Abrupter Abgang: Lufthansa-CFO Ulrik Svensson

Lufthansa

06.04.20
CFO

Lufthansa-CFO Svensson tritt überraschend zurück

Paukenschlag bei der Kranich-Airline: Inmitten der Coronakrise muss sich die Lufthansa einen neuen Finanzchef suchen. CFO Ulrik Svensson hat völlig überraschend seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

Abschied von jetzt auf gleich: Lufthansa-CFO Ulrik Svensson hat am Wochenende völlig überraschend seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Laut Unternehmensmitteilung vom Samstag habe Ulrik Svensson den Vorsitzenden des Aufsichtsrats darüber informiert, dass er aufgrund gesundheitlicher Gründe gezwungen sei, sein Mandat am heutigen Montag niederzulegen. Nun arbeitet die Lufthansa mit Hochdruck an einer Nachfolgelösung.

„Svensson ist keiner, der so einfach hinwirft, erst recht nicht in einer Krise wie der aktuellen. Aber es geht ihm wirklich nicht gut“, zitiert das „Handelsblatt“ eine nicht namentlich genannte Quelle aus dem Umfeld des Schweden.

Der CFO hatte erst im vergangenen Jahr seinen Vertrag bis Ende 2022 verlängert. Allerdings gab es im Umfeld dieser Entscheidung bereits Gerüchte, dass Svensson eigentlich in seine Heimat zurückkehren möchte und dies eventuell schon Ende 2020 tun könnte. 

Ulrik Svensson war seit drei Jahren Lufthansa-CFO

Den Posten als Lufthansa-CFO übernahm Svensson Anfang 2017 und entlastete damals Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der nach dem Abgang der langjährigen Finanzchefin Simone Menne für einige Monate das Finanzressort mit übernommen hatte.

Die Lufthansa warb Svensson damals von dem schwedischen Finanzinvestor Melker Schörling ab, den der Manager elf Jahre lang als Vorstandschef geleitet hatte. Für die Fluggesellschaft war er kein Unbekannter: Vor seiner Zeit bei dem börsennotierten Finanzinvestor war Svensson CFO bei der Airline Swiss. In dieser Funktion sanierte er das Schweizer Unternehmen und bereitete es für den späteren Verkauf an die Lufthansa vor.

FINANCE-Köpfe

Ulrik Svensson, Deutsche Lufthansa AG

Nach seinem Abschluss an der Stockholm School of Economics fängt Ulrik Svensson bei Swedish Match im Jahr 1985 als Leiter Budget und Berichtswesen an, bis er 1989 zu dem britischen Bürobedarfshersteller Esselte in Stockholm wechselt. Dort ist er regionaler Controller und Geschäftsführer. Von 1992 bis 2000 ist Ulrik Svensson in den zur Stenbeck Gruppe gehörenden Telekommunikationsunternehmen Millicom und Société Européenne de Communication in Luxembourg tätig. Dort verantwortet Svensson die Bereiche  Controlling, Investor Relations, Steuern und Accounting.

Im Jahr 2000 kehrt Svensson zu Esselte zurück, diesmal allerdings nach Großbritannien. Dort ist er Finanzvorstand und zeitweise auch CEO des Unternehmens. Anschließend wechselt Ulrik Svensson 2003, ebenfalls als CFO, zu Swiss International Air Lines.

2006 wird Svensson CEO beim Finanzinvestor Melker Schörling. 10 Jahre lang arbeitet er für die Schweden, bis er im Januar 2017 zur Deutschen Lufthansa wechselt und dort Finanzvorstand wird. Im Mai 2017 wird Svensson neben seiner Tätigkeit als CFO in den Aufsichtsrat der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines gewählt. Im März 2019 gibt die Deutsche Lufthansa die vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bis zum 31. Dezember 2022 bekannt. Am 4. April gibt die Deutsche Lufthansa bekannt, dass Svensson zum 6. April 2020 aufgrund gesundheitlicher Probleme zurücktritt.

zum Profil

Auch bei der Lufthansa wollte man von Svenssons Branchenexpertise sowie seinen Sanierungs- und Optimierungsfähigkeiten profitieren. Zumindest an der Börse verhalf der Schwede dem Unternehmen zeitweise zu einem Höhenflug. Doch das Coronavirus beendete den Aufschwung. Inzwischen hat die Lufthansa nahezu ihre gesamte Flotte stillgelegt und rund zwei Drittel der weltweit 135.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Trotzdem fließen enorme Mengen an Liquidität aus dem Unternehmen. Das „Handelsblatt“ spekuliert, dass die Lufthansa bis Jahresende 9 bis 10 Milliarden Euro an Cash durchgebracht haben könnte.

Der tiefe Fall der Lufthansa-Aktie (Kurschart auf Jahressicht)

Lufthansa verhandelt über Staatshilfe

Dies wäre mehr als doppelt so viel wie die verfügbare Liquidität, die Svensson zu Beginn der Coronakrise inklusive Kreditlinien auf 5,1 Milliarden Euro bezifferte. Um die Liquidität zu erhöhen, hatte der dreifache Familienvater kurz darauf neue Kredite in Höhe von 600 Millionen Euro abgeschlossen. Svensson zeigte sich überzeugt, dass „die Lufthansa auch nach Corona noch fliegen und als Gewinner aus der Krise hervorgehen wird“.

Doch nur zwei Tage später senkte de Ratingagentur Moody’s ihr Rating für den Dax-Konzern von Baa3 auf Ba1 und entzog der Lufthansa damit ihr Investmentgrade-Rating. Und der Ratingausblick ist nach wie vor negativ. Aktuell verhandelt der Konzern mit Hochdruck über Staatshilfe, die neben Krediten selbst einen Direkteinstieg des Staates beinhalten könnte. Auch über eine milliardenschwere stille Beteiligung wird spekuliert. Auch mit den Regierungen der ausländischen Töchter in Österreich, Schweiz und Belgien wird verhandelt.

Einen neuen Großaktionär hat die Lufthansa schon gewonnen: Milliardär Heinz Hermann Thiele nutzte den Kurseinbruch und hat inzwischen eine Beteiligung von über 10 Prozent aufgebaut. Weil die Aktienmärkte heute auf Erholungskurs sind, macht auch die Lufthansa-Aktie trotz der beunruhigenden Personalmeldung einen Sprung nach oben. Am späten Vormittag liegt das Tagesplus bei über 5 Prozent, was die Aktie wieder über 8 Euro steigen lässt. Vor einem Jahr waren es noch über 22 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere des ausgeschiedenen Lufthansa-CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ulrik Svensson.
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