbjahr feststehen – das bedeutet also einen um mehrere Monate nach vorne verlegten Termin für das interne Controlling.

Diese neue Zeitachse gilt besonders – aber nicht ausschließlich – für Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben. Denn durch das Auslaufen dieser staatlichen Unterstützung mit Ablauf des Jahres 2021 verändert sich die Kostenstruktur der Unternehmen erheblich. Das durch die Krise reduzierte Umsatzvolumen wurde bislang durch die geringeren Personal- und Lohnkosten aufgefangen. Doch dieser Effekt fällt mit dem Auslaufen des Kurzarbeitergelds weg.

„Durch das Auslaufen staatlicher Unterstützung verändert sich die Kostenstruktur.“

Die betrieblichen Kosten steigen wieder deutlich an. Ein Problem wird dies vor allem in Branchen werden, deren Umsätze noch nicht wieder mit den „Vor-Corona-Werten“ vergleichbar sind. Folglich werden für einige Branchen im neuen Jahr Kapazitätsanpassungen dringend erforderlich sein.

Bei Sparprogrammen genügend Vorlauf einplanen

FINANCE-Themenseite

Restrukturierung

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Für Sanierungsberater ist das ein gutes Geschäft.

Solche Anpassungen benötigen der Erfahrung nach ausreichend Zeit, um unter anderem die Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern zu führen und um sozialverträgliche Lösungen zu erarbeiten. Eine sinnvolle Analyse, umfangreiche Planungen und praktikable Umsetzungen solcher Maßnahmen dauern im Schnitt drei bis sechs Monate. Ein Unternehmen, das weniger Umsatz erzielt, wird schnell in die Verlustzone rutschen, wenn keine Anpassungen erfolgen.

Auch wenn Prognosen zur Umsatzentwicklung 2022 in der aktuellen Situation schwierig sind, sollte die Geschäftsführung Best- und Worst-Case-Szenarien berechnen und im Regelfall auch die Planungsprämissen für die Folgejahre 2023 und 2024 mit einbinden.

Frühe Budgetplanung für mehr Handlungsspielraum

Der frühzeitige Blick ins folgende Jahr bietet die Möglichkeit, verschiedene Alternativszenarien zu erarbeiten. So lässt sich der Kapazitätsbedarf für unterschiedliche Planungsprämissen ermitteln und vergleichen. Aufgrund der derzeit kaum vorhersehbaren Marktentwicklung ist in vielen Fällen wohl eine eher konservative Planung ratsam. Wie viele Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren gebraucht? Welche Kapazitäten sind ausreichend? Wo lassen sich Kosten einsparen, um stattdessen etwa in Modernisierungen zu investieren?

Zudem sollten CFOs einen Plan B für den Fall parat haben, dass die Geschäftsentwicklung schwächer ausfällt als erwartet. Wenn gar keine Besserung in Sicht ist und sich eine Zahlungsunfähigkeit abzeichnet, ist die Geschäftsführung verpflichtet, schnellstmöglich einen Insolvenzantrag zu stellen, um sich nicht haftbar oder sogar strafbar zu machen. Eine frühzeitige Planung ist dabei unabdingbar.

„Wer frühzeitig plant, hat bessere Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung.“

Auch die Insolvenz in Eigenverwaltung kann eine Möglichkeit zur Neuaufstellung sein. Die Geschäftsführung bleibt dabei im Amt, kann mit Unterstützung von Restrukturierungsexperten Sanierungsmaßnahmen umsetzen und Kapazitäten anpassen. Das Unternehmen kann sich durch das Verfahren dann wieder zukunftsfähig ausrichten.

Die Erfahrung zeigt eines ganz klar: Wer frühzeitig plant, hat bessere Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung.

+ posts

Dr. Maximilian Pluta ist Geschäftsführer der PLUTA Rechtsanwalts GmbH und der PLUTA Management GmbH. Der Rechtsanwalt, Diplom-Kaufmann und Steuerberater ist Leiter des Geschäftsfeldes Sanierung und Restrukturierung.

Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden