Der Hamburger Windanlagenhersteller Senvion holt sich mit Neil Robson einen CRO. Damit sind drei von vier Vorstandspositionen mit neuem Personal besetzt.

Senvion

20.03.19
Wirtschaft

Senvion holt Sanierer

Nach dem sturmerprobten Finanzchef Jürgen Wiecha holt der Windanlagenbauer Senvion jetzt den nächsten Krisenmanager: Neil Robson soll als CRO für den Turnaround sorgen.

Das runderneuerte Management-Team des kriselnden Windanlagenbauers Senvion bekommt Verstärkung: Neil Robson wird Chief Restructuring Officer (CRO) der Hamburger. Robson ist Partner bei der Restrukturierungsberatung THM Partner und bringt laut Unternehmensangaben „30 Jahre Restrukturierungs-Erfahrung“ mit, 15 Jahre davon in Führungspositionen als CRO oder CFO. Davor arbeitete Robson für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften EY und Arthur Andersen. Robson war unter anderem CRO bei den bekannten deutschen Sanierungsfällen Scholz und Apcoa.

Erst Ende Januar war Hans-Jürgen Wiecha als CFO zu dem Unternehmen gestoßen. Wie Robson ist auch Wiecha ein erfahrener Krisenmanager. Der neue Vorstandschef Yves Rannou, der Anfang Januar zu Senvion stieß, gibt für das neue Management die Marschroute vor: „Wir haben einen klar definierten Maßnahmenplan, um das Unternehmen mittelfristig zu stabilisieren und zu stärken. Neil Robson wird Senvions laufenden Finanzierungsgespräche mit wichtigen Stakeholdern als CRO erfolgreich vorantreiben.“

Senvion kämpft um seine Finanzierung

Das neue Führungstrio hat wenig Zeit, um Ergebnisse zu liefern, denn nach zwei schwachen Geschäftsjahren ist der Windanlagenhersteller in die Krise gerutscht. Weil es dem Unternehmen nicht gelang, von Kunden beauftragte Windparks wie versprochen im vierten Quartal fertigzustellen, musste Senvion im Februar eine empfindliche Gewinnwarnung herausgeben. Es drohen auch Entschädigungszahlungen an die Auftraggeber.

Um das Ausmaß der Krise zu bewerten, lässt Senvion gerade ein Sanierungsgutachten gemäß IDW S6-Standard anfertigen. Es soll klären, ob der Konzern durch eine Restrukturierung saniert werden kann – eine entscheidende Voraussetzung für die Gespräche, die Wiecha gerade mit den Geldgebern des Unternehmens führt. Dazu gehören Banken, die die wichtigen Avallinien zur Verfügung stellen, sowie die Inhaber einer 400 Millionen Euro schweren Anleihe und der Finanzinvestor Centerbridge, dem 71 Prozent des Unternehmens gehören. Die 62,5 Millionen Euro, die Senvion im August über eine Kapitalerhöhung einnahm, sind offenbar bereits verbrannt.

FINANCE-Köpfe

Hans-Jürgen Wiecha, Senvion SA

Seine berufliche Karriere startet Wiecha 1989 als Prüfungsleiter und Steuerassistent bei PricewaterhouseCoopers. 1993 wechselt er zu Veba Öl, wo er sieben Jahre lang in verantwortlichen Positionen im Finanzbereich arbeitet, unter anderem als Bereichsleiter Bilanzen & Rechnungswesen und später als Bereichsleiter Controlling & Accounting.

2000 wechselt Wiecha als Director Corporate Finance zu Gerresheimer, wo er für Treasury, Rechnungswesen und Steuern zuständig ist. 2004 ernennt ihn das Unternehmen zum Generalbevollmächtigten, er übernimmt zusätzlich die Zuständigkeit für den M&A-Bereich. Von Januar 2005 an ist Wiecha CFO bei Gerresheimer. Im Februar 2013 wechselt er zum deutsch-schweizerischen Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach. Nach dem Abgang von CEO Johannes Nonn ist er von Ende Dezember 2013 bis April 2014 "CEO ad interim". Von März 2015 bis Juni 2017 ist Wiecha CFO beim Baustoffkonzern Xella. Im Januar 2019 beruft der Windturbinenbauer Senvion Wiecha zum neuen Finanzchef.

zum Profil

Senvion hofft, dass die Ergebnisse des IDW S6-Gutachtens im  zweiten Quartal eintreffen. Bis es soweit ist, werden die Hamburger die Geschäftszahlen für 2018 nicht vorlegen können.

Investoren gehen auf Abstand zu Senvion

Die Investoren sehen die Lage des Windturbinenbauers kritisch: Die Senvion-Aktie verlor seit Mitte Mai vergangenen Jahres rund 90 Prozent an Wert und notiert aktuell bei 1,12 Euro. Ein ähnlich kritisches Bild zeichnet der 2017 begebene Green Bond: Die im Mai 2017 mit einem Zinssatz von 3,875 Prozent begebene Anleihe ist auf weniger als 40 Prozent ihres Nennwerts abgesackt.

Dramatischer Kursverfall der Senvion-Aktie

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