Osram

28.10.16
Wirtschaft

Osram bangt um Ledvance-Verkauf nach China

Erst Aixtron, jetzt Osram: Das Bundeswirtschaftsministerium prüft den geplanten Verkauf der Osram-Lampensparte Ledvance nach China. Das versetzt auch den Übernahme-Fantasien um den Gesamtkonzern einen herben Dämpfer.

Osram muss um den geplanten Verkauf seiner Lampensparte Ledvance nach China bangen: Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Antrag des chinesischen Bieterkonsortiums um das Lichtunternehmen MLS und die chinesischen Finanzinvestoren Yiwu und IDG auf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung abgelehnt. Über die Gründe ist bislang nichts bekannt. Diese Meldung der Wirtschaftswoche wurde FINANCE aus Unternehmenskreisen bestätigt.

Nun prüft die Behörde den Deal, und das kann Monate dauern. Geplatzt ist der 400 Millionen Euro schwere Verkauf damit zwar noch nicht, aber die Unsicherheit ist eine schlechte Nachricht für Osram und seinen neuen CFO Ingo Bank: Der Aktienkurs des MDax-Unternehmen brach gestern Abend um 4 Prozent ein. 

Zweifel an Übernahme von Osram wachsen

Das MDax-Unternehmen hatte im Juli nach zähen Verhandlungen bekanntgegeben, Ledvance für 400 Millionen Euro nach China verkaufen zu wollen. Über ein Jahr hatte der Leuchtenhersteller zuvor nach einem Käufer für seine Lampensparte gesucht und musste am Ende dennoch einen Kaufpreis 100 Millionen Euro unter Buchwert akzeptieren.

Osram-CEO Olaf Berlien sprach trotzdem von einem sehr guten Deal, weil Osram noch zehn Jahre lang Lizenzzahlungen für die Nutzung der Markenrechte erhalten sollte. Die komplexe Transaktion sollte im Laufe des Geschäftsjahres 2017, das bei Osram am 30. September endet, unter Dach und Fach gebracht werden.

Mit der Intervention des Bundeswirtschaftsministerium wachsen auch die Zweifel an einer Übernahme des Gesamtkonzerns Osram durch die Chinesen. Seit Anfang Oktober gibt es Spekulationen, dass der chinesische Konzern San’an Optoelectronics den Leuchtenhersteller kaufen will. Einem Medienbericht zufolge plant der Halbleiterkonzern, 6,3 Milliarden Euro zu bieten.

Wirtschaftsministerium prüft auch Aixtron-Verkauf nach China

Berlin grätscht nun innerhalb von nur einer Woche bereits ein zweites Mal in einen deutsch-chinesischen M&A-Deal hinein: Am Montag war bekannt geworden, dass das Ressort von Sigmar Gabriel den geplanten Kauf des kriselnden Chip-Anlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Investor Fujian Grand Chip (FGC) noch einmal unter die Lupe nimmt.

Besonders pikant dabei: Der Wirtschaftsminister hatte Anfang September bereits eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt, diese aber aufgrund neuer Erkenntnisse zurückgezogen. Offenbar verfügt Aixtron über spezielles Knowhow bei sicherheitsrelevanten Technologien, die im Verteidigungssektor eine Rolle spielen. Wie das Handelsblatt berichtet, sollen diese Informationen vom amerikanischen Geheimdienst an die Bundesregierung herangetragen worden sein. Anders als bei Osram war der Deal schon auf der Zielgeraden: FGC wurden bereits 65 Prozent der Aktien angedient.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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