LKW-Riese Traton: Bei MAN soll die Produktion „mit verringerter Kapazität“ ab kommenden Montag wieder anlaufen

Traton SE

22.04.20
Wirtschaft

Coronakrise: Traton kämpft mit Cash-Drain

Wie die Mutter Volkswagen leidet auch Traton massiv unter der Corona-Pandemie. Neben deutlich gesunkenen Umsatz- und Gewinnzahlen müssen die Münchener auch mit dem Cash-Drain klar kommen.

Unschöne Zahlen aus München: Infolge der Coronakrise muss die VW-Tochter Traton einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen, wie der neu formierte Nutzfahrzeugkonzern mit Marken wie MAN und Scania am Montagabend mitteilte. Das operative Ergebnis auf Basis vorläufiger Zahlen fiel im 1. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zwei Drittel von 490 auf 160 Millionen Euro.

Traton verbrennt Cash

Der Umsatz büßte im Quartalsvergleich fast 11 Prozent auf rund 5,7 Milliarden Euro ein. Und auch das Geldpolster des LKW-Riesen schmilzt. So wies der seit Juni 2019 börsennotierte Konzern für das Nutzfahrzeuggeschäft (Industrial Business Segments) einen Netto-Cash-Abfluss von 170 Millionen Euro aus. Im Vorjahresquartal stand hier noch ein positiver Cashflow von 1,6 Milliarden Euro in den Büchern.

Allerdings resultierte das damalige Plus im Wesentlichen aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs Power Engineering an die Mutter Volkswagen. Bereinigt um den Verkauf betrug der Cashflow minus 400 Millionen Euro.

Im Gesamtjahr, das zum 31. Dezember 2019 endete, wies Traton in dem Segment einen Netto-Cashflow von 2,7 Milliarden Euro aus. Im zweiten Geschäftsbereich, Financial Services, floss in Summe hingegen fast 1 Milliarde Euro ab, sodass der Netto-Cashflow des Gesamtkonzern bei 1,9 Milliarden Euro lag.

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Christian Schulz, Traton SE

1999 beginnt Christian Schulz seine berufliche Laufbahn bei dem Autobauer Daimler. Nach verschiedenen Funktionen im Bereich Finanzen, Controlling und Risk Management in der Lkw-Sparte von Daimler übernimmt er 2006 die Leitung Finanzen & Controlling für den Produktbereich Getriebe und das Werk Gaggenau. Von 2008 bis 2011 verantwortet er als Direktor die Finanzbereiche für Einkauf, Produktion und Entwicklung der Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso Truck & Bus in Tokio. 2011 wechselt Schulz zu der Pkw-Sparte Mercedes-Benz, wo er bis 2016 als Direktor die weltweiten Controlling Operations (Produktion und Einkauf) sowie die wesentlichen globalen Beteiligungen des Unternehmens verantwortet.

Anfang 2017 verlässt Schulz den Daimler-Konzern und wechselt zu Volkswagen Truck & Bus, der Lkw-Sparte des Wolfsburger Autokonzerns Volkswagen. Dort ist er zunächst für die Bereiche Unternehmensentwicklung, Strategie und M&A verantwortlich, bis er im Juni 2018 zum CFO der VW-Sparte befördert wird, die kurz darauf in Traton umfirmiert wird.

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Und auch die Entwicklung der Liquidität dürfte Traton-CFO Christian Schulz Sorgen bereiten: Zum ersten Quartal belief sich die Nettoverschuldung im Segment Industrial Business auf rund 160 Millionen Euro. Zum Jahresende 2019 wies Traton bei dem Nutzfahrzeuggeschäft noch eine Netto-Liquidität von 1,5 Milliarden Euro aus. Im Gesamtkonzern betrug die Netto-Verschuldung 7,4 Milliarden Euro.

Traton-Werke stehen still

Infolge der Coronavirus-Pandemie sind beim LKW-Konzern ebenso wie bei den Mitbewerbern die Produktionsketten nahezu zu Erliegen gekommen. Aufgrund dessen musste Traton nahezu alle Werke von MAN und Scania seit dem 23. März schließen und hat für Zehntausende Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Bereits da erwartete Traton-CEO Andreas Renschler einen Gewinneinbruch für das Gesamtjahr. Zuvor hatte das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht vom 10. Februar noch mit einem moderaten Absatz- und Umsatzrückgang gerechnet.

Jetzt will das Unternehmen noch keine neue Prognose geben. „Eine aktualisierte Prognose über den Geschäftsverlauf 2020 ist unter den derzeitigen schnelllebigen Veränderungen nach wie vor nicht möglich“, hieß es aus München. Kleiner Lichtblick: Bei MAN soll die Produktion „mit verringerter Kapazität“ ab kommenden Montag wieder anlaufen, wie das Unternehmen gestern bekanntgab.

Traton muss Liquidität zusammenhalten

Bezüglich der Liquiditätssicherung ließ das Unternehmen wissen, dass diese „höchste Priorität“ habe und der Fokus dabei insbesondere „auf der Optimierung des Working Capital und der Priorisierung von Investitionen“ liege. Zu den genaueren Details wollte sich ein Unternehmenssprecher auf FINANCE-Nachfrage nicht äußern.

Gleiches gilt zu Fragen zur geplanten Übernahme des US-Mitbewerbers Navistar. Bei diesem hält der Münchener Konzern bereits einen Anteil von knapp 17 Prozent und arbeitet bei den Motoren eng zusammen. Ende Januar kündigte Traton noch an, den Kooperationspartner für je 35 US-Dollar je Aktie übernehmen zu wollen. Zum Zeitpunkt des Übernahmeangebots kletterte der Aktienkurs zwischenzeitlich auf über 36 Dollar.

Wird Traton Navistar trotzdem übernehmen?

Doch auch bei Navistar ist der Kurs infolge von Corona eingebrochen und liegt mittlerweile bei knapp 20 Dollar – der M&A-Deal wäre für Traton also eigentlich deutlich günstiger zu haben. Noch gibt es aber keine Übernahmevereinbarung. Ob Traton trotz geänderter Konditionen sowie dem drohenden Liquiditätsengpass an seinem Angebot festhält, bleibt unklar.

Für die VW-Tochter ist die Übernahme von Navistar von großer strategischer Wichtigkeit, denn dann würde Traton zum drittgrößten LKW-Hersteller in den USA hinter Daimler Trucks und Paccar aufsteigen. Den US-Markt hatte VW bisher größtenteils dem Konkurrenten Daimler überlassen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere des Traton-CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Christian Schulz.

Wie Corona sich auf die unterschiedlichen Bereiche des Wirtschaftslebens auswirkt und wie die Marktteilnehmer damit umgehen, lesen Sie auf unserer Themenseite zum Coronavirus, die wir fortlaufend aktualisieren.