Ingo Arnold ist seit Beginn des Jahres CFO von Freenet. Zuvor hat er bereits die Finanzierung des Mobilfunkers neu aufgestellt.

Freenet

05.02.19
CFO

Freenet-CFO Arnold: „IFRS 16 ist ein größeres Projekt“

Schon vor seinem Dienstantritt hat der neue Freenet-CFO Ingo Arnold die Finanzierung des Mobilfunkers neu geordnet. Jetzt wendet er sich dem Bilanzierungsstandard IFRS 16 zu, wie er im FINANCE-Interview erklärt.

Herr Arnold, seit wenigen Wochen sind Sie CFO des Telekommunikationskonzerns Freenet. Dabei sind Sie eigentlich im Treasury groß geworden, was nicht unbedingt als CFO-Sprungbrett gilt.
Ja, das stimmt. Als klassischer Treasurer hat man es schwerer, CFO zu werden – auch bei Freenet. Allerdings habe ich in meiner Karriere lange im Controlling gearbeitet und den Bereich bei Freenet die vergangenen zehn Jahre neben dem Treasury geleitet. Ich glaube daher, dass mich der Aufsichtsrat eher als Controller und weniger als Treasurer gesehen hat. 

Sie sind im Vorstand auch für Nachhaltigkeitsthemen (ESG) zuständig, nicht gerade ein klassisches CFO-Ressort. Wie kam es dazu?
Ich verantworte hier im Unternehmen seit zehn Jahren die Investorenkommunikation. Da Investoren oft fragen, wie nachhaltig wir arbeiten, begleiten mich ESG-Themen schon länger. Außerdem bin ich auch für den Geschäftsbericht von Freenet zuständig, in dem unser Nachhaltigkeitsbericht enthalten ist. Daher habe ich meinen Hut in den Ring geworfen, als das ESG-Thema verteilt wurde.

Freenet ist aber als Mobilfunker nicht zwingend im Verdacht, der Umwelt massiv zu schaden. 
Wir haben bei der Nachhaltigkeit in der Tat weniger Probleme als etwa Chemiekonzerne, allerdings können auch wir uns noch verbessern. Wir schauen uns zum Beispiel unsere Lieferketten an und versuchen uns hier möglichst gut aufzustellen, was Nachhaltigkeit betrifft. Wir haben dafür ESG-Kennzahlen entwickelt, an denen wir unsere Fortschritte ablesen können. Beispielsweise sind unsere CO2-Emissionen zwischen 2015 und 2017 um 15 Prozent gesunken.

„Der Aufsichtsrat sieht mich als Controller.“

Freenet-CFO Ingo Arnold mit Debüttransaktionen

Kommen wir zu klassischen CFO-Aufgaben: Ihre Debüttransaktion als Freenet-Finanzchef haben Sie schon abgewickelt, bevor Sie den Posten offiziell angetreten haben. Sie haben im Dezember einen neuen Konsortialkredit verhandelt und einen Schuldschein platziert. War das Ihr Highlight 2018?
Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, war die Akquisition des Anteils an dem Elektronikfachhändler Ceconomy die Kerntransaktion, an deren Finanzierung ich als Leiter Treasury mitgewirkt habe.

FINANCE-Köpfe

Ingo Arnold, Freenet AG

Ingo Arnold beginnt seine berufliche Laufbahn im Treasury des Konsumgüterherstellers Henkel, wo er mehr als zehn Jahre unterschiedliche Finanzfunktionen besetzt. Danach wechselt er für drei Jahre zu dem Energiekonzern Veba Oil & Gas, um dort das Treasury zu leiten.

