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EY darf im Fall Wirecard nun aussagen

Die Frage zur Verschwiegensheitsverpflichtung ist geklärt: Zeugen von EY dürfen vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Fall Wirecard aussagen.
EY

Nun könnte wieder Bewegung in die Aufklärung des Wirecard-Skandals kommen: Die Wirtschaftsprüfer von EY dürfen nun vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum Fall Wirecard aussagen. Bislang hatten sich die Prüfer dagegen verweigert. Hintergrund war eine aus ihrer Sicht unklare Rechtslage. Prüfer unterliegen in Normalfall einer strikten Verschwiegenheitspflicht.

Diesen Unsicherheitsfaktor hat der Bundesgerichtshof nun ausgeräumt. Nachdem zwei Mitarbeitern von EY Ordnungsgelder aufgebrummt worden waren, weil sie sich weigerten vor dem Ausschuss auszusagen, hatte der Wirtschaftsprüfer Beschwerde eingereicht. Damit sollte ein höchstrichterlicher Beschluss in der Rechtsfrage erreicht werden.

Ordnungsgeld gegen EY-Mitarbeiter aufgehoben

Dieser ist nun erfolgt: Das Gericht hat klargestellt, dass eine Entbindung von der Schweigepflicht durch den Insolvenzverwalter ausreichend ist – und es auch bisher schon war. Dessen waren sich die Prüfer nicht sicher und hatten Bedenken, dass sie womöglich von früheren oder noch amtierenden Vorständen von ihrer Verschwiegenheitspflicht entbunden werden müssten.

Das Gericht hat auch eingeräumt, dass bislang eine höchstrichterliche Entscheidung zu dem Sachverhalt fehlte. Da zu der Rechtsfrage „insbesondere divergierende Entscheidungen vorliegen, ist dem Antragsteller sein Verhalten nicht vorwerfbar“, zitiert der „Spiegel“ aus der Begründung des Gerichts. Die je 1.000 Euro Ordnungsgeld, die zwei Vertretern von EY auferlegt wurden, hat das Gericht entsprechend aufgehoben.

EY will zur Aufklärung im Fall Wirecard beitragen

Das Big-Four-Haus begrüßt, dass der Gerichtshof nun Rechtssicherheit geschaffen hat, und will bei der Aufklärung des Skandals unterstützen. „Jeder vom Untersuchungsausschuss als Zeuge geladener EY-Mitarbeiter kann nun zur Abschlussprüfung bei Wirecard vor dem Untersuchungsausschuss aussagen“, betont EY.

Der Prüfer war wegen seiner Rolle in dem Skandal schwer unter Beschuss geraten und hatte auch einige Prüfmandate verloren. Für Unverständnis sorgte in der Öffentlichkeit, dass EY die Bilanzen von Wirecard seit über zehn Jahren prüfte, die Manipulationen aber erst im vergangenen Jahr feststellte.
 
Das Big-Four-Haus ist seitdem auch mit Anlegerklagen konfrontiert. Erst vor wenigen Wochen waren erste Details dazu durchgesickert, wie EY sich gegen die Vorwürfe verteidigen will. Auch die Verweigerung der Aussage unter Berufung auf Rechtsunsicherheit wurde kritisiert.

Ausschuss bekommt Zugriff auf EY-Dokumente

EY weist die Vorwürfe mangelnder Kooperation aber von sich: „Wir haben immer betont, dass wir zur Aufklärung der Sachverhalte im Fall Wirecard beitragen, dafür aber eine rechtssichere und wirksame Entbindung von unserer Verschwiegenheitsverpflichtung benötigen“, betont der Prüfer heute. Man habe die zuständigen Behörden und das Parlament von Beginn an bei den Ermittlungen unterstützt.

EY verweist darauf, dass das WP-Haus dem Untersuchungsausschuss bereits im Dezember umfangreiche Unterlagen zu dem Fall zur Verfügung gestellt hat, „mit Blick auf die ungeklärte Rechtsfrage allerdings versiegelt“. Nun habe man bereits Kontakt aufgenommen, um den Zugang zu diesen Dokumenten zu ermöglichen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Alles rund um den Bilanzskandal lesen Sie auf unserer Themenseite zu Wirecard. Über die aktuellen Entwicklungen in der Welt der Wirtschaftsprüfer halten wir Sie auf unserer Themenseite Big Four auf dem Laufenden.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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