Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Banking & Berater Wirtschaftsprüfer Wirecard: Anlegerschützer drohen EY mit Klagewelle

Wirecard: Anlegerschützer drohen EY mit Klagewelle

Anlegerschützer drohen EY im Wirecard-Skandal mit einer Klagewelle.
picture alliance/Flashpic/Jens Krick

Kritische Frage der Aufsichtsbehörden, Mandatsverluste und der Zorn von Zehntausenden geschädigten Anlegern: Im Abwärtssog des Wirecard-Skandals steht Wirtschaftsprüfer EY inzwischen mit dem Rücken zur Wand. Nächster Schritt der Negativspirale: Nun drohen Anlegerschützer dem Big-Four-Haus mit einer Klagewelle, sollte EY sich nicht außergerichtlich mit den geschädigten Anlegern einigen.

Die gebeutelten Anleger machen Schäden in Milliardenhöhe geltend, was EY bislang davon abgehalten hat, erkennbar auf die Klägeranwälte zuzugehen. Diese erhöhen nun aber den Druck. So hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesetz (DSW) gemeinsam mit weiteren europäischen Anlegervereinigungen eine Stiftung nach dem niederländischen Stichting-Modell ins Leben gerufen. Diese soll mit dem Wirtschaftsprüfer über Entschädigungen für die Anleger verhandeln und nach Möglichkeit einen Vergleich anstreben. Doch das Projekt ist zugleich auch eine Drohkulisse, schließlich bringen die Aktionärsvertreter mit der Gründung einer niederländischen Stiftung auch das Geschütz einer möglichen Sammelklage in Stellung.

DSW: EY soll „Blockadehaltung“ aufgeben

Dass das Stichting-Modell, möglichst viele Investoren zu bündeln, durchaus erfolgreich sein kann, haben in der Vergangenheit schon Kapitalanlagehaftungsfälle wie jener des Energiekonzerns Shell gezeigt. Dieser einigte sich mit einer derartigen Stiftung auf einen EU-weit geltenden Vergleich, was für den Beklagten deutlich effizienter und rechtssicherer ist, als in zahllosen EU-Mitgliedsstaaten Einzelverfahren auszufechten.

Die DSW-Vertreter Ulrich Hocker (Präsident) und Marc Tüngler (Hauptgeschäftsführer) betonen denn momentan auch noch die Einigungsmöglichkeiten, die das Stichting-Modell dem Anklageziel EY eröffnen würde. Jedoch fordern sie EYs neuen Deutschlandchef Henrik Ahlers auch unmissverständlich dazu auf, „die Blockadehaltung aufzugeben und sich an einer Lösung zu beteiligen, bevor es dafür zu spät ist“.

Wambach-Bericht sieht Versäumnisse bei EY

Sollte EY nicht einlenken, drohen dem Big-Four-Haus Klagen – nicht nur von den Anlegern, sondern auch von Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Der Gang vor Gericht beinhaltet für EY große Risiken, insbesondere seitdem der „Wambach-Bericht“ für den Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags für EY wenig erfreulich ausfiel.

Sollten Richter zu der Auffassung gelangen, dass sich EY bei der Bilanzprüfung von Wirecard mehr als nur fahrlässig verhalten hat, würde die für diesen Fall gesetzlich festgelegte Haftungsgrenze nicht mehr gelten. Diese liegt aktuell bei 4 Millionen Euro pro betroffenem Jahr und soll bald auf 20 Millionen Euro steigen. Im besten Fall könnte EY mit einer Strafe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich davon kommen, aber das Risiko ist nach oben offen.

Nicht nur die DSW will Geld von EY

Die DSW behauptet, dass es Eingaben von Geschädigten „in mittlerer fünfstelliger Höhe“ gebe. Der Schaden, den diese Personen erlitten haben, liege in Milliardenhöhe. Nach Ansicht der Anlegerschützer würde ein solcher Betrag wohl über das Haftungsvermögen von EY in Deutschland hinausgehen.

Die DSW arbeitet mit den Kanzleien Nieding+Barth aus Frankfurt und AKD Benelux Lawyers aus Amsterdam zusammen. Daneben haben aber auch andere Kanzleien angekündigt, für Wirecard-Geschädigte gegen EY juristisch vorzugehen, etwa die Kanzleien Schirp und Tilp. Im Januar tauchten Dokumente auf, die Hinweise auf die geplante Verteidigungsstrategie von EY gaben.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den Skandal beim Zahlungsdienstleister lesen Sie auf unserer Themenseite zu Wirecard.

+ posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

Unternehmen
Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden