In unserer Reihe „CFO im Ausland“ stellen wir den nächsten Expat vor: Philipp Meyer, CFO einer chinesischen Trumpf-Tochter.

Trumpf

23.07.20
CFO

CFO in China: Philipp Meyer von Trumpf

Seit 2019 leitet Philipp Meyer die Finanzen bei der chinesischen Tochter des Maschinenbauers Trumpf. Handelskonflikt und Corona sind lange nicht die einzigen Herausforderungen unseres Expats aus der Reihe „CFO im Ausland“.

„In China zu arbeiten, ist wie eine Achterbahnfahrt – erst der Handelskonflikt und jetzt Corona.“ So beschreibt Philipp Meyer derzeit seine CFO-Tätigkeit für die Trumpf-Tochter JFY in Yangzhou. Der 34-Jährige ist seit 2019 für das Ditzinger Maschinenbauunternehmen mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz in China tätig. Die chinesische Tochter selbst setzt mit 630 Mitarbeitern knapp 80 Millionen Euro um.

Für den gebürtigen Bremer ist das nicht seine erste Station in China. „Ich konnte mir schon lange vorstellen, in Asien zu arbeiten.“ Von 2009 bis 2012 studierte er unter anderem in Shanghai BWL. 2016 stieg er dann bei Trumpf als Referent der Geschäftsführung in Ditzingen ein. Nach drei Jahren im deutschen Headquarter zog es ihn im Juli 2019 zurück nach China: In Shanghai angekommen, übernahm er zunächst die Leitung des chinesisches CEO-Büros und wechselte im April als Finanzchef zum Tochterunternehmen JFY. Es ist einer der größten Produktionsstandorte von Trumpf weltweit.

Erst Handelskonflikt – dann Corona

Doch der Start war nicht leicht: Gleich zu Beginn musste sich CFO Meyer erstmal mit dem Handelskonflikt zwischen China und den USA auseinandersetzen. „Zwar ist JFY nicht direkt vom Handelskrieg betroffen, da wir hauptsächlich Komponenten von lokalen Lieferanten nutzen. Trotzdem merkte man, dass die Kunden verunsichert sind und Investitionen hinauszögerten.“

Aber es wurde besser: „Mit dem Abschluss des US-chinesischen Phase-1-Abkommens entspannte sich Mitte Januar erstmals die Lage.“ Doch dann kam die nächste Herausforderung für Philipp Meyer – das Coronavirus, das nur wenige Wochen später in Wuhan ausbrach. „Mittlerweile hat sich die Nachfrage im chinesischen Maschinenbau wieder deutlich erholt, jedoch bleiben die Aussichten aufgrund des angespannten transpazifischen Verhältnisses und einer möglichen zweiten Welle sehr volatil.“ Über die Erfahrungen während des COVID-Lockdowns und die wirtschaftlichen Entwicklungen in China wird Meyer in der nächsten FINANCE-Printausgabe im September mehr erzählen.

JFY gehört Trumpf seit 2019 ganz

2019 war für Meyer nicht nur durch den Handelskonflikt ein sehr herausforderndes Jahr, auch JFY feierte eine Premiere: Nach sechs Jahren wurde das Unternehmen zur 100-prozentigen Trumpf-Tochter. Trumpf stieg zunächst 2013 mit einem Anteil von 70 Prozent bei den Chinesen ein. Die Akquisition gestaltete sich damals als schwierig. „Die Verhandlungen mit chinesischen Gesellschaftern und Kartellbehörden waren äußerst langwierig, konnten aber nach knapp drei Jahren dann zum Abschluss gebracht werden“, erzählt der CFO, der allerdings damals noch nicht bei Trumpf arbeitete.

„In China macht der Sprung auf 100 Prozent enorm viel aus.“

Philipp Meyer, CFO JFY

Bei dem Einstieg hielt sich Trumpf noch eine Hintertür, die Call-Option, offen. Diese durfte Trumpf dann nach fünf Jahren ziehen und die Restanteile übernehmen. Trumpf besitzt seit dem vergangenen Jahr 100 Prozent an JFY. „In China macht der Sprung auf 100 Prozent enorm viel aus. Man kann stärker durchgreifen, was Unternehmensstrategie und Portfolioplanung angeht und reduziert Abstimmungsaufwand mit den chinesischen Gesellschaftern. Dadurch gewinnt das Unternehmen an Geschwindigkeit“, berichtet Meyer. 

Philipp Meyer punktet mit Chinesisch

Dass Meyer für den CFO-Posten ausgewählt wurde, hat er unter anderem seinen Sprachkenntnissen zu verdanken. „Am Anfang war es ein bisschen schwierig, sich wieder an die chinesischen Finanzbegriffe zu erinnern, aber dann kommt man doch schnell wieder rein“, so der Finanzchef.

Die lokalen Sprachkenntnisse seien vor allem wichtig, um Veränderungen im Unternehmen anzustoßen und die Mitarbeiter bei diesem Prozess mitzunehmen. Aufgrund des starken Kostendrucks im chinesischen Maschinenbau seien konsequente Kosten- und Working-Capital-Optimierung enorm wichtig. „Wir haben daher im letzten Jahr viele Projekte zur Herstellkostenreduzierung und Standardisierung der Kostenrechnung aufgesetzt. Es ist beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit die chinesischen Kollegen die Dinge umsetzten.“

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

In unserer Reihe „CFO im Ausland“ begleitet FINANCE in loser Reihenfolge CFOs auf ihrem Karriereweg und zeigt, wie sie sich im Ausland behaupten, welchen Herausforderungen sie begegnen und wie ihre Rückkehr verläuft. Weitere spannende Storys lesen Sie auf unserer Themenseite CFO im Ausland.