Immer mehr Dominosteine des KTG-Agrar-Konzerns fallen um. Jetzt hat die Beschaffungstochter Delta Agrar Insolvenz angemeldet. Die Folgen für die Gläubiger sind bitter.

KTG Agrar

31.08.16
Wirtschaft

KTG Agrar: Forderungen lösen sich in Luft auf

KTG Agrar vermeldet die Pleite der konzerneigenen Beschaffungsplattform Delta Agrar. Forderungen von über 40 Millionen Euro dürften damit verloren sein. Und auch die zentrale Gelddrehscheibe des Konzerns steht kurz vor der Insolvenz.

Die Pleite von KTG Agrar – das Unternehmen hatte Anfang Juli Insolvenz beantragt – lässt immer mehr Dominosteine fallen. Nun haben zweite weitere Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet. Über diese hatte der Agrarkonzern weite Teile seiner Beschaffung abgewickelt.

Die beiden Schwesterfirmen, die jeweils Delta Agrar heißen, waren ein wichtiger Bestandteil der undurchsichtigen Finanzdrehscheibe, die der langjährige KTG-Chef Siegfried Hofreiter unterhielt: Hofreiter hatte im großen Stil Gelder vom Kapitalmarkt eingesammelt und diese dann im Konzernverbund zirkulieren lassen. Auf diese Weise häufte die Holding immer weiter steigende Finanzforderungen gegenüber Tochtergesellschaften und verbundenen Unternehmen an. Diese gipfelten Ende 2015 bei einem Betrag von 135,7 Millionen Euro – fast die Hälfte des Umsatzes. Wo die Gelder im Einzelnen geblieben sind, ist bis heute ein großes Mysterium. 

Sie interessieren sich für das Thema „KTG Agrar“? Dann lesen Sie auch den Magazin-Artikel „Der Absturz“ für nur 1,99 € (zzgl. MwSt.).

Der Absturz – Gelddrehscheiben, verschwundene Millionen, Amigo-Netzwerke: Die Hintergründe der Megapleite von KTG Agrar sind mehr als dubios. Es tun sich Abgründe auf...

 

Jetzt kaufen und weiterlesen

KTG kann Forderungen in Höhe von 48 Millionen Euro abschreiben

Durch die jetzt angemeldete Insolvenz von Delta Agrar können die leidgeprüften Investoren von KTG Agrar einen Teil ihrer Hoffnungen begraben, dass aus dem Forderungsbestand noch etwas zu holen ist. Wie das Unternehmen mitteilt, hatte KTG Agrar Forderungen in Höhe von 47,9 Millionen Euro gegen Delta Agrar. Dabei dürfte es sich um Forderungen aus Lieferungen und Leistungen handeln, die in dem hohen Bestand an Finanzforderungen noch nicht einmal enthalten sind. Dieses Geld dürfte verloren sein. 

Da nahezu im Wochenrhythmus KTG-Gesellschaften umfallen, wird es für den vorläufigen Sachwalter Stefan Denkhaus immer schwerer, die Gruppe in ihrem Kern zusammenzuhalten und eine Fortführungslösung zu finden. Morgen will er die Öffentlichkeit darüber informieren, wie es mit KTG Agrar weitergeht.

Die Auflösungserscheinungen erfassen derweil immer weitere Teile des einst stolzen Agrarkonzerns, der insgesamt rund eine halbe Milliarde Euro am deutschen Kapitalmarkt eingesammelt hatte. FINANCE liegen Dokumente vor, die zeigen, dass auch die KTG-Tochtergesellschaft KTK Getreidelager und Handel auf eine Insolvenz zusteuert und Gläubiger bittet, ihre Forderungen anzumelden. Dabei wird diesen schon signalisiert, dass sie wahrscheinlich auf 75 bis 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen, wenn eine Insolvenz vermieden werden soll.

KTK war die zentrale Finanzdrehscheibe von KTG Agrar

KTK ist gewissermaßen das spiegelbildliche Unternehmen von Delta Agrar. Was Delta Agrar für die Beschaffungsseite gewesen ist, war KTK für die Absatzseite. Über KTK verkaufte und verteilte KTG Agrar einen großen Teil seiner Ernte.

Die KTK verkauft diese aber nicht nur an Dritte, sondern zu einem erheblichen Teil auch innerhalb des Konzernkreises, unter anderem an die Biogastochter KTG Energie, die derzeit mit erheblichen Versorgungs- und Produktionsproblemen zu kämpfen hat. Gegenüber der KTK hat KTG Agrar mit 52,3 Millionen Euro per Ende 2015 noch höhere ausstehende Forderungen als an Delta Agrar.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Noch mehr Hintergründe zur Pleite des marktprägenden Mini-Bond-Emittenten finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar.