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Wie Nachhaltigkeit die Unternehmenswelt transformiert

Die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsmodelle kann für Unternehmen auch finanzielle Vorteile bringen.
Die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsmodelle kann für Unternehmen auch finanzielle Vorteile bringen. (Foto: Philip Steury - stock.adobe.com).

Unternehmen sind mit immer mehr gesetzlichen Vorgaben zur Nachhaltigkeit konfrontiert: Es gibt etwa die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die EU-Taxonomie, Offenlegungsverordnungen und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Zudem erregen Umweltkatastrophen und eine globale Pandemie in der Bevölkerung breite Aufmerksamkeit.  Die Folge: Nie war der regulatorische und gesellschaftliche Druck auf Unternehmen in puncto nachhaltiger Unternehmensführung größer als heute.

Unternehmen riskieren ihre License-to-operate, wenn sie ihrer ökologischen Verantwortung nicht nachkommen.

Die Europäische Union hat mit dem Aktionsplan „Nachhaltige Finanzen“ von 2018 und dem „EU Green Deal“ aus dem Jahr 2019 eine tiefgreifende Transformation des Finanzmarkts und der Realwirtschaft eingeleitet. Das wachsende Verständnis des Kapitalmarkts, dass Environmental-, Social- und Governance (ESG)-Themen sich auf die Finanzkennzahlen und letztlich den Unternehmenswert auswirken, verstärkt die Nachfrage von Investoren nach verlässlichen und vergleichbaren Angaben. Unternehmen riskieren nicht weniger als ihre License-to-operate, wenn sie ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachkommen.

ESG: Was kommt auf Unternehmen zu?

Doch Nachhaltigkeit sollte keineswegs als (lästige) Pflichterfüllung gesehen werden. Im Gegenteil. Die Chancen, die sich aus der Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsprozesse und die nachfolgende Berichterstattung ergeben, sind enorm. Neue Geschäftsfelder erschließen, als Arbeitgeber attraktiver werden, die Kosteneffizienz erhöhen, die Kosten am Kapitalmarkt senken – all das sind echte Vorteile.

Der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung gibt in seinem Abschlussbericht unter dem Titel „Shifting the Trillions“ umfangreiche Empfehlungen, wie Deutschland zu einem führenden Standort für Sustainable Finance werden soll. Kernbotschaft: Die bisherigen Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung lieferten nicht die notwendige Transparenz und Vergleichbarkeit, um Investitionsentscheidungen mit Blick auf die Nachhaltigkeit des jeweiligen Geschäftsmodells treffen zu können. Die große Frage lautet nun: Liefert die CSRD künftig diese Transparenz? Welche Standards sind zu entwickeln? Und was kommt in Deutschland von 2023 an konkret auf die etwa 15.000 von der Regulierung betroffenen Unternehmen zu?

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Die CSRD ist eine Überarbeitung der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) aus dem Jahr 2014. Während bisher nur große kapitalmarkorientierte Unternehmen über nichtfinanzielle Informationen berichten mussten, sind dazu von 2023 an alle großen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern verpflichtet. Die Zahl der Betroffenen steigt damit auf einen Schlag von rund 500 auf etwa 15.000 Unternehmen. Darüber hinaus soll die Berichterstattung verpflichtend Eingang in den Lagebericht finden und von einem externen Dritten überprüft werden. Das bedeutet eine große neue Herausforderung für sehr viele Unternehmensführungen.

Fokus auf nichtfinanzieller Berichterstattung

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen frühzeitig beginnen, sich mit Themen der nichtfinanziellen Berichterstattung auseinanderzusetzen. Die Erfahrung zahlreicher Erstprüfungen zeigt, dass es wenig ratsam ist, im selben Jahr erstmals zu berichten und gleichzeitig schon geprüft zu werden. Dies kann den Prozess erheblich verzögern und erschweren.

Besser ist es, schrittweise vorzugehen – um dann optimal vorbereitet zu sein, wenn die gesetzlichen Anforderungen greifen. Auf diese Weise können alle Beteiligten unternehmensintern abgeholt und der Erfolg nachhaltig gesichert werden.

Nachhaltigkeit braucht Harmonisierung

Doch Unternehmen brauchen auch einen verlässlichen und planbaren Rahmen, damit sich nachhaltige Unternehmensführung und Berichterstattung nicht in der Vielzahl von Vorgaben und Quasi-Standards verlieren und zum reinen Selbstzweck werden. Bisher hat es daran gefehlt, was Unternehmen und insbesondere Investoren frustriert hat.

Unternehmen brauchen einen verlässlichen Rahmen, damit sich nachhaltige Berichterstattung nicht in der Vielzahl von Vorgaben verliert.

Die EU plant nun, einen eigenen Standard für die nichtfinanzielle Berichterstattung zu erarbeiten, der allgemeine und branchenspezifische Inhalte festlegt, die neben unternehmensspezifischen Inhalten berichtet werden sollen. Damit ist die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) beauftragt. Ein großer Schritt in Richtung Harmonisierung steht in Aussicht, wenn auch erst einmal nur auf europäischer Ebene.

Allerdings sollte die Harmonisierung nicht an den Grenzen Europas haltmachen. Mit der Ankündigung der IFRS Foundation zur Gründung eines Sustainability Standards Board sowie weiteren internationalen Initiativen werden darüber hinaus auch weltweit die Weichen für ein globales System der nichtfinanziellen Unternehmensberichterstattung gestellt.

Die Zeit zum Handeln ist gekommen

Durch die EU-Taxonomie wird es zudem zu einer engeren Verzahnung der finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung kommen. Im Kontext einer Klassifizierung von „grünen“ Geschäftsaktivitäten müssen Unternehmen berichten, wie viel Umsatz, Investitionsausgaben und Betriebskosten die Aktivitäten ausmachen, die zu einem der sechs definierten Umweltziele beitragen und gleichzeitig keinem anderen schaden.

Die Taxonomie gilt bereits in diesem Jahr für alle großen kapitalmarktorientierten Unternehmen, wenn auch mit erleichternden Übergangsregelungen bei der Berichterstattung. Vom Jahr 2023 an sind dann – wie auch bei der CSRD – alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern von den Regelungen betroffen. Ziel der Vorgaben ist es, Kapitalströme hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen zu lenken. Dies wird für einige Unternehmen mittel- bis langfristig zu einer Transformation ihrer Geschäftsmodelle führen.

Bei den zahlreichen und rasanten Entwicklungen wird es Unternehmen nicht leicht gemacht, den Überblick zu behalten. Doch eines wird deutlich: Wir sind mitten in der Transformation des Wirtschaftssystems zu mehr Nachhaltigkeit angekommen – und die Zeit zum Handeln ist jetzt.

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