Im Jahr 2001 verschlägt es Arnold in die Telekommunikationsbranche zum Mobilfunker Debitel, wo er eine leitende Position bekleidet. 2008 kauft Freenet den Wettbewerber Debitel vom Finanzinvestor Permira. Im Zuge des M&A-Deals steigt Arnold bei Freenet ein, zunächst als Leiter Controlling & Treasury, später übernimmt er die Führung der Ressorts Finance und Investor Relations. Im Januar 2019 tritt Arnold das Amt als Finanzvorstand von Freenet an.

zum Profil

Ceconomy entwickelt sich aber nicht wie gewünscht: Der Konzern hat im Herbst, kurz nachdem Freenet den Anteil gekauft hat, mehrere Gewinnwarnungen ausgegeben, worunter der Aktienkurs ziemlich leidet. Ist das wirklich Ihr Highlight?
Das Timing ist nicht gut gewesen, das stimmt. Aber wir bewerten die Investition nicht ausschließlich am Aktienkurs. Die Ceconomy-Tochter Media-Saturn ist ein wichtiger strategischer Vertriebspartner von Freenet, da wir im Mobilfunk sehr eng zusammenarbeiten. Wir wollen gegenüber Ceconomy zeigen, dass wir ein Partner sind und uns weitere Geschäfte vorstellen können. 

Was war die Herausforderung bei der Finanzierung des Anteilkaufs?
Wir mussten für die Finanzierung des Anteilkaufs innerhalb von fünf Tagen eine Brückenfinanzierung auf die Beine stellen. Im vierten Quartal haben wir uns dann um die Ausfinanzierung gekümmert. In diesem Zuge haben wir dann auch den syndizierten Kredit neu aufgesetzt und einen Schuldschein über 100 Millionen Euro emittiert. Mit dem Geld haben wir den Brückenkredit zurückgezahlt.

Waren die Transaktionen als CFO-Newcomer besonders schwierig?
Ich habe als Treasury-Chef schon diverse Finanzierungen von Freenet begleitet. Die jüngsten Transaktionen waren daher kein Neuland für mich. 

Ihr früherer Arbeitgeber Henkel hat vor kurzem einen „Green Loan“ aufgenommen, also einen grünen Konsortialkredit. Können Sie sich als CFO und ESG-Verantwortlicher auch für Freenet eine grüne Finanzierung vorstellen?
Wir sind jetzt erstmal ausfinanziert. Grundsätzlich ist eine grüne Finanzierung durchaus wünschenswert, aber wir müssten erst einmal prüfen, ob es für so eine Transaktion Interesse am Markt gibt.

IFRS 16 könnte Freenet-Ebitda verbessern

Wenn nicht die Finanzierung, was sind dann die Themen, die Sie als CFO momentan umtreiben?
Wir bilanzieren nach dem Bilanzierungsstandard IFRS. Die Einführung der neuen Bilanzierungsregel IFRS 16 ist definitiv ein größeres Projekt. Wir haben viele Shops, für die wir Ladenflächen mieten, und durch die neuen Vorgaben müssen wir die Leasing-Verhältnisse anders bilanzieren. Wir sind noch in der Evaluierung, aber wir gehen davon aus, dass sich unser Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um einen zweistelligen Millionenbetrag verbessern wird. 

Wegen IFRS 16 müssen Unternehmen ja ihre Leasingverbindlichkeiten, die sie bisher größtenteils im Anhang ausgewiesen haben, auf die Bilanz nehmen. Dadurch steigt bei vielen Firmen die Verschuldung an, zum Teil sogar um hunderte Millionen. Wie wird sich bei Ihnen die Verschuldung verändern?
Das ist natürlich ein richtiger Hinweis. Auch bei uns werden die Leasingverbindlichkeiten mit der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 ansteigen. Über die Höhe kann ich noch keine definitive Aussage tätigen. In diesem Zusammenhang möchte ich jedoch auch darauf hinweisen, dass wir in unseren Darlehensverträgen „frozen GAAP“ vereinbart haben, so dass die höheren Leasingverbindlichkeiten nicht zu einem höheren Anspannungsgrad führen werden.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere des neuen Freenet-CFOs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ingo Arnold. Viele spannende Gespräche mit Deutschlands Top-Finanzchefs finden Sie auf unserer Themenseite CFO-Interviews.