BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und Evonik-CEO Klaus Engel haben gut lachen: Mit 27 Millionen Euro steigt Evonik bei Borussia Dortmund ein.

dpa

17.07.14
CFO

BVB-CFO Thomas Treß: „Werden das Geld nicht verpulvern“

27 Millionen Euro hat Borussia Dortmund durch den Einstieg von Evonik kassiert. CFO Thomas Treß will noch mehr solcher Deals – und macht Fans und Investoren eine klare Ansage. Es geht um gewaltige Summen.

Dem Vorbild des FC Bayern folgend, haben Sie mit Evonik Ihren Hauptsponsor als Anteilseigner an Bord geholt. Welche strategische Logik steht hinter dieser Transaktion – abgesehen von den knapp 27 Millionen Euro, die dadurch in die Kasse von Borussia Dortmund fließen?
Uns geht es insbesondere darum, Evonik langfristig an uns zu binden, die Markenpartnerschaft auszubauen und damit auch weiteres Wachstumspotential beim Sponsoring zu erschließen.

Indem Sie Ihrem wichtigsten Geschäftspartner zum Anteilseigner machen und ihm Mitspracherechte einräumen? Möglicherweise hindert Evonik Sie eines Tages einmal daran, zu einem anderen Sponsor zu wechseln, der mehr zahlen will.
Diese Gefahr sehe ich nicht. Formal nicht, weil ja weder eine Equity- noch eine Sponsor-Partnerschaft für alle Zeiten irreversibel sind. Und auch wirtschaftlich nicht, weil wir sicherstellen werden, dass unserer Partnerschaft immer marktgerechte Konditionen zu Grunde liegen werden. Wir haben parallel zur Kapitalerhöhung ja gleichzeitig auch den Sponsorvertrag mit Evonik zu verbesserten Konditionen bis ins Jahr 2025 verlängert. Das gibt uns die Möglichkeit, unser Markenpotential in Ruhe zu entwickeln und besser auszuschöpfen. Das ist eines der wichtigsten Langfristprojekte, die Borussia Dortmund in den nächsten Jahren prägen werden.

Thomas Treß will Gehaltskosten nicht ausufern lassen

27 Millionen Euro sind für Borussia Dortmund eine Menge Geld. Als Verwendungszweck geben Sie offiziell „wachstumsbeschleunigende Investitionen“ an. Gibt es jetzt ein großes Feuerwerk auf dem Transfermarkt?
Nein. Ein Teil der Gelder fließt auch in Spielertransfers. Wir nutzen die Mittel aber auch, um beispielsweise den Bau unseres neuen Service-Centers am Stadion gegenzufinanzieren, der uns nach Fertigstellung im August immerhin über 8 Millionen Euro gekostet haben wird, die wir aus Bordmitteln vorfinanziert haben.

Und der Schuldenabbau?
Die noch bestehenden Finanzverbindlichkeiten von rund 40 Millionen Euro stehen im Zusammenhang mit der Finanzierung des Stadions. Diese Kredite sind vertraglich bis 2026 ausfinanziert. Mit der Evonik-Tranche werden wir an dieser Stelle nichts machen.

Und mit weiteren Tranchen? Sie haben ja noch viermal so viel genehmigtes Kapital, wie Sie jetzt ausgeschöpft haben – und verhandeln bereits mit weiteren Partnern.
Dann werden wir sehen. Alle unsere Fans und Geschäftspartner können sicher sein, dass wir auch Zuflüsse aus möglichen weiteren Transaktionen nicht sinnlos in Transfers verpulvern würden.

„Wir haben uns ganz klare Grenzen gesetzt“

Das klingt schön, aber stehen Sie wirklich immer noch zu der Vorfahrt für die wirtschaftliche Vernunft, mit der Sie damals angetreten sind, um den BVB zu sanieren? Mit frischem Geld von der Börse fing ja auch damals das BVB-Drama an.
Sie können sicher sein, dass wir unser Augenmaß bewahren werden. Wir haben uns ganz klare Grenzen gesetzt und kommunizieren sie bei dieser Gelegenheit auch gerne ohne Einschränkungen nach außen: Wir wollen und werden die Gehaltskosten und Abschreibungen des BVB nicht so hoch treiben, dass uns diese Kostenpositionen wieder zurück in die Verlustzone drücken.

Warum nehmen Sie dann überhaupt so viel Geld auf? Wenn Sie Ihr genehmigtes Kapital ausschöpfen, könnten Sie am Ende sogar zwischen 150 und 200 Millionen Euro einnehmen.
Diese Zahl ist Stand heute rein theoretisch. Wir haben jetzt die Gelegenheit, mit ausgewählten strategischen Partnern die Basis für weiteres Wachstum zu legen, und diese Chance wollen wir nutzen. Diese Transaktionen dienen nicht dem Stopfen von Löchern oder der Finanzierung von Transferoffensiven, sondern der  Erlösstabilisierung, dem Erlöswachstum und letztlich auch der Verbesserung der finanziellen Widerstandskraft von Borussia Dortmund. Mögliche Zuflüsse aus denkbaren weiteren Kapitalerhöhungen werden wir zum größten Teil einsetzen, um Schulden zu tilgen und unser Festgeldkonto aufzufüllen. Damit sorgen wir vor, um Borussia Dortmund auch in schweren Zeiten stabil halten zu können.    

Wie viele Millionen wollen Sie denn noch aufnehmen?
Das kann ich derzeit noch nicht sagen – nicht nur wegen der Pflicht zur Verschwiegenheit Die von Evonik gezeichnete Kapitalerhöhung lief unter Ausschluss des Bezugsrechts der übrigen Aktionäre. Bei weiteren Kapitalerhöhungen bekämen die Aktionäre Bezugsrechte, und keiner weiß, wie viele davon sie ausnutzen würden.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Warum Treß nicht mit Finanzinvestoren zusammenarbeiten will und wie er zu dem Vorwurf steht, den BVB zu billig verkauft und damit den Nr.2-Status hinter den Bayern zementiert zu haben, lesen Sie morgen im zweiten Teil des Interviews mit Thomas Treß.

Mehr zu den Hintergründen des Evonik-Deals, zu den wirtschaftlichen Perspektiven des Traditionsklubs und zur Person Thomas Treß finden Sie auf unserer Themenseite zu Borussia Dortmund.