Die M&A-Berater und Investmentbanker leiden wegen der Coronakrise unter einer massiven Auftragsflaute.

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04.05.20
Banking & Berater

M&A-Berater leiden massiv unter Coronakrise

Massive Auftragsrückgänge für M&A-Berater und Investmentbanker in der Coronakrise. Und sie rechnen auch nicht damit, dass die Deals schnell zurückkommen – der Überblick.

Stillstand bei den deutschen M&A-Spezialisten: Das FINANCE M&A-Panel, eine Umfrage unter M&A-Beratern und Investmentbanken, die FINANCE zusammen mit der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland durchführt, zeigt dramatische Werte sowohl bei der aktuellen Auslastung als auch bei der Deal-Pipeline der M&A-Berater und Investmentbanker.

Auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 beziffert die Branche ihre aktuelle Auslastung im Schnitt mit einem Wert von minus 1,29 – der Wert 0 steht für ein durchschnittliches Projektaufkommen. Wie tief der Einbruch ist, zeigt der Vergleich mit der Auslastungsprognose aus der vorangegangenen Panel-Befragung im Herbst von 1,3. Und schon damals hatten die M&A-Berater wegen der konjunkturellen Abkühlung einen rückläufigen Auftragseingang budgetiert.

Mid- und Largecap-Berater sind am pessimistischsten

Nun haben die M&A-Professionals ihre Prognosen für die kommenden drei bis acht Monate drastisch gesenkt: Ihre erwartete Auslastung in diesem Zeitraum schätzen die M&A-Berater mit einem Wert von minus 1,30 ein. Damit dürfte sich die aktuelle Flaute mindestens bis weit ins zweite Halbjahr hinziehen. Merkliche Kapazitätsanpassungen auf Beraterseite dürften die Folge sein.

Die Krise trifft alle Beratergruppen gleichermaßen hart. Die Smallcap-Berater, die zu M&A-Deals mit einem Volumen von bis zu 40 Millionen Euro beraten, bewerten ihre aktuelle Auslastung mit einem Wert von minus 1,3, die Mid- und Largecap-Berater bei minus 1,25. Ihr künftiges Projektaufkommen schätzen die Smallcap-Berater dafür etwas optimistischer ein als die Mid- und Lagecap-Berater: Den Dealflow in den kommenden drei bis acht Monaten bewerten sie mit minus 1,2. Ihre Kollegen aus dem Mid- und Largecap-Segment zeigen sich mit minus 1,55 Punkten noch pessimistischer.

M&A-Aktivität bei Pharma und Healthcare gestiegen

„Das Ausmaß der Konsequenzen der Coronakrise für M&A-Beratungshäuser lässt sich nicht einfach vorhersagen“, ordnet Oliver Wolfgramm, Partner bei CMS, diese Zahlen ein. Zwei Faktoren dürften entscheiden sein: „Die Dauer der Krise und die bleibenden Unsicherheiten im Transaktionsmarkt.“

Zwei Beratergruppen dürften im Endeffekt aber etwas besser davonkommen als ihre Kollegen. Zum einen M&A-Berater mit dem Pharma/Healthcare-Fokus: In diesem Segment ist die M&A-Aktivität seit dem Ausbruch der Coronakrise sogar von 7,00 auf 7,47 Punkte angestiegen, schätzen die von FINANCE und CMS befragten M&A-Berater.

„Das Ausmaß der Coronakrise für M&A-Berater hängt von der Dauer der Krise und den bleibenden Unsicherheiten im M&A-Markt ab.“

Oliver Wolfgramm, Corporate Partner, CMS

Noch besser hält sich der Dealflow in der Branche Software/IT mit 7,76 Punkten. Zweitens dürften Berater für Distressed-M&A-Deals gut zu tun bekommen, meint Wolfgramm: „Es wird auch in dieser Krise Gelegenheiten für opportunistische Käufer geben.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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