M&A-Deals: OpenAI, Ravensburger, Rothschild

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OpenAI kauft das deutsche KI-Start-up Ona und hofft, von deren cloudbasierter Entwicklungsumgebung für KI-Agenten zu profitieren. Foto: ymgerman - stock.adobe.com
OpenAI kauft das deutsche KI-Start-up Ona und hofft, von deren cloudbasierter Entwicklungsumgebung für KI-Agenten zu profitieren. Foto: ymgerman - stock.adobe.com

OpenAI kauft deutsches KI-Start-Up Ona

Das deutsche KI-Start-up Ona wird Teil von OpenAI und soll in das Codex-Team der Kalifornier integriert werden. Ona bietet cloudbasierte Entwicklungsumgebungen für KI-Agenten im Unternehmenseinsatz an. Einen Kaufpreis nannten die Parteien nicht. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Bis zum Vollzug bleiben beide Unternehmen eigenständig.

Ona bringt technologische Bausteine mit, die OpenAI im Wettbewerb um Enterprise-Kunden stärken sollen: cloud-native Umgebungen, in denen KI-Agenten innerhalb der Infrastruktur von Unternehmenskunden arbeiten, inklusive Zugriffssteuerung, Audit-Protokollen und Sicherheitsmechanismen. Die wöchentlichen Agenten-Sessions auf der Plattform seien seit Jahresbeginn um das 13-Fache gewachsen, schreibt das Unternehmen. Zu den Kunden zählen nach eigenen Angaben eine der ältesten Banken der USA, ein europäisches Pharmaunternehmen und ein asiatischer Staatsfonds.

CEO und Co-Gründer Johannes Landgraf erläutert in einem Blogpost die strategische Logik: „OpenAI bringt Frontier-Intelligenz, Produktreife und eine Verbreitung, die wir allein nie erreicht hätten.“ Gemeinsam wolle man Unternehmen dabei helfen, KI-gestützte Workflows über einzelne Endgeräte hinaus in sichere Cloud-Umgebungen zu verlagern.

Ravensburger schnappt sich Mehrheit bei Steiff

Ravensburger übernimmt die Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff. Verkäufer ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, hinter der die Erben der Firmengründerin Margarete Steiff stehen. Die Familie bleibt dabei wesentlich an dem Unternehmen beteiligt. Einen Kaufpreis nennen beide Seiten nicht.

Für Ravensburger ist der Zukauf eine Portfolioerweiterung um einen der bekanntesten Namen im deutschen Spielwarenmarkt. Beide Unternehmen wurden in den 1880er-Jahren gegründet und stammen aus Baden-Württemberg. Ravensburger-Chef Clemens Maier sieht in Steiff eine Markenverwandtschaft zu den eigenen Produkten und erhofft sich Synergien sowie Zugang zu internationalen Wachstumspotentialen der Steiff-Marke.

Steiff bleibt eigenständig und hält seinen Standort in Giengen an der Brenz. Für die Verkäuferfamilie waren Eigenständigkeit und Standortsicherung zentrale Bedingungen. Beide Parteien rechnen mit der kartellrechtlichen Genehmigung innerhalb der üblichen Prüfungsfristen. Die Kanzlei Noerr agierte während des Deals aufseiten von Steiff.

Rothschild & Co kauft Hamburger Family Office von Warburg

Die Warburg Bank trennt sich von Marcard, Stein & Co, einem Hamburger Multi-Family-Office mit Vollbanklizenz. Käufer ist Rothschild & Co. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Name Marcard, Stein & Co. soll unter dem neuen Eigentümer erhalten bleiben.

Warburg begründet den Verkauf mit einer strategischen Neuausrichtung: Das Institut will sich künftig auf Private Banking sowie Corporate Banking konzentrieren und zieht sich aus Bereichen zurück, die aus eigener Sicht zu hohe regulatorische und kapitalmarktbezogene Anforderungen mit sich bringen. Rothschild nutzt die Transaktion, um sein Portfolio im deutschsprachigen Wealth-Management-Markt auszubauen.

Für Marcard bedeutet der Eigentümerwechsel Zugang zu einem internationalen Netzwerk, bei gleichzeitiger Kontinuität im Tagesgeschäft. Das Family Office berät vermögende Privatkunden und Unternehmerfamilien und verfügt neben dem klassischen Family-Office-Angebot über eine vollständige Banklizenz. Freshfields beriet Marcard und die Verkäuferseite rechtlich. Noerr beriet Rothschild als Käufer.

Weitere M&A-Deals

Almato übernimmt sämtliche Anteile an Aristech, einem Heidelberger Anbieter KI-basierter Sprachtechnologien für den Kundenservice. Aristech wurde 2012 gegründet und gehörte Carolin Edler-Mende und Martin Mende. Almato aus Stuttgart spezialisiert sich auf KI-Anwendungen und intelligente Prozessautomatisierung. Die Transaktion stärkt das KI-Portfolio des Käufers um eine Sprachkomponente. Die Verkäufer wurden rechtlich von Friedrich Graf von Westphalen & Partner beraten.

The Nutriment Company aus Stockholm übernimmt die Marken Frostfutter Perleberg und Ebarf samt Online-Shops von K&K Petfood. Der schwedische Rohfutterhersteller baut damit seine Präsenz im deutschen Markt aus. The Nutriment Company ist laut eigenen Aussagen das führende Unternehmen natürlicher Premium-Tiernahrung in Europa. Grant Thornton in Deutschland beriet den Käufer bei der Due Diligence und zum Kaufvertrag.

Live.Team, Teil des globalen Sport- und Entertainmentunternehmens The.Team, übernimmt Sport Signage. Die Agentur aus Amberg ist unter anderem seit 2014 für die statische und digitale Streckenwerbung der Formel-1-Grand-Prix verantwortlich. Live.Team baut damit gezielt seine Motorsport-Kompetenzen aus, während Sport Signage Zugang zu internationalen Produktions- und Logistikstrukturen erhält. Baker Tilly beriet den Verkäufer.

Uzin Utz, ein Hersteller von Bodenverlegesystemen, hat den Bauprofilhersteller und Anbieter von Outdoor-Systemlösungen Alferproline übernommen. Mit der Akquisition des Unternehmens aus Boppard möchte Uzin Utz seine Marktposition in Deutschland sowie sein Angebot ausbauen. RSM Ebner Stolz beriet Uzin Utz bei der Transaktion.

Blick in den M&A-Markt

Japanische Unternehmen gehören zu den aktivsten Käufern im DACH-Markt. Durchschnittlich 50 Transaktionen zählt der Japan-DACH-Korridor pro Jahr. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Metzler Corporate Finance.

Gefragt sind Industrietechnik, Automatisierung und Software, also Fähigkeiten, die sich in bestehende japanische Plattformen integrieren lassen. Treiber dahinter sind der demografische Rückgang in Japan seit dem Bevölkerungshöchststand um 2008, der wachsende Innovationsdruck durch China und Südkorea sowie der Wunsch nach direktem Marktzugang über lokale Netzwerke.

Aber auch auf der Verkaufsseite sind japanische Unternehmen im DACH-Raum aktiv. Japanische Konzerne trennen sich demnach gezielt von europäischen Tochtergesellschaften, bei denen der strategische Fit schwächer geworden ist oder die zu viel Kapital und Managementaufmerksamkeit binden. Besonders aktiv ist diese Bereinigung in der Automobilzulieferbranche, wo Margendruck und fehlende Skalierbarkeit viele Beteiligungen unattraktiv gemacht haben.

Das Abstoßen von Randgeschäften ist dabei kein Krisenreflex mehr, sondern wird zunehmend als aktives Steuerungsinstrument eingesetzt. Für 2026 rechnet Metzler damit, dass diese Entwicklung an Breite gewinnt und auch größere Einheiten erfasst, die bislang als zu komplex für eine Trennung galten. Insgesamt erwartet die Bank stabile bis steigende Dealaktivität im Japan-DACH-Korridor.

M&A-Berater-News

Investec Advisory hat sich einen Managing Director vom Big-Four-Haus PwC geschnappt: Matthias Odrobina ist im Mai bei dem Wiesbadener Finanzberater als Geschäftsführer eingestiegen. In seiner neuen Rolle soll er den Ausbau des Geschäftsbereichs Industrial Tech & Services in Deutschland begleiten – ein Gebiet, in dem er zuletzt bei PwC tätig war. Auch in früheren Karrierestationen war Odrobina stets im M&A-Bereich aktiv, etwa beim Technologiekonzern Voith oder dem skandinavischen Beratungs- und Ingenieurdienstleistungsunternehmen Afry.

Deals in Verhandlung

Der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat gibt grünes Licht für die Abspaltung der Werkstoffhandelssparte TK Accelis. Der Bereich soll im Weg der Abspaltung als eigenständiges Unternehmen aufgestellt und an die Börse geführt werden. Die Pläne sehen vor, einen 49-prozentigen Minderheitsanteil an die Aktionärinnen und Aktionäre der thyssenkrupp AG im Verhältnis ihrer Beteiligung an der Thyssenkrupp AG zu übertragen und die Aktien an der Frankfurter Börse zu notieren.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen, die dem „Handelsblatt“ vorliegen, soll die Sparte als Kommanditgesellschaft auf Aktien strukturiert werden. Die Rechtsform soll Thyssenkrupp auch nach einem möglichen Börsengang oder dem Einstieg externer Investoren maßgeblichen Einfluss sichern. Weiter heißt es, dass mit einer Bewertung von rund zwei Milliarden Euro für das Geschäft gerechnet wird.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.