PwC wächst weiter und bleibt die Nummer 1 in Deutschland. Nur im Beratungsgeschäft hat das Big-Four-Haus seine Spitzenposition verloren.

PwC

08.11.19
Banking & Berater

PwC nicht mehr Marktführer im Beratungsgeschäft

PwC legt weiter zu – doch die Wachstumsraten bleiben hinter denen der Big-Four-Konkurrenz zurück. Während PwC im Prüfungsgeschäft mit neuen Dax-Mandaten punktet, verliert das Haus seine Marktführerschaft in der Beratung.

PwC hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19 (Stichtag: 30. Juni 2019) vorgelegt – mit einer durchwachsenen Bilanz. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus ist im vergangenen Geschäftsjahr um 5,1 Prozent auf eine Gesamtleistung von 2,3 Milliarden Euro gewachsen. Die Gesamtleistung berücksichtigt im Gegensatz zum Umsatz auch die bis zum Bilanzstichtag erbrachten Leistungen aus noch nicht beendeten Projekten.

Damit liegt das Wachstum sogar noch leicht unter dem Vorjahreswert von 5,4 Prozent, welcher damals der niedrigste unter allen Big-Four-Häusern war. Auch in diesem Jahr könnte PwC wieder die geringste Wachstumsrate ausweisen: Deloitte wuchs im Geschäftsjahr 2018/19 um 17 Prozent auf eine Gesamtleistung von 1,7 Milliarden Euro. Der Wettbewerber EY, der nicht die Gesamtleistung, sondern nur den Umsatz ausweist, steigerte sich um 7,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. KPMG wird seine Zahlen erst im Dezember vorlegen.

PwC-Chef Störk: „Wollen Marktführerschaft verteidigen“

Ursprünglich hatte PwC für das Geschäftsjahr eigentlich einen Anstieg im hohen einstelligen Bereich prognostiziert. Ein Grund, warum das Big-Four-Haus dieses Ziel verfehlt hat: „Wir spüren langsam den konjunkturellen Abschwung. Projekte werden verschoben oder gestückelt“, erklärt Ulrich Störk, Deutschlandchef von PwC, bei der Vorlage der Jahreszahlen. Zudem hätten politische Ereignisse wie der Brexit oder der Handelsstreit in den USA bei vielen Unternehmen Unsicherheit geschürt. Allerdings gelten diese Rahmenbedingungen für alle – und die Big-Four-Konkurrenten haben ein höheres Wachstum realisiert.

Für das aktuelle Geschäftsjahr peilt Störk erneut ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich an. Das ist auch notwendig, denn die aktuelle Nummer 2 in Deutschland EY ist der Nummer 1 PwC inzwischen dicht auf den Fersen. „Wir wollen unsere Marktführerschaft weiterhin verteidigen“, betont Störk jedoch.

Beratung: Deloitte ist die neue Nummer 1

In einem Geschäftsbereich ist die Führungsposition aber bereits weg: PwC hat gemessen an der Gesamtleistung seine bisherige Marktführerschaft in der Unternehmensberatung an Deloitte verloren. Während PwC im Geschäftsjahr 2018/19 um 5,3 Prozent auf 903,8 Millionen Euro gewachsen ist, legte Deloitte um 19 Prozent auf 993 Millionen Euro zu – und setzte sich damit in Deutschland damit klar auf die Nummer-1-Position.

Das verhältnismäßig niedrige Wachstum von PwC überrascht auch deshalb, weil das Beratungsgeschäft aktuell eigentlich der Wachstumsmotor bei den Big-Four-Häusern ist. PwC-Chef Störk zeigt sich dennoch zufrieden: „Wir wollen in der Beratung vor allem profitabel wachsen und verzichten dafür zum Beispiel auf das margenschwache Implementierungsgeschäft.“ Als Beispiel nennt er die Beratung zur neuen ERP-Software SAP S/4 Hana, auf die viele Konzerne aktuell umstellen: Dort berate PwC zum Aussteuern der Projekte, aber mache keine Programmierung oder Anpassung der Schnittstellen.

