Nach nur einem Jahr als ThyssenKrupp-CEO soll Guido Kerkhoff schon wieder gehen.

ThyssenKrupp

25.09.19
Wirtschaft

ThyssenKrupp-CEO Kerkhoff soll schon wieder gehen

Vor einem Jahr erst ist Guido Kerkhoff vom CFO zum CEO bei ThyssenKrupp aufgestiegen – nun soll er nach dem Willen der Aufsichtsratsspitze schon wieder gehen. Für den Ex-Finanzchef wäre es ein kurzes und glückloses Intermezzo als CEO gewesen.

Beim schlingernden Industrieriesen ThyssenKrupp ist es zum Bruch zwischen Vorstandsvorsitz und Aufsichtsratsspitze gekommen: Das Präsidium und der Personalausschuss empfehlen eine „zeitnahe“ Trennung von CEO Guido Kerkhoff.

Neue Vorsitzende soll demnach interimistisch – für eine Dauer von zwölf Monaten – Aufsichtsratschefin Martina Merz werden. Sie ist erst seit Februar AR-Chefin von ThyssenKrupp. Sobald der Vorstandsvorsitz neu besetzt ist, werde Merz in den Aufsichtsrat zurückkehren. In der Zwischenzeit soll der Ex-Siemens-Manager Siegfried Russwurm die Funktion des Aufsichtsratschefs übernehmen.

Der Aufsichtsrat werde zeitnah in einer außerordentlichen Sitzung über die Empfehlungen des Präsidiums und des Personalausschusses beraten und entscheiden. Offizielle Gründe für die überraschende Empfehlung wurden nicht genannt. Dem Vernehmen nach gab es unterschiedliche strategische Vorstellungen. Die im Mai 2019 angekündigte Neuausrichtung des Konzerns werde konsequent fortgesetzt, betont der Konzern in seiner Mitteilung.

Großaktionär Cevian begrüßt einen Wechsel: „Wir unterstützen die Ernennung von Martina Merz zur Vorstandsvorsitzenden voll und ganz“, erklärte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg. „Wir erwarten, dass die neue Führung den von ThyssenKrupp so dringend benötigten Transformationsprozess beschleunigen und die Qualität der Umsetzung maßgeblich verbessern wird.“ Man sei zuversichtlich, dass das Unternehmen nun endlich eine eindeutige Strategie und einen klar definierten Maßnahmenplan erhalte.

Guido Kerkhoff war seit 2011 CFO bei ThyssenKrupp

Für Guido Kerkhoff könnte es ein kurzes – und glückloses – Intermezzo an der Spitze des Industrieriesen werden. Er ist erst vor gut einem Jahr zum Vorstandsvorsitzenden befördert worden und hatte einen Fünf-Jahres-Vertrag bekommen. Zuvor war er über sieben Jahre lang Finanzvorstand von ThyssenKrupp.

Bereits im Juli 2018 war er übergangsweise zum CEO berufen worden, nachdem der damalige Chef Heinrich Hiesinger überraschend gegangen war. Monatelang suchte der Industriekonzern danach nach passenden Kandidaten für den Posten des Vorstandschefs. Kerkhoffs endgültige Berufung zum Vorstandsvorsitzenden hatte denn ein geteiltes Echo hervorgerufen.

Kerkhoff sollte den Konzern nach dem Abgang von Hiesinger wieder stabilisieren, doch das ist ihm bis heute nicht gelungen. Nach Prognosesenkungen und Strategiewechseln ist der Aktienkurs stark unter Druck geraten. Kürzlich erst musste der Konzern einen Abstieg aus dem Dax verkraften.

Wie geht es mit Thyssen-Aufzugssparte weiter?

Kerkhoffs Plan war es, den Konzern in zwei Teile aufzuspalten. Mit diesem wurde er ursprünglich auch für den Vorstandvorsitz empfohlen. Doch nachdem die geplante Stahlfusion mit dem indischen Konzern Tata an kartellrechtlichen Bedenken gescheitert ist, musste Kerkhoff umschwenken.

Zunächst wurde ein Börsengang der profitablen Aufzugsparte ins Visier genommen, zuletzt wurde aber ein Verkauf der Sparte immer wahrscheinlicher. Im Markt kursieren Schätzungen, wonach die Sparte bis zu 15 Milliarden Euro wert sein soll. Vor gut einer Woche erst meldeten Medienberichten zufolge die Finanzinvestoren Advent und Cinven gemeinsam mit dem Staatfonds von Abu Dhabi Interesse an der lukrativen Sparte an. Auch anderen Finanzinvestoren wie Carlyle, CVC und KKR wird Interesse an der Perle des Konzerns nachgesagt.

FINANCE-Köpfe

Guido Kerkhoff, ehemals ThyssenKrupp AG

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

Ein Jahr später beenden Aufsichtsrat und Kerkhoff die Zusammenarbeit einvernehmlich. Aufsichtsrätin Martina Merz übernimmt bei den Essenern.

zum Profil

Aber auch strategische Käufer könnten zum Zug kommen, wie der japanische Industriekonzern Hitachi oder der Weltmarktführer Kone. Bei dem Kone-Deal könnte ThyssenKrupp über einen partiellen Aktientausch an einem kombinierten Unternehmen auch nach dem Verkauf noch an der hohen Ertragskraft der Sparte teilhaben.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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