Die Lufthansa hat bald wieder einen Finanzchef: Remco Steenbergen übernimmt den Posten ab Januar 2021.

Lufthansa

11.11.20
CFO

Lufthansa macht Remco Steenbergen zum CFO

Das wohl turbulenteste Jahr überhaupt musste die Lufthansa seit dem Frühjahr ohne einen dedizierten CFO überstehen. 2021 soll das anders werden: Remco Steenbergen wird neuer Finanzchef. Seine Aufgaben werden gewaltig sein.

Die Lufthansa hat einen neuen CFO gefunden: Remco Steenbergen wird das Amt zum Jahresbeginn 2021 übernehmen. Das teilte die Fluggesellschaft am heutigen Mittwoch mit. Sein Vertrag läuft über drei Jahre. Mit seiner Berufung entlastet der Konzern Vorstandschef Carsten Spohr, der das Finanzressort zuletzt interimistisch verantwortet hat.

Ausgerechnet im Pandemie-Jahr 2020 hatte die Lufthansa viel Unruhe an der Spitze des Finanzressorts zu verzeichnen. Auf dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr war der damalige CFO Ulrik Svensson aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Der Konzern hatte damals entschieden, den Posten nicht neu zu besetzten, sondern stattdessen die Zuschnitte der Ressorts zu verändern und das Finanzressort zum Großteil an Digitalchef Thorsten Dirks zu übertragen.

Lufthansa schafft wieder eigenes Finanzressort

Doch die „interne Team-Lösung“, wie das Konstrukt von der Gesellschaft genannt wurde, hielt nicht lange. Nicht einmal drei Monate später wurde bekannt, dass Thorsten Dirks sich aus dem Vorstand verabschiedet. Seitdem suchte die Fluggesellschaft einen neuen CFO, Carsten Spohr hatte die Aufgaben zwischenzeitlich übernommen.

Die weiteren Aufgabenbereiche IT und Digitalisierung übernahm im Sommer Christina Foerster. Sie war zum Jahresbeginn in den Vorstand gestoßen und ist für die Bereiche Kundenbindung und Corporate Responsibilty verantwortlich.

Mit der Berufung von Remco Steenbergen schafft Lufthansa wieder ein eigenständiges Finanzressort. Der Niederländer wird die Bereiche Controlling und Risikomanagement, Corporate Finance, Rechnungswesen und Bilanzen, Steuern, Einkauf sowie Mergers & Acquisitions verantworten. Für den M&A-Bereich ist seit der Neuverteilung der Aufgaben Personalvorstand Michael Niggemann verantwortlich.

Remco Steenbergen kommt von Barry Callebaut

Steenbergen war zuletzt Finanzchef des Schweizer Schokoladenkonzerns Barry Callebaut. Er hatte den CFO-Posten bei dem börsennotieren Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt über 7 Milliarden Schweizer Franken im März 2018 übernommen. Barry Callebaut hat bereits einen Nachfolger präsentiert: Ben De Schryver, aktuell President der Region Asia Pacific und Mitglied des Executive Committee bei den Schweizern, wird ab Januar 2021 neuer Finanzchef.

Vor seiner Zeit bei dem Schokoladenhersteller war Remco Steenbergen viele Jahre für den Philips-Konzern tätig. Seine Karriere hatte er nicht in der Corporate-Welt, sondern bei KPMG begonnen. Der 52-Jährige arbeitete in seiner Karriere in vielen Ländern, etwa den Niederlanden, Großbritannien, Taiwan, Belgien, Irland, den USA und der Schweiz.

Die Corona-gebeutelte Lufthansa setzt nun auf seine Kapitalmarkterfahrung. „Gerade jetzt, in dieser schwierigen Pandemie mit ihren gravierenden Folgen für den Luftverkehr, ist ein international erfahrener und anerkannter CFO für die Lufthansa Group wichtiger denn je“, heißt es von Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. „Das gilt sowohl für die Bewältigung der aktuellen Krise als auch für die folgenden Jahre, in denen wir die staatlichen Stabilisierungsmittel zurückführen müssen und wollen.“

Mammutaufgabe für designierten Lufthansa-CFO

Steenbergen wird dabei eine Schlüsselrolle bei der Lufthansa zukommen. Er übernehme „in einer besonders herausfordernden Zeit eine große Verantwortung“, formuliert es CEO Spohr. Die Corona-Pandemie hat die Einnahmen der Airline zu einem erheblichen Teil versiegen lassen. Um sein Überleben zu sichern, hatte sich der Konzern im Sommer 9 Milliarden Euro Staatshilfe gesichert und drastische Maßnahmen zur Kosteneinsparung angekündigt. So sollen etwa 27.000 Jobs wegfallen.

Noch sind 6,3 Milliarden Euro der Hilfen nicht abgerufen, der Airline stehen derzeit rund 10 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung, wie die Lufthansa Anfang November bei der Verkündung der Quartalszahlen bekanntgab. Der Verlust lag im dritten Quartal bei 2 Milliarden Euro, in den bisherigen neun Monaten des Geschäftsjahres 2020 liegt das Minus sogar bei 5,6 Milliarden Euro.

Doch der Konzern konnte am gestrigen Dienstag auch eine Erfolgsmeldung verbuchen. Erstmals seit Abschluss der Staatshilfen hatte die Gesellschaft den Kapitalmarkt angezapft und eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro abgeschlossen. Sie dient der Refinanzierung bestehender Finanzverbindlichkeiten und staatlicher Stabilisierungspakete. Ursprünglich war ein geringeres Volumen geplant, die Konditionen konnten noch einmal verbessert werden. Der Kupon liegt nun bei 2 Prozent. Rückenwind hatte der Airline die Nachricht gegeben, dass die Pharmakonzerne Biontech und Pfizer gute Fortschritte bei der Corona-Impfstoffentwicklung verkündet haben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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