Nach über 24 Jahren wechselt der Dax-Konzern Linde seinen Prüfer: KPMG muss gehen, neu an Bord kommt PwC.

Linde

23.01.20
Banking & Berater

PwC gewinnt Dax-Mandat Linde

Erfolg für PwC: Mit dem Gasekonzern Linde ergattert das Big-Four-Haus ein neues Prüfmandat im Dax-Segment. Bisher wird Linde seit 24 Jahren durchgehend von KPMG geprüft.

Der Gasekonzern Linde hat einen neuen Abschlussprüfer gefunden: Aller Voraussicht nach wird das Big-Four-Haus PwC ab dem Geschäftsjahr 2020 Prüfer des Dax-Unternehmens, wie FINANCE erfahren hat. Diesem Vorschlag muss zwar noch die Hauptversammlung im Juli zustimmen, das gilt aber nur noch als Formsache.

Bisheriger Wirtschaftsprüfer von Linde ist KPMG, die WP-Gesellschaft prüft das Unternehmen bereits seit 24 Jahren. Der Gasekonzern schrieb das Mandat nun aber wegen der gesetzlichen Abschlussprüferrotation neu aus. PwC hatte bei dem Pitch von vornherein gute Karten: Das Big-Four-Haus ist bereits Prüfer von Praxair, dem Unternehmen, mit dem Linde sich 2018 zusammenschloss. Unternehmen streben es häufig an, einen gemeinsamen Konzernprüfer zu haben, weil das die Zusammenarbeit vereinfacht. Künftig wird PwC nun also auch die bisherige Linde AG mit ihren weltweiten Tochtergesellschaften prüfen.

Für PwC ist Linde ein wichtiger Zugewinn, denn das Big-Four-Haus muss im Zuge der Prüferrotation viele namhafte Mandate im Dax-Segment abgeben: Weggefallen sind bereits Bayer (an Deloitte) und Covestro (an KPMG), ab 2020 und 2021 verliert PwC außerdem noch die Deutsche Telekom, E.on, Lufthansa, RWE und Volkswagen.

PwC mit vielen Zugewinnen im Dax

Diesen Abgängen – mit denen PwC teilweise auch recht hohe Honorare verliert – stehen aber auch einige namhafte Zugewinne im Dax gegenüber: So konnte sich das Haus bei der Allianz, BMW, Fresenius und Fresenius Medical Care, HeidelbergCement und Henkel gegen die Konkurrenten durchsetzen und das Abschlussprüfermandat gewinnen. „Wir gehen als Marktführer deutlich gestärkt aus der gesetzlich vorgeschriebenen Audit Rotation heraus“, kommentiert denn auch PwC-Deutschlandchef Ulrich Störk den Zugewinn von Linde.

In einigen Fällen waren die Pitches im Dax aber auch nicht von Erfolg gekrönt: So kam PwC von elf Dax-Ausschreibungen, an denen man teilgenommen hatte, bei fünfen nicht zum Zug – darunter etwa bei Siemens und der Deutschen Bank, die sich beide für EY entschieden.

Umso wichtiger sind solche Erfolge wie bei Linde, denn nur so kann PwC seine Position als größter Wirtschaftsprüfer in Deutschland verteidigen. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte das Haus mit einem Plus von über 4 Prozent rund 798 Millionen Euro im Audit um und lag damit klar vor der Nummer zwei KPMG (677 Millionen Euro Gesamtleistung).

Linde hat KPMG ein hohes Honorar gezahlt

Auch gemessen am Honorar, was das Unternehmen für seinen WP ausgibt, gehört Linde zum oberen Drittel im Dax: Seinem bisherigen Prüfer KPMG zahlte Linde 2018 48 Millionen Euro Honorar, davon 30 Millionen Euro für die Abschlussprüfung, 10 Millionen Euro für andere Bestätigungsleistungen und 8 Millionen Euro für Steuerberatungs- sowie sonstige Leistungen.

Allerdings war diese hohe Summe auch dem erhöhten Prüf- und Beratungsaufwand beim Zusammenschluss mit Praxair geschuldet, sodass PwC ab 2020 wieder weniger erhalten dürfte. Eine Orientierung gibt das Honorar aus 2017 vor dem Zusammenschluss, als Linde seinem Prüfer insgesamt 25 Millionen Euro zahlte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wer ergattert die besten Mandate, wer bekommt die höchsten Honorare? Mehr zu KPMG, Deloitte, PwC und EY lesen Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four.