Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne hat sein Anteilspaket an der Lufthansa vergrößert. Wie aus einer Pflichtmitteilung vom gestrigen Mittwoch hervorgeht, hat Kühne seinen Anteil von 10 auf 15 Prozent aufgestockt. Damit steigt er zum größten Einzelaktionär des Unternehmens auf. Zuvor war der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes mit rund 14 Prozent der größte Anteilseigner gewesen.
Die neuen Anteile, die ihn etwa 330 Millionen Euro gekostet haben dürften, hat Kühne über die Kühne Aviation GmbH erworben. Gemessen an seinem geschätzten Vermögen sind die Lufthansa-Investments ein Tropfen auf den heißen Stein: Der 84-jährige Unternehmer gehört mit einem Vermögen von rund 32 Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen. Aufgebaut hatte er dieses unter anderem als langjähriger Vorstandsvorsitzender des Logistikkonzerns Kühne + Nagel, bei dem er heute immer noch größter Anteilseigner ist.
Der Aktienkurs der Lufthansa reagierte positiv auf die Zukäufe von Kühne: Die Lufthansa-Aktie legte vom gestrigen Mittwoch auf den heutigen Donnerstag leicht von 5,50 Euro auf 5,60 Euro zu.
Kühne nutzt niedrigen Lufthansa-Kurs zum Zukauf
Kühne war erstmals im März bei der Lufthansa eingestiegen, damals hatte er 5 Prozent der Unternehmensanteile erworben. Der Kauf des Aktienpakets dürfte ihn zu dem Zeitpunkt rund 350 Millionen Euro gekostet haben. Da der Aktienkurs der Lufthansa seitdem aber deutlich gesunken ist, ist dieser Anteil aktuell nur noch etwa 330 Millionen Euro wert – Stand heute entspricht das einem Verlust von 20 Millionen Euro.
Und das ist noch nicht alles: Nur wenige Wochen nach dem Einstieg, im April dieses Jahres, hatte Kühne seinen Anteil erneut aufgestockt, von 5 auf 10 Prozent. Zu welchen Kursen diese Zukäufe konkret erfolgt sind, ist nicht bekannt. Da sich der Wert des Lufthansa-Papiers aber seitdem weiter Richtung Süden bewegt hat, dürfte Kühnes Verlust bei der Lufthansa voraussichtlich noch höher ausfallen.
Was hat Kühne mit dem Lufthansa-Investment vor?
Dass der Logistik-Unternehmer jetzt trotzdem wieder zuschlägt, hat zwei Hauptgründe. Seine erneute Aufstockung ist sicherlich dem schwächelnden Aktienkurs des Konzerns zuzuschreiben: Seit März hat das Papier wieder über 20 Prozent an Wert verloren. Auch schon Anfang März passte Kühne einen günstigen Kaufzeitpunkt ab – und deutete bereits im Rahmen der Aufstockung im April weitere Zukäufe in den nächsten zwölf Monaten an.
Darüber hinaus dürfte Kühne mit seinen Lufthansa-Zukäufen eher auf die langfristige Perspektive und die Erholung des Luftfahrtsektors denn auf einen kurzfristigen Gewinn setzen. Karl Gernandt, Executive Chairman der Kühne Holding, bestätigte das langfristige Interesse an der Kranich-Airline gegenüber dem „Handelsblatt“: „Als langfristiger Investor steht die Kühne Holding der Deutschen Lufthansa partnerschaftlich an der Seite und vertraut auf die Stärke des Unternehmens, das mit seinen drei Divisionen Technik, Cargo und Passage ja insgesamt gut balanciert tätig ist.“
Laut übereinstimmenden Presseberichten hat der Unternehmer möglicherweise sogar Interesse an dem lukrativen Frachtgeschäft der Lufthansa. Zudem ist die Lufthansa gerade dabei, sich von einem Minderheitsanteil der Technik-Tochter zu trennen. Gelänge der Deal, könnten auch die Aktionäre finanziell belohnt werden.
Kühne will Vertreter in Lufthansa-Aufsichtsrat entsenden
Bislang hielt sich Kühne als Lufthansa-Aktionär in der Öffentlichkeit zurück, was strategische Entscheidungen anbelangt. Nun fordert der Milliardär mehr Einfluss: Einen Sitz im Aufsichtsrat würde der Großaktionär annehmen und eine geeignete Persönlichkeit benennen, hieß es. Genug Gesprächsbedarf gäbe es: Das Unternehmen steht aktuell vor großen Problemen, für negative Schlagzeilen sorgt derzeit das Chaos an den deutschen Flughäfen – in Frankfurt fliegt derzeit nur jeder vierte Lufthansaflug pünktlich ab.
In der Kritik steht dabei vor allem die Personalpolitik der Airline: Der MDax-Konzern hatte während der Corona-Pandemie massiv Personal entlassen – Personal, das gerade jetzt in der Urlaubssaison dringend gebraucht wird. Auf der gestrigen Aufsichtsratssitzung des Konzerns warfen Personalvertreter unter anderem von Lufthansa, Lufthansa Cargo, City Line und Germanwings der Konzernführung „Fehlentscheidungen“ vor, vor allem hinsichtlich Kürzungen und Kündigungen.
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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.