Die Stärke von PwC sieht der Deutschlandchef woanders: „Mit Strategy& ist PwC die einzige Big Four mit echter Strategiekompetenz“, findet er. Die Strategieberatung hatte PwC vor rund drei Jahren gekauft, damals noch unter dem Namen Booz & Company. Strategy& hat zuletzt 218 Millionen Euro zur Gesamtleistung beigetragen und ist damit etwa auf dem Niveau des Beratungsgeschäfts gewachsen.

Doch ungeachtet des vergleichsweise niedrigen Topline-Wachstums hat PwC im vergangenen Jahr auch prestigeträchtige Beratungsmandate gewonnen. Das Big-Four-Haus beriet etwa beim Verkauf der Tiergesundheitssparte von Bayer oder bei der Integration der Postbank in die Deutsche Bank. Darüber hinaus sei vor allem die Beratung zur digitalen Transformation ein wichtiger Wachstumstreiber gewesen. 

PwC profitiert von neuen Dax-Mandaten

PwC setzt inzwischen in der Unternehmensberatung deutlich mehr um als mit dem traditionellen Geschäft der Wirtschaftsprüfung. Dort konnte das Haus um 4,1 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent) auf 798,1 Millionen Euro zulegen. Hierbei profitierte PwC schon von einigen neuen Mandaten wie der Allianz und BMW, die der Wirtschaftsprüfer im Zuge der gesetzlichen Abschlussprüferrotation gewonnen hat.

In den nächsten Jahren werden noch die Honorare weiterer Großmandate aus dem Dax hinzukommen: von 2020 an prüft PwC auch Fresenius und Fresenius Medical Care, HeidelbergCement und Henkel. Zudem nehme man auch an der Ausschreibung von Continental, Linde und der Deutschen Börse teil und sei, so Störk, „zuversichtlich“. 

Weitere Dax-Mandate würden PwC guttun, muss die Nummer 1 in der Wirtschaftsprüfung im Zuge der Rotation mit Bayer, Covestro, der Deutschen Post, der Deutschen Telekom, Eon, Lufthansa, RWE und Volkswagen doch auch große Prüfkunden abgeben oder hat sie zum Teil sogar bereits an Wettbewerber abgetreten. Zudem ist nicht jeder Pitch von Erfolg gekrönt: So kam PwC von elf Dax-Ausschreibungen, an denen das WP-Haus teilgenommen hat, bei fünfen nicht zum Zug – zum Beispiel bei Siemens und der Deutschen Bank, die beide an EY gingen. 

PwC wächst bei Tax & Legal moderat

Auch im Prüfgeschäft wächst der Druck auf PwC: Das Haus ist gezwungen, dort weiter zuzulegen, um nicht auch noch die Position als WP-Marktführer unter den Big Four zu verlieren: Denn während PwC dort in den vergangenen Jahren lediglich im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich wuchs, legte die Konkurrenz stärker, teils sogar zweistellig zu – wenn auch von einem niedrigeren Niveau aus.

Die PwC-Geschäftszahlen im Überblick

Umsatz

Im Geschäftsjahr 2018/2019 hat PwC eine Gesamtleistung von insgesamt 2,3 Milliarden Euro (+5,1%) erwirtschaftet.

Beratung

Die Unternehmensberatung trug 903,8 Millionen Euro (+5,3%) zur Gesamtleistung bei.

Tax & Legal

Mit der Steuer- und Rechtsberatung hat PwC 565,5 Millionen Euro (+4,5%) umgesetzt.

Prüfung

Die Wirtschaftsprüfung trug insgesamt 798,1 Millionen Euro (+4,1%) zum Umsatz bei.

Auch das dritte Geschäftsfeld – die Steuer- und Rechtsberatung – hat sich bei PwC nur moderat entwickelt. Dort legte PwC um 4,5 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent) auf 565,5 Millionen Euro zu. Ein neues Mandat ist beispielsweise die Steuerberatung beim Dax-Konzern Continental. Treiber waren spezialisierte Beratungsleistungen im Bereich Verrechnungspreise, M&A sowie im Zusammenhang mit der US-Steuerreform.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wer gewinnt die lukrativsten Mandate, wessen Geschäft wächst am stärksten? Wie sich PwC, Deloitte, KPMG und EY entwickeln, können Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nachlesen.