Soll offenbar nach eineinhalb Jahren im Vorstand gehen: Bahn-CFO Alexander Doll.

Deutsche Bahn

15.11.19
CFO

Bahn-CFO Alexander Doll soll gehen

Nach der Gnadenfrist kommt jetzt offenbar doch das Ende: Deutsche-Bahn-CFO Alexander Doll soll kurz vor dem Abgang stehen. Ihm liegt offenbar ein unterschriftsreifer Aufhebungsvertrag vor.

CFO Alexander Doll steht offenbar kurz vor dem Abgang bei der Deutschen Bahn: Nach Informationen der Nachrichtenagentur „dpa“ soll er heute einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben. Das „Manager-Magazin“ hingegen berichtet, dass Doll ein solches Papier lediglich vorliege, er aber noch nicht unterschrieben habe. Die Entscheidung fällt wohl spätestens am Montag, wenn der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen wird. Danach dürfte Dolls Abgang besiegelt sein.

Dem Vernehmen nach erhielte der Ex-Investmentbanker eine Abfindung in siebenstelliger Höhe. Wer seine CFO-Nachfolge antritt, ist noch nicht bekannt. Als Nachfolgerin wird unter anderem die KfW-Bankerin Ingrid Hengster gehandelt. Auf eine FINANCE-Anfrage zu der Meldung verwies ein Unternehmenssprecher lediglich auf die Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag: „Bis dahin kommentiert die Deutsche Bahn die Berichte in keiner Weise.“

Dolls Abgang wäre ein Sieg für Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla: Verschiedenen Medienberichten zufolge verfolgen beide gemeinsam mit dem Bund eine Trennung von Doll, der sich vergangene Woche noch erfolgreich gegen seine Abberufung gewehrt hatte. Doll kam im April 2018 zur Bahn, zunächst als Chef der Cargo-Sparte. Im Januar dieses Jahres wurde er dann zusätzlich auch noch Finanzvorstand.

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Alexander Doll, Deutsche Bahn AG

Alexander Doll entwickelt sich auf einem untypischen Weg in den Finanzbereich: Nach dem Abitur studiert er Philosophie und Biologie. Darauf folgen eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein betriebswirtschaftliches Studium, das er mit einem MBA in Atlanta abschließt. Nebenbei arbeitete er als Kofferboy und Komparse an der Oper.

Nach dem Berufsstart bei Lehman Brothers in New York arbeitet Alexander Doll von 2001 an acht Jahre lang als Managing Director bei der Schweizer UBS. 2009 wechselt er zur Investmentbank Lazard, für die er die nächsten Jahre weltweit die Bereiche Transport und Logistik leitet. 2013 wird Doll Chef des Deutschlandgeschäfts der britischen Großbank Barclays. Nach fünf Jahren in dieser Position folgt im April 2018 der Wechsel zur Deutschen Bahn, wo er für die Bereiche Güterverkehr und Logistik verantwortlich zeichnet. Im Januar 2019 übernimmt er zusätzlich die Position des CFOs. Im November 2019 wird öffentlich, dass Doll die Deutsche Bahn zum Ende des Jahres verlassen wird. Wohin es ihn zieht, ist nicht bekannt.

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Arriva-Verkauf wurde zum Machtkampf

Zum Verhängnis wurde Doll offensichtlich der – vermutlich gescheiterte – Verkaufsprozess der Bahn-Tochter Arriva. Eine Veräußerung wäre dringend nötig gewesen angesichts eines Schuldenbergs von 19 Milliarden Euro und hoher Investitionen, die auf die Bahn zukommen. Die Bahn hatte auf einen Erlös von 4 Milliarden Euro gehofft, dem Vernehmen nach sollen die Kaufinteressenten aber nur die Hälfte davon geboten haben.

Während die Kritiker Doll schlechte Arbeit beim Management des M&A-Prozesses und eine intransparente Kommunikationspolitik vorwerfen, gibt es auch eine andere Lesart, der sich der „Spiegel“ heute ausführlich angeschlossen hat. Demnach soll Doll bei der Due Diligence vor dem Start des Verkaufsprozesses große Löcher aufgedeckt haben – etwa im Pensionsbereich –, die sein Vorgänger Lutz nicht offengelegt habe. Das Gleiche gilt für dubiose Beraterverträge mit Ex-Managern der Bahn. Der Streit um die Verantwortung für diese Hiobsbotschaften entwickelte sich zum Machtkampf, der Doll nun voraussichtlich seinen Job kosten wird.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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