Bosch-Eigengewächs Stefan Asenkerschbaumer gibt seinen CFO-Posten ab und wechselt in den Aufsichtsrat.
25.06.21
CFO

Zeitenwende bei Bosch

Staffelstabübergabe bei Bosch: Der Konzern baut seine Führungsetage um. Auch Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer räumt seinen Platz. Sein Nachfolger wechselt intern auf den CFO-Posten.

Der Industriekonzern Bosch baut seine Führungsetage erheblich um. In diesem Zuge verabschieden sich CFO Stefan Asenkerschbaumer und CEO Volkmar Denner aus der Geschäftsführung. Nachdem am Dienstag mehrere Medien bereits über den Wechsel an der Führungsspitze spekuliert hatten, bestätigte der Konzern nun die Gerüchte.

Der CFO- und CEO-Wechsel sowie weitere Personalrochaden gelten ab 2022. Mit den Besetzungen sieht sich Bosch „gut aufgestellt, um das Unternehmen im Geist seines Gründers Robert Bosch kraftvoll und erfolgreich weiterentwickeln zu können“, wie es in einer Mitteilung heißt. Robert Bosch ist zwar 1942 verstorben, sein Testament prägt aber noch immer das Handeln des Konzerns.

CFO Asenkerschbaumer wechselt in den Aufsichtsrat

CFO Asenkerschbaumer wird nun Anfang 2022 als Chef in den Aufsichtsrat wechseln und löst in dieser Rolle Franz Fehrenbach ab, der nach 47 Jahren Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand geht. Zudem wird der noch amtierende Finanzchef haftender Gesellschafter und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Robert Bosch Industrietreuhand KG, wo er bereits Kommanditist ist.

Mit dem Wechsel von Asenkerschbaumer aus dem operativen Geschäft ins Kontrollgremium geht in der Bosch-Finanzabteilung eine Ära zu Ende. Der 65-Jährige ist ein Eigengewächs des Technologiekonzerns: Er begann seine Karriere 1987 als kaufmännischer Trainee bei den Stuttgartern.

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Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer,

1987 steigt Asenkerschbaumer als Trainee bei Bosch ein. 1990 wird er zum Abteilungsleiter für Auftrags- und Lieferplanung ernannt, zwei Jahre darauf übernimmt er die Leitung der Abteilung Geschäftsbereichscontrolling. Von 1995 bis 1998 fungiert Asenkerschbaumer zunächst als kaufmännischer Werksleiter und als Werksleiter des Bosch-Standorts in Cardiff (Wales). Anschließend wird er Geschäftsleiter für kaufmännische Aufgaben und außerdem Arbeitsdirektor im Geschäftsbereich Mobile Communications/Car Multimedia.

Ab dem Jahr 2002 leitet Asenkerschbaumer die Zentralabteilung Controlling, Planung und M&A, bevor er im Jahr 2006 Vorsitzender des Bereichsvorstands für Starter und Generatoren wird. Seit 2010 ist Asenkerschbaumer Mitglied der Geschäftsführung und CFO der Robert Bosch GmbH. Im Juni 2021 wird bekannt, dass Asenkerschbaumer das Finanzressort ab 2022 an Markus Forschner übergeben wird. Er wechselt dafür als Chef in den Aufsichtsrat.

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Seitdem hatte er verschiedene Führungspositionen inne. Er leitete etwa das konzernweite Controlling und war Vorsitzender des Bereichsvorstands für das Segment „Starter und Generatoren“. 2010 wurde er dann zum CFO des Bosch-Konzerns befördert. Seit 2013 agiert der gebürtige Bayer zudem als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung.

Eigengewächs Markus Forschner wird neuer CFO

Nachfolger des Bosch-Finanzurgesteins wird Markus Forschner, der seit 2015 die kaufmännischen Aufgaben der Antriebs- und Steuerungstechniktochter Bosch Rexroth leitet. Auch er ist ein Eigengewächs des Konzerns und stieg 1996 als Management-Trainee bei Bosch ein. Zusätzlich wird der 54-Jährige auch Christian Fischer als Chief Performance Officer der Bosch-Gruppe ablösen.

Asenkerschbaumer hinterlässt seinem Nachfolger ein solides Feld. Nachdem der Industrieriese zu Beginn der Corona-Pandemie seine Produktion auf breiter Front zurückfahren musste und die Umsätze fielen, sicherte CFO Asenkerschbaumer dem Konzern durch einen Jumbo-Schuldschein Liquidität.

Insgesamt sammelte der Konzern im Juni vergangenen Jahres bei Investoren 2 Milliarden Euro ein – und war damit einer der Eisbrecher am Schuldscheinmarkt im durch die Pandemie geprägten Jahr 2020. Zudem war es laut Bosch der größte Schuldschein der Unternehmensgeschichte. Wenige Wochen vorher hatte Asenkerschbaumer mit seinem Team eine syndizierte Kreditlinie über 3 Milliarden Euro begeben, die aber nicht gezogen ist derzeit.

Vor allem mit der Schuldschein-Transaktion konnte Bosch seine Liquiditätsreserven um 4,4 Milliarden Euro auf 9 Milliarden Euro auffüllen. Der Umsatz fiel 2020 jedoch um 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro. Auch der operative Gewinn (Ebit) schrumpfte infolge der Pandemie um ein Drittel auf 2 Milliarden Euro.

Bosch bekommt neuen CEO

Die Veränderung auf der CFO-Position ist jedoch nur Teil eines großen Umbaus im Management des traditionsreichen Bosch-Konzerns: CEO Volkmar Denner wird nach fast 36 Jahren Betriebszugehörigkeit das Unternehmen verlassen. Er galt eigentlich als heißer Favorit auf den Posten als Aufsichtsratschef, den nun CFO Asenkerschbaumer einnimmt. Denner will für Bosch aber weiterhin als wissenschaftlicher Berater für das Forschungsgebiet der Quantentechnologie zur Verfügung stehen. Neuer Bosch-Chef wird indes Stefan Hartung, der seit 17 Jahren bei den Stuttgartern ist und seit 2019 den Bereich Mobility Solutions leitet.

Darüber hinaus verkündete der Konzern noch weitere Personalmeldungen. Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung wird Christian Fischer, der seit 2018 in der Bosch-Geschäftsführung ist. Den Vorsitz des Unternehmensbereichs Mobility Solutions übernimmt Markus Heyn, der unter anderem den Bereich Automotive Aftermarket und Connected Mobility Solutions leitet.

Bosch hatte zuletzt das Ziel der weltweiten Klimaneutralität erreicht. Jetzt steht vor allem Digitalisierung auf der Agenda der neuen Führungsmannschaft, heißt es seitens des Konzerns. Treasury-Chef Christian Zeidler hatte jüngst gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer durchblicken lassen, dass Bosch sich durchaus auch grüne Finanzierungen vorstellen kann (hier als E-Paper erhältlich). Akuter Finanzierungsbedarf bestehe derzeit aber nicht.


sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über die bisherige Karriere von Noch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.