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Krones bekommt eine neue Finanzchefin

CFO Norbert Broger übergibt die Zügel an seine Nachfolgerin Uta Anders. Foto: Krones
CFO Norbert Broger übergibt die Zügel an seine Nachfolgerin Uta Anders. Foto: Krones

Krones regelt die Nachfolge seines Finanzvorstands: Wie der SDax-Konzern am heutigen Donnerstag bekannt gab, wird CFO Norbert Broger das Unternehmen zum Ende dieses Jahres verlassen. Seine Nachfolgerin steht bereits fest. Die jetzige Head of Controlling, Accounting und Taxes Uta Anders wird Broger ab Januar 2023 auf der Position des Finanzvorstands beerben.

CFO Norbert Broger kam 2020 als alter Bekannter zu Krones

Broger verlässt den Hersteller von Verpackungs- und Abfüllmaschinen aus dem bayrischen Neutraubling auf eigenen Wunsch. Er kam Anfang 2020 zu Krones, um die Nachfolge des im Juli 2019 abrupt ausgeschiedenen Michael Andersen anzutreten. Andersen trat Anfang 2016 als CFO bei den Neutraublingern an, hat im Sommer 2019 aber nach einer Gewinnwarnung das Unternehmen verlassen.

In den Monaten zwischen Andersens Weggang und Brogers Anstellung übernahm Krones-CEO Christoph Klenk den Job des Finanzvorstandes interimistisch. Kein unbekanntes Terrain für Klenk: Er selbst war von 2012 bis 2015 in der Position des CFOs für Krones tätig, ehe er Anfang 2016 zum Vorstandsvorsitzenden aufstieg.

Auch für den scheidenden CFO Broger war Krones beim Amtsantritt kein völlig unbekanntes Unternehmen: Bevor er die Position des CFOs antrat, war er bereits zwischen 2006 und 2012 bei Krones tätig, damals als Zentralbereichsleiter für Controlling, Risikomanagement und die strategische Unternehmensentwicklung. Zusammengerechnet blickt Broger auf mehr als neun Jahre bei Krones zurück. Zu seinen weiteren Karrierestationen zählt der Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer (später: Schaeffler), wo er verschiedene Führungspositionen innehatte, sowie der Pressen- und Werkzeughersteller Schuler, wo er von 2013 bis 2019 Finanzvorstand war.

Norbert Broger leitete Restrukturierung bei Krones

Von Schuler zog es Norbert Broger dann zu Krones – just zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen weitere Sparmaßnahmen beschlossen hatte. Nachdem der Anlagenbauer im Sommer 2019 eine Gewinnwarnung herausgeben musste, weil sich der Jahresgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) drastisch verschlechtert hatte, leitete er weitere „strukturelle Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Ertragskraft“ ein.

So wurden unter anderem 2019 und 2020 an den deutschen Produktionsstandorten 500 Stellen gestrichen, im Ausland waren bis Ende 2020 etwa 200 Stellen betroffen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr baute das Unternehmen nochmal 433 Stellen weltweit ab, mittlerweile ist der Stellenabbau abgeschlossen.

Teil der Restrukturierung – eine von Brogers Hauptaufgaben in den vergangenen Jahren bei Krones – war es auch, den negativen Free Cashflow wieder ins Positive zu hieven. Das ist dem Unternehmen gelungen, wie die ebenfalls heute veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen: Den negativen Free Cashflow aus 2019 von 94,4 Millionen Euro konnte der CFO in ein Plus von 203,3 Millionen Euro in 2021 drehen. Das liegt allerdings leicht unter dem Wert von 2020.

Auch das Ebitda hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt auf 312,6 Millionen Euro, der Umsatz wuchs in dieser Zeit um etwas mehr als 9 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich steht zudem auch wieder ein positives Vorsteuerergebnis (Ebit) von knapp 171 Millionen Euro, nach einem Minus von fast 41 Millionen Euro im Vorjahr. Krones beschäftigt mehr als 16.000 Mitarbeiter weltweit – fast 10.000 davon alleine in Deutschland.

Uta Anders war 20 Jahre bei Thyssenkrupp

Mit diesen guten Zahlen wird CFO Broger seiner Nachfolgerin Uta Anders wohl ein bestelltes Feld hinterlassen – auf diesem darf sie sich jedoch nicht ausruhen. Denn wie der SDax-Konzern mitteilte, hat das neue Geschäftsjahr zwar mit einem hohen Auftragsbestand begonnen, zudem erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 5 bis 8 Prozent. Doch: „Der Krieg in der Ukraine, Materialengpässe, Probleme in den weltweiten Lieferketten sowie hohe Inflationsraten in vielen Ländern“ haben Krones Geschäftstätigkeit zugesetzt, wie das Unternehmen in seiner Prognose für 2022 erwähnt.

Es sei daher derzeit nicht abzusehen, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickele und wie die Kriegsfolgen die globale Wirtschaft beeinflussten. Auch sei noch unsicher, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickele. Wenn Anders Anfang 2023 ihr Amt antritt, könnte die Welt schon wieder anders aussehen – doch sollten sich die Ereignisse negativ auf Krones‘ Geschäft auswirken, wird es eine ihrer Hauptaufgaben sein, den Anlagenbauer weiterhin auf Kurs zu halten.

Uta Anders kam im November 2020 zu Krones. Davor war sie für rund 20 Jahre beim Industriekonzern Thyssenkrupp tätig, zuletzt als Finanzchefin im Geschäftsbereich System Engineering. Anders war bereits zwischen 1997 und 2006 in verschiedenen Führungspositionen im In- und Ausland bei Thyssenkrupp beschäftigt. Nach einem dreijährigen Intermezzo als CFO bei Hellenic Shipyards in Athen kehrte Anders laut ihrem „LinkedIn“-Profil 2009 zu Thyssenkrupp zurück. Nach Angaben von Krones hat Anders in dieser Zeit „umfangreiche Erfahrungen im Maschinen- und Anlagenbau erworben“.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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