Das Coronavirus belastet nicht nur die Menschen: Auch die deutsche Wirtschaft ist mittlerweile extrem von den Auswirkungen der Krankheit betroffen.

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09.03.20
Wirtschaft

Coronapanik: Die Einschläge in der Finance-Welt

Coronapanik an den Märkten und dazu noch ein drohender Ölpreiskampf: Risky Assets brechen ein, die Politik greift ein – die zentralen Entwicklungen im FINANCE-Überblick.

Das Coronavirus hat die Märkte mit Panik infiziert. Die Investoren fliehen aus dem Risiko, für CFOs hat eine Woche der Wahrheit begonnen. Starten wir mit dem Ölpreis, der am Morgen um 30 Prozent einbrach. Brent fiel zwischenzeitlich auf nur noch 31 US-Dollar je Barrel.

Zwei Einordnungen zeigen, was für ein Einschnitt die heutige Nacht für den Ölmarkt ist: Es wurde nicht nur der tiefste Ölpreis seit dem Beginn des zweiten Golfkriegs im Jahr 1991 verzeichnet, sondern auch der größte Tagesverlust seit diesem fast 30 Jahre vergangenen Konflikt. Im Laufe des Vormittags reduzierte sich das Minus ein wenig. Um kurz vor 11 Uhr standen aber immer noch Einbußen von rund 20 Prozent zu Buche.

Die Saudis eskalieren den Ölkonflikt

Der Grund für den Einbruch: Die Gespräche zwischen den OPEC-Ländern und Russland über eine gemeinsame Förderkürzung sind gescheitert. Die Reaktion der Saudis fällt barsch aus. Sie verkündeten eine drastische Preissenkung und kündigten an, ihre Fördermenge kurzfristig deutlich hochfahren zu wollen. Der „Swing Producer“ lässt die Muskeln spielen. Damit bringt Riad Russland in Bedrängnis.

Die Reaktion der russischen Regierung ist auf andere Weise drastisch: In Russland können Konsumenten und Investoren bis auf weiteres keine anderen Währungen als den Rubel mehr tauschen oder erwerben. So will Moskau eine Kapitalflucht und einen Crash des Rubels verhindern. Experten befürchten, dass die Machtprobe zwischen Russland und Saudi Arabien noch Monate anhalten wird.

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Dax leidet unter Coronavirus-Panik

Auch die internationalen Börsen sind im Krisenmodus. In Deutschland sank der Dax zum Handelsstart um mehr als 7 Prozent auf kaum noch mehr als 10.600 Punkte. Zwei Stunden später kämpfte der Index sich immerhin auf knapp 10.900 Punkte zurück, gab dann aber schon wieder nach.

Die größten Verlierer sind die Bankaktien: Die Commerzbank verliert fast 10 Prozent, die Deutsche Bank sogar über 10 Prozent. Beide Papiere haben damit ein neues Rekordtief erreicht. Die Kurserholung, die es in den ersten Wochen des Jahres gegeben hat, ist dahin.

Auch Auto- und Chemieaktien verlieren deutlich mehr als 5 Prozent. An den anderen zentralen Börsen in Europa und Asien zeigt sich das gleiche Bild. Bundesanleihen hingegen sind die großen Gewinner. Die Rendite der Zehnjährigen fällt auf ein Niveau, das es noch nie in der deutschen Geschichte gegeben hat. Der Goldpreis hält sich einigermaßen und verliert nur marginal.

Berlin schnürt großes Hilfspaket

Dass die Tourismusbranche schwer leidet, liegt auf der Hand. Es haben aber auch Unternehmen aus den Bereichen Messe und Gastronomie mit Einnahmeeinbrüchen zu kämpfen. Um die Folgen der Coronakrise für die betroffenen deutschen Unternehmen möglichst gering zu halten, hat sich die Koalition in Berlin auf ein Hilfspaket geeinigt, das im Kern drei Punkte enthält.

Zunächst sollen die Hürden für den Bezug von Kurzarbeitergeld deutlich gesenkt werden. Bisher gab es Kurzarbeitergeld, wenn mindestens ein Drittel der Mitarbeiter in einem Unternehmen von erheblichem Arbeitsausfall betroffen ist. Diese Schwelle soll nun gesenkt werden. Zudem sollen Arbeitgeber künftig die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden voll erstattet bekommen. Außerdem ist eine längere Zahldauer des Kurzarbeitergeldes im Gespräch. So sollen Unternehmen dazu in die Lage versetzt werden, ihre Personalkosten zeitweise zu reduzieren, ohne im großen Stil Stellen abbauen zu müssen.

Besonders von der Krise betroffene Unternehmen dürfen auch noch auf zusätzliche finanzielle Unterstützung hoffen. Die Bundesregierung plant ein Treffen mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft und den Gewerkschaften, bei dem es um die konkrete Ausgestaltung von Liquiditätshilfen gehen soll. Großkonzerne wie Lufthansa und Fraport behelfen sich bereits selbstständig mit Manövern am Schuldscheinmarkt.

Hinzu kommt ein weiteres Investitionspaket in Milliardenhöhe, das den bisher schon angekündigten Zuwachs bei den Investitionen zusätzlich ausweiten soll. Demnach will die Regierung die Investitionen in den Jahren 2021 bis 2024 gegenüber dem bisherigen Planansatz bundesweit um 3,1 Milliarden Euro erhöhen, um „vereinbarte Investitionspfade auszubauen und neue Prioritäten in Höhe von insgesamt 12,4 Milliarden Euro zu ermöglichen“, wie es in dem Beschluss heißt. Auch Bürgschaften und Steuerstundungen sind im Gespräch.

Corona prägt auch Investor Relations

Die Angst vor den Auswirkungen des Coronavirus sorgt auch für massive Unruhe bei den Investoren und übrigen Stakeholdern fast aller Unternehmen. Eine heute veröffentlichte Blitzumfrage der Kommunikationsagentur Kirchhoff Consult unter 46 börsennotierten Unternehmen zeigt eine interessante Divergenz: Nur 30 Prozent der Befragten erwarten negative Auswirkungen durch Corona auf ihre Gewinne im aktuellen Jahr. Mittelfristig rechnen sogar nur 7 Prozent mit negativen Effekten.

Dennoch prägt das Virus ihre Investor Relations: Drei Viertel der Unternehmen gaben ab, dass sie für die Coronakrise bereits eine Kommunikationsstrategie entwickelt haben oder gerade dabei sind. Bei 84 Prozent ist der Vorstand direkt in die Kommunikation eingebunden. „Das Coronavirus wird die Kapitalmarktkommunikation das gesamte Jahr stark beeinflussen“, schlussfolgert Kirchhoff-Vorstand Jens Hecht.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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