Der Reisekonzern FTI braucht finanzielle Hilfe vom Staat.

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03.11.20
Wirtschaft

Reisekonzern FTI braucht Staatshilfe

Auch der Touristikkonzern FTI braucht zum Überleben Staatshilfe. Es handelt sich um ein Darlehen über 235 Millionen Euro. Mehrheitseigner Samih Sawiris leistet dazu einen entscheidenden Beitrag.

Nach Tui und der Lufthansa benötigt nun der nächste Reisekonzern Staatshilfe, um die finanziellen Folgen der Coronakrise abzufedern: Das Münchener Reiseunternehmen FTI erhält 235 Millionen Euro in Form eines Darlehens vom Staat. Der Antrag wurde bereits von der Regierung bewilligt. Das Geld stammt aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), den die Bundesregierung aufgelegt hat, um durch Corona in Schieflage geratene Unternehmen finanziell zu unterstützen. Insgesamt ist der Fonds 600 Milliarden Euro schwer. 

„Mit dem neuen Darlehen und dem von uns ergriffenen Maßnahmenpaket im Rücken konzentrieren wir uns nun mit ganzer Kraft auf die nächsten Monate“, lässt sich FTI-Managing Director Ralph Schiller in einem offiziellen Statement zitieren. FTI verzeichnet eigenen Angaben zufolge bereits einige Vorausbuchungszahlen und rechnet für das erste Halbjahr 2021 mit einem „starken Kurzfrist-Push“.

FTI muss restrukturieren

FTI-CEO Dietmar Gunz bezeichnete das finanzielle Engagement von Samih Sawiris als „mit ausschlaggebend für die erfolgreiche Antragsstellung des WSF“. Der FTI-Großaktionär hatte im April die Mehrheit an FTI übernommen und dabei auch Kapital gestellt. Wie hoch der Beitrag des Ägypters war, nannte FTI nicht.

Eine weitere Voraussetzung für die WSF-Finanzierung ist eine umfangreiche Restrukturierung. Die Münchener haben sich von einigen Unternehmen aus dem Portfolio getrennt, darunter von dem Veranstalter LAL Sprachreisen und dem Online-Portal für Flugreisen fly.de. Zudem hat FTI das Kreuzfahrtschiff Die Berlin veräußert. Touristic24, ein Service Center für telefonische Reiseberatung wurde geschlossen, weitere Teilbereiche der Gruppe wurden aufgelöst.

Ebenfalls Teil der Maßnahmen war die Einführung von Kurzarbeit für „nahezu alle Mitarbeiter“ sowie ein bereits im Sommer angekündigter Stellenabbau. Zusätzlich hat das Management freiwillig auf einen Teil der Vergütung verzichtet.

Zweiter Hilferuf von FTI

Zu den bekannteren Marken des Reisekonzerns gehören FTI Touristik und Sonnenklar.tv. Mit rund 12.000 Mitarbeitern weltweit erwirtschafteten die Münchener im vergangenen Geschäftsjahr (2018/2019) einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. FTI vermittelt insbesondere Reisen in die Türkei, nach Ägypten, Griechenland und Spanien. Aktuellere Zahlen veröffentlichte FTI bisher nicht.

Die Umsätze dürften in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen, denn unter dem Ausbruch des Coronavirus und den Reiseeinschränkungen leidet vor allem die Touristikbranche. Vor allem zwei Punkte belasten das Unternehmen: Einerseits muss FTI wie viele Reisekonzerne bereits gebuchte Reisen rückerstatten. Zudem soll FTI bereits vor Ausbruch der Krise unter Druck gestanden haben, die Finanzlage war demnach mau. Das „Handelsblatt“ berichtete bereits im März, die Gewinnmarge liege bei lediglich 1,5 Prozent, die Eigenkapitalquote bei schwachen 10 Prozent. Für FTI ist der jetzige Hilfsantrag daher schon der zweite Hilferuf, bereits im Frühjahr besorgte sich das Unternehmen zusätzliche Mittel.

FTI erhielt bereits im Frühjahr Kapital

FTI hatte im März um finanzielle Unterstützung gebeten, einen Monat später wurde der Hilferuf erhört: Anfang April erhielten die Münchener einen Überbrückungskredit vom Bund und vom Bundesland Bayern in öffentlich nicht genannter Höhe, begleitende Bank war Berichten zufolge die Unicredit.

Um die Finanzierung möglich zu machen, musste jedoch auch frisches Kapital in das Unternehmen fließen: Die damaligen Mehrheitsgesellschafter, CEO Dietmar Gunz und seine Ehefrau Roula Jouny, sowie der ägyptische Geschäftsmann und FTI-Großaktionär Samih Sawiris schossen im Frühjahr Kapital nach. Kurz darauf wurde bekannt, dass Sawiris seine FTI-Anteile massiv aufgestockt hat, inzwischen ist der Ägypter mit einer Mehrheit von 75,1 Prozent an FTI beteiligt.

Der Unternehmer war im Jahr 2014 bei FTI mit rund einem Drittel der Anteile eingestiegen. Schon damals galt seine Beteiligung an dem Reiseanbieter als Rettung in der Not.

Ende des vergangenen Jahres soll dem „Handelsblatt“ zufolge eine Finanzspritze des Staatsfonds ADDH aus Abu Dhabi für FTI im Gespräch gewesen sein – auf die damals kolportierte Summe von rund 100 Millionen Euro warte man jedoch in München bis heute.

Auch Lufthansa und Tui bekamen Staatshilfe

FTI ist nicht der erste Konzern, der finanzielle Unterstützung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhält. Die Lufthansa erhielt im Mai 9 Milliarden Euro vom Staat. Bei Tui musste der WSF gleich zwei Mal zur Seite springen: Anfang April bekam der Reisekonzern 1,8 Milliarden Euro, vier Monate später musste der Bund noch einmal 1,2 Milliarden Euro nachschießen. Und auch der Werftenbetreiber MV Werften erhielt im Oktober einen Brückenkredit über 193 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Corporate-Finance-Welt lesen Sie auf unserer Themenseite zum Coronavirus. Wie andere Reisekonzerne die Krise meistern, erfahren Sie unter anderem auf unseren Themenseiten zur Lufthansa und zu Tui.