"Persönliche Eitelkeiten": Borussia Dortmund-CFO Thomas Treß hat eine klare Meinung von Finanzinvestoren und Sportmäzenen.

Borussia Dortmund

18.07.14
CFO

BVB-CFO Thomas Treß erteilt PE-Investoren klare Absage

Hertha BSC setzt auf den PE-Investor KKR, der HSV auf den Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Thomas Treß, CFO von Borussia Dortmund, hält davon gar nichts. „Es geht dann nur um persönliche Eitelkeiten“, meint der BVB-CFO – und sagt, wie er den Einfluss seiner neuen Großaktionäre bei Borussia Dortmund im Zaum halten will.

Der BVB hat jetzt für 10 Prozent von Evonik 27 Millionen bekommen – die Bayern für 8,3 Prozent von der Allianz 110 Millionen Euro. Indem Sie Ihre Anteile jetzt zu einem Bruchteil des Wertes verkaufen, den die Bayern erzielt haben, zementieren Sie doch den Nr.2-Status des BVB im deutschen Fußball.
Die Bayern sind uns mit oder ohne Kapitalerhöhungen immer noch weit voraus. Wir wollen den Rückstand bei den Erlösen aber verringern, diesem Ziel dienen unter anderem auch unsere Partnerschaften. Und unser Blick geht auch in die andere Richtung: Wir vergrößern gerade den wirtschaftlichen Vorsprung vor unseren Verfolgern in der Bundesliga. Darüber hinaus blicken wir auf Europa, wo es unser Ziel ist, uns unter den größten Klubs zu etablieren.

Hertha BSC Berlin hat mit KKR einen PE-Investor an Bord geholt, der Hamburger SV hat den Weg für den Einstieg des Unternehmers Klaus-Michael Kühne geebnet. Warum hat sich der BVB gegen die Modelle Finanzinvestor und Mäzen entschieden?
Weil wir in der komfortablen Lage sind, dass wir den Verein strategisch weiterentwickeln können. Der BVB muss keine Löcher stopfen oder Finanzkatastrophen abwenden. Warum sollten wir uns dann mit einem Mäzen oder einem Finanzinvestor ins Bett legen? Das macht aus unserer Sicht strategisch keinen Sinn.

Der FC Bayern hat penibel darauf geachtet, dass die drei über eine Kapitalerhöhung an Bord gekommenen Industriepartner Adidas, Audi und Allianz auch gemeinsam keine Sperrminorität erreichen. Angesichts Ihres genehmigten Kapitals und der laufenden Verhandlungen kann es gut sein, dass Ihre Partner gemeinsam die 25-Prozent-Schwelle überwinden. Wie wollen Sie den Einfluss Ihrer neuen Anteilseigner auf den Verein begrenzen?
Auf Grund unserer Rechtsform müssen wir das gar nicht. Borussia Dortmund ist eine KGaA. Unsere Anteilseigner werden eine Repräsentanz im Aufsichtsrat beanspruchen. Aber bei einer KGaA hat der Aufsichtsrat nicht das Recht, die Geschäftsführung einzusetzen oder abzuberufen oder Einfluss auf das operative Geschäft zu nehmen. Das macht der Beirat der Komplementär-GmbH.

Treß: „Absurd zu behaupten, der BVB hätte seine Identität verkauft“

Im Gegensatz zu einem CFO in einem Industrieunternehmen sind Sie aber trotzdem in Ihren Finanzierungsmöglichkeiten eingeschränkt. Die 50+1-Regel, die im deutschen Profifußball gilt, beschränkt die Beteiligung externer Investoren auf knapp unter 50 Prozent. Wird 50+1 Borussia Dortmund eines Tages daran hindern, weiter zu wachsen?  
Auf keinen Fall, 50+1 ist eine gute und ausgesprochen wichtige Regel. Sie verhindert, dass in deutsche Vereine durch Oligarchen, Scheichs, Multimillionäre oder ähnliche Personen ohne Sinn und Verstand Geld hineingepumpt wird, das nie wieder zurückverdient werden kann. Es geht dann nur darum, persönliche Eitelkeiten zu befriedigen. 50+1 zwingt die deutschen Vereine, mit ihrem eigenen Geld zu wirtschaften und hilft den Klubs, ihre Identität zu bewahren.

Der BVB wirtschaftet jetzt aber auch nicht mehr nur mit eigenem Geld, sondern auch mit dem von Evonik.

Evonik hat 9 Prozent erworben, keine 50 Prozent. Es wäre absurd, zu behaupten, der BVB habe seine Identität verkauft. Wir werden die frischen Gelder mit Vernunft und Augenmaß einsetzen, damit wir nachhaltig wachsen können.

Was schön für Borussia Dortmund ist, die wirtschaftliche Ungleichheit in der Bundesliga aber weiter vertieft.

Der Wettbewerb in der Bundesliga ist offen und fair. Jeder Verein hat die Möglichkeit, sich wirtschaftlich zu entwickeln und den gleichen Sprung zu machen, den Borussia Dortmund seit der Fast-Insolvenz 2005 gemacht hat. Und noch etwas möchte ich betonen: Borussia Dortmund ist ein Traditionsverein, ein Klub, der für Intensität, Echtheit und Bindungskraft steht, der Menschen verbindet und mit seinem Markenversprechen „Echte Liebe“ Millionen von Fans verpflichtet ist. Gefährlich für die Attraktivität der Liga wäre es nur dann, wenn Plastikklubs ohne substantielle Fanbasis die Liga dominieren würden.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie Thomas Treß die frischen Millionen von Evonik investieren will, wie viele Millionen noch oben drauf kommen könnten und wie er die Wiederkehr der alten Protzsucht bei Borussia Dortmund verhindern will – die Antworten im ersten Teil des Interviews mit Thomas Treß.

Mehr zu den Hintergründen des Evonik-Deals, zu den wirtschaftlichen Perspektiven des Traditionsklubs und zur Person Thomas Treß finden Sie auf unserer Themenseite zu Borussia Dortmund